Auch mit Blick auf den das ganze Jahr über schwächelnden Werbemarkt hielt man sich bei ProSieben und Sat.1 das Jahr über programmlich eher zurück, viele Formate starteten später als man das eigentlich gewohnt war - in der Hoffnung, dass sich die Zeichen vielleicht doch noch in Richtung wirtschaftlicher Erholung und damit einhergehend höhere Werbebudgets drehen. Dazu kam es zwar nun nicht wirklich, aber die Auswirkungen im Programm lassen sich nun trotzdem beobachten.

So bestritten die beiden größten Sender von ProSiebenSat.1 im November jeweils rund zwei Drittel ihres Abendprogramms zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht mit Erstausstrahlungen oder Free-TV-Premieren. Bei ProSieben etwa waren beispielsweise "Wer stiehlt mir die Show", "Joko & Klaas gegen ProSieben" und "The Masked Singer" allesamt am Start, Sat.1 machte vor allem auch dank "Promi Big Brother" in Sachen Frische-Anteil einiges gut. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Frische-Index um 12 bzw. 13 Prozent.

Sat.1 hatte allerdings auch im vergangenen Jahr - damals noch als Reaktion auf die Fußball-EM erst zum Jahresende auf "Promi BB" gesetzt, daher lag der Frische-Wert auch im November vergangenen Jahres schon hoch. Obwohl der November nun der Monat mit dem mit Abstand geringsten Wiederholungsanteil im ganzen Jahr für Sat.1 war, konnte der Sender im Jahresschnitt daher nicht viel Boden gutmachen und liegt beim Frische-Index weiter zehn Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Bei ProSieben fiel der Frische-Anteil im November hingegen 21 Prozentpunkte höher aus als im November 2022.

Zur Spitzengruppe konnten ProSieben und Sat.1 aber natürlich trotzdem nicht aufschließen, diesmal setzte sich das ZDF knapp vor RTL an die Spitze, knapp dahinter folgt Das Erste, allesamt mit einem weiterhin sehr geringen Wiederholungsanteil zwischen fünf und zehn Prozent des Abendprogramms. Deutlich mehr Wiederholungen als zuletzt liefen bei Vox, das aber weiter vor RTLzwei und Kabel Eins rangiert.

    FIX-Punkte
November 2023
Vergleich zum
Vormonat
Vergleich zum
November 2022
Jahresschnitt '23
(vs 01-11/22)
ZDF 95 von 100 +7 +2 84
(-1)
RTL 92 von 100 -3 +18 89
(+0)
Das Erste 90 von 100 +7 +2 77
(-4)
ProSieben 68 von 100 +12 +21 54
(-1)
Sat.1 66 von 100 +13 +1 45
(-10)
VOX 43 von 100 -15 +20 45
(+0)
RTLzwei 30 von 100 -3 +13 34
(+1)
kabel eins 27 von 100 +0 +7 24
(-2)

Frische-Index-Verlauf bis November 2023

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Quelle: DWDL.de-Recherche
dwdl.de/zahlenzentrale

Wie wir die Daten erheben und was sie aussagen

Wir werten Monat für Monat das Programm der acht großen Vollprogramme zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht aus und ermitteln den Anteil an "frischem Programm", wozu wir Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren rechnen. Sendungen, die vorab gestreamt werden konnten, gelten hier ebenfalls als "frisches Programm". Über die Qualität des Programms sagt der Anteil der Erstausstrahlungen natürlich nicht unbedingt etwas aus, doch es ist eines von mehreren Indizien, mit welchem Aufwand ein Programm derzeit betrieben wird.

Zu beachten ist zudem: Der Frische-Index gibt einen Trend an, bildet die Situation aber nicht ganz genau ab. So gibt es beispielsweise einen systembedingten "Nachteil" für Das Erste und das ZDF: Aufgrund der Werbefreiheit müssen sie mehr eigenes Programm produzieren, um die Zeit zu füllen, während die Privatsender einen gar nicht so geringen Teil des Abends mit Werbeblöcken füllen. Eine Stunde Erstausstrahlung ohne Werbung im Ersten haben wir aber genauso gewertet wie eine Stunde Erstausstrahlung bei den Privaten mit Werbung.