Bild Michael JacksonDie Reaktionen auf die Titelseite der "Bild" am Montag reichten von Verwunderung bis Zweifel. Zu sehen sein sollte Michael Jackson nur Stunden vor seinem Tod. Doch im Internet wuchsen schnell Zweifel über das Aufnahmedatum der Fotos, die so gar nicht zu dem passte, was zuletzt über Jackson in Umlauf war. Und wieso trägt Jackson auf dem Titelfoto der "Bild" eigentlich keine Sonnenbrille, wie er es in den letzten Jahren beinahe immer tat?

Nicht nur "Bild" übernahm das Foto als vermeintlich sensationelle Dokumentation der letzten Stunden des "King of Pop". Deutsche aber auch internationale Medien stützen sich auf dieses und weitere Fotos einer Fotoreihe, darunter Zeitungen, Online-Angebote wie selbst TMZ.com, die vergangene Woche zuerst vom Tode Michael Jacksons berichteten - und Fernsehsender, etwa RTL. Auch "Focus Online". Doch immerhin: Dort hakte man mit den wachsenden Zweifeln an den Aufnahmen beim Verkäufer der Bilder, der Potsdamer Agentur Reflex, nach - und kam des Rätsels Lösung auf die Spur.
 

 
Die zwar tatsächlich noch nie zuvor veröffentlichten Fotos stammen nicht aus dem Juni 2009 von Proben Jacksons für seine geplante Comeback-Tour - sondern sind bereits 2003 gemacht worden. Das bestätigt auch Michael Symanowski von der Potsdamer Agentur Reflex, die die Bilder in Deutschland in Umlauf brachte, im Gespräch mit "Focus Online": "Es stimmt, die Bilder sind sechs Jahre alt". Weiter wird der Agentur-Mitarbeiter mit den Worten zitiert: "Uns allen ist fürchterlich schlecht, so etwas ist noch nie passiert."

Die Fotos bekam die Bild-Agentur wiederum von einem Geschäftspartner aus den USA. "Unser Lieferant Alec Byrne ist eigentlich sehr zuverlässig", so Symanowski. Doch Byrne ist derzeit nicht erreichbar. Er hatte die Bilder laut Agentur Reflex aus dem Dunstkreis des toten Popstars. "Alec hat mir am Telefon gesagt, dass ihm die Aufnahmen von jemandem aus Michael Jacksons Umfeld angeboten wurden", sagte Symanowski zu "Focus Online". In Potsdam glaubt man, dass auch ihr Lieferant betrogen wurde.

Beim Axel Springer Verlag ist der Ärger über das falsche Foto besonders groß. "Bild"-Sprecher Tobias Fröhlich wählte am Nachmittag auf DWDL.de-Anfrage deutliche Worte. "Wir, wie auch andere, sind einem Betrug aufgesessen und prüfen nun juristische Schritte", so Fröhlich. Auf "Bild.de" ist der Vorfall inzwischen auch schon thematisiert. und in einer Bildergalerie gezeigt, wie auch andere Medien dem falschen Foto auf den Leim gingen. Abschließend heißt es dort: "Dass auch wir darauf reingefallen sind, bedauern wir."