Am Donnerstag tritt Wolfram Weimer nach einem monatelangen Warmlaufen in Berlin endlich seinen Job als neuer Chefredakteur des "Focus" an. Die Parole "Relevanz, Relevanz, Relevanz statt Fakten, Fakten, Fakten" hatte er bereits vor einiger Zeit ausgegeben. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" konkretisierte er nun noch einmal seine Pläne für das zuletzt etwas angeschlagene Magazin.
Vor allem will er den "Focus" wieder stärker als Gegenspieler des "Spiegel" positionieren. "Der Focus galt als sympathisch, weil er gegen diesen übermächtigen Spiegel angetreten ist und eine alternative geboten hat. Diese Haltung will ich wieder mehr pflegen." Er wünsche sich einen "lustvollen Wettbewerb um die Deutungsmacht in wesentlichen gesellschaftlichen und politischen Fragen".
Das sei gerade jetzt wieder gut möglich, weil der "Spiegel" unter Schwarz-Gelb "fühlbar wieder nach links" gerückt sei. "Dadurch werden für uns Räume frei", so Weimer. "Wir sollten in unseren Debatten die Plätze in ganzer Größe bespielen, statt uns immer nur um den einen Quadratzentimeter namens 'Mitte' zu balgen". Der "Focus" solle gegen die links-liberalen Ansichten des "Spiegel" die "bürgerliche Stimme der Vernunft" stärken.
Weimer übte unterdessen auch Kritik am Sparkurs der Verlage in den letzten Jahren - wovon auch der "Focus", der gerade massiv Stellen abbaut, nicht verschont blieb. "Wir müssen in Qualität investieren", ist Weimer überzeugt. "Ich halte das Kleinsparen für einen großen Fehler". Es habe dazu geführt, dass in den letzten 20 Jahren außer "Focus" und "Cicero" keine meinungsbildenden Medien auf dem Markt gekommen seien, die sich gehalten hätten. "Aber wie viel Geld haben Verlage in den vergangenen 15 Jahren in wirrste Online-Portale investiert? Und woher stammte das Kapital dafür?".
Investitionen in Qualität seien eine "Frage der wirtschaftlichen Vernunft". Die Krise der Print-Titel hält Weimer zu einem großen Teil offenbar für selbst verschuldet: "Stellen Sie sich vor, die Autoindustrie hätte auf Branchenkrise und Existenzbedrohung mit der Entscheidung reagiert: Wir machen keine neuen Modelle mehr, und in den Sparwellen nehmen wir erst das Navi raus, dann die Klimaanlage oder die Ledersitze. Wer hätte sich da noch über ein Einbrechen der Absatzzahlen gewundert."
Ausgehend davon will Weimer sich jetzt vor allem auf das Print-Magazin konzentrieren und interessiert sich vorerst herzlich wenig für das iPad, das andere Medien-Konzerne zuletzt geradezu euphorisiert hatte. "Wir bei Focus wollen es jetzt noch einmal so richtig wissen. Mit Print! Mit diesem Heft! Deswegen interessiert es mich im Moment nicht so sehr, welche tollen Apps wir herausbringen oder welche Click-Gallery wir noch für die iPads und Blackberrys dieser Welt produzieren können. Ich will ein tolles Heft, das die Leser fasziniert."
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