Diese Telegeschichte beginnt am 26. Februar 1988 mit einer kurzen Pressemitteilung. Darin gibt der beliebte Fernsehmoderator Frank Elstner erstmals einen Hinweis zu seiner neuen Sendung. Sehnsüchtig hatte man auf eine solche Information von ihm gewartet, nachdem er vor rund zehn Monaten die Moderation von „Wetten, dass..?“ an seinen Nachfolger Thomas Gottschalk abgegeben hatte, um sich einer neuen Idee zu widmen. Einer Idee, über die er zwei Jahre gegrübelt hatte und die Unterhaltung mit Relevanz verbinden wollte. Sie resultierte aus seinem Mitwirken an der wenig bekannten Reihe „Die stillen Stars“, in der er Nobelpreisträger:innen porträtierte. Dabei wuchs in ihm die Überzeugung, dass sich die Welt dank neuer Erkenntnisse und Erfindungen in kurzer Zeit grundlegend verändern würde. Diese spannende Bewegung wollte er in seinem nächsten Projekt auf dem Fernsehschirm abbilden.
Wie genau das Format aussehen würde, davon hat die Öffentlichkeit bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung. Klar ist nur, das Publikum und die Branche erwarten von Elstner nach der Entwicklung von „Wetten, dass..?“ nichts weniger als einen ebenso großen Meilenstein. Doch Elstner bleibt weiter nebulös. Auch seine Pressemitteilung gibt keine echte Auskunft. Sie verkündet eigentlich nur, dass ein Starttermin zum Ende des Jahres 1988 anvisiert wird. Inhaltlich erklärt er einzig, dass er eine Sendung mit Spielcharakter plane, „bei der ein direkter Dialog mit dem Publikum stattfindet, ähnlich der von mir erfundenen Saalwette in ‚Wetten, dass..?‘“.
Mit diesem Satz trägt Elstner dazu bei, dass sich sein neues Vorhaben einen stetigen Vergleich mit der legendären Wettshow gefallen lassen muss. Ein Wettbewerb, den es nie für sich entscheiden können wird und daher als das miese „Wetten, dass..?“ in die Fernsehgeschichte eingehen wird.
Keiner weiß Bescheid
Geheimniskrämerei gehörte fest zur Kommunikationsstrategie von Frank Elstner, der sein neues Projekt unter größter Verschwiegenheit entwarf. Selbst das ZDF, das die unfertige Idee quasi blind gekauft hatte, wusste nicht genau, an was Elstner mit seinem Team damals werkelte. Dafür hatte er sich beim Intendanten Dieter Stolte die Sondererlaubnis eingeholt, das Konzept ohne Beteiligung der üblichen ZDF-Redakteur:innen ausarbeiten zu dürfen. Man ließ ihn gewähren. Mit der Erfindung von „Die Montagsmaler“, „Tele-As“ und natürlich von „Wetten, dass..?“ war das Vertrauen in ihn groß. Frei nach dem Motto: Lass‘ ihn ruhig machen. Der schafft das.
© ZDF
Nicht einmal auf der offiziellen Pressekonferenz am 18. Oktober 1988, zu der Elstner viele Journalist:innen aus dem ganzen Land anreisen ließ, nannte er konkrete Details. Stattdessen präsentierte er das aufwendige Bühnenbild. Ohne Frage, das allein war spektakulär, weil es aus insgesamt 50 Tonnen schweren Wänden bestand, die mit 30.000 Lampen versehen und dank gigantischer Luftkissen beweglich waren. Ergänzt wurden sie durch eine Sitzgruppe, die auf einer runden Scheibe montiert war und sich wie ein UFO drehen und ebenfalls auf Luftkissen durch die Halle gleiten konnte. Allein der Bau der Dekoration kostete rund zwei Millionen DM. Doch was genau vor diesen Kulissen passieren sollte, blieb weiterhin offen.
Noch größer als „Wetten, dass..?“
Elstner und das ZDF wollten, dass die neue Show groß wird. So groß, wie es nie eine zuvor gab. Daher engagierten sie für das Sounddesign den oscarnominierten Hollywood-Komponisten Harold Faltermeyer, der zuvor mit dem Stück „Axel F“ aus dem Film „Beverly Hills Cop“ sowie dem Theme aus „Top Gun“ weltweit bekannt geworden war. Der renommierte Werbespezialist Vilim Vasata, der Slogans wie „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause“ und „Vorsprung durch Technik“ geprägt hatte, erhielt den Auftrag, ein Maskottchen zu entwerfen. Er schuf das sogenannte Nasenhörnchen, von dem wiederum die Firma Steiff passende Stofftiere herstellte. Darüber hinaus plante man den Einsatz neuer Techniken wie Computergrafik und Telefax. Und im Saal wurden unter den Zuschauenden 1.000 spezielle Lampen verteilt, mit denen sie mehrfach über den Verlauf der Sendung abstimmen konnten.
Hinzu kam ein monströses Rubbelspiel, an dem ganz Deutschland teilnehmen sollte. Dafür verteilte die Deutsche Bundespost 29 Millionen Rubbelkarten ungefragt an nahezu alle Haushalte. Der Druck und Versand der Karten kosteten weitere zwei Millionen DM. Diese Aufwände übernahm diesmal die Bundespost, die sich durch die Kooperation einen Imagegewinn erhoffte. Eine ähnliche Zusammenarbeit hatte man mit dem ZDF bereits bei der Show „Vergißmeinnicht“ getroffen. Für „Nase vorn“ spendete die Post zusätzlich eine Reihe von Sachgewinnen, die von Elstner verlost werden konnten. Als kleine Gegenleistung trat der amtierende Postminister Christian Schwarz-Schilling in der Premiere auf.
Wofür die Rubbelkarten gebraucht wurden, blieb zunächst wieder offen. Auf ihnen war lediglich vermerkt, dass die Regeln erst in der Sendung erklärt werden. Dafür forderte man das Publikum auf, die Karte sorgfältig aufzuheben, da sie in allen acht geplanten Ausgaben bis Ende 1989 zum Einsatz kommen sollten. Oder anders gesagt, die Rubbelkarte war ein wertvolles Dokument, das eigentlich einen Platz im Familiensafe neben dem Testament und dem Sparbuch verlangte.
Die teuerste Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen
Rund 180 Mitarbeitende waren nötig, um den Ablauf stemmen zu können. Fünf Firmen waren allein mit den technischen Herausforderungen betraut. Der Stromverbrauch einer zweistündigen Ausgabe entsprach dem einer Kleinstadt mit 40.000 Menschen. All diese Aufwände summierten sich auf Kosten von rund 1,5 Millionen DM pro Show. Zum Vergleich: Eine Folge von „Wetten, dass..?“ schlug damals mit etwa 800.000 DM zu Buche. Vor dem Start von „Nase vorn“ zeichnete sich daher ab, dass sie die teuerste Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen werden sollte.
Dieser gewaltige Betrag erhöhte den Druck auf die Produktion und auf Frank Elstner. Und der heizte die viel zu hohen Erwartungen zusätzlich an, indem er eine Einschaltquote von „40 Prozent plus X“ prophezeite. Obendrein verkündete der ZDF-Unterhaltungschef Wolfgang Penk, dass er in „Nase vorn“ ein Format sah, mit dem man „in die 90er Jahre gehen“ könne. Elstner musste damit nicht bloß die größte Show aller Zeiten und ein neues „Wetten, dass..?“ liefern, sondern zugleich die Sendung für das neue Jahrzehnt. But No Pressure, please.
Schrecklich kompliziert
Als am 10. Dezember 1988 endlich die erste Ausgabe von „Nase vorn“ anstand, war das Interesse entsprechend enorm. Schnell machte sich jedoch Ernüchterung breit. Der Ablauf hakte. Die viel zu vielen Elemente griffen nicht sauber ineinander. Bei den Alltagshelden handelte es sich keineswegs um visionäre Erfinder:innen, die einen Blick in die Zukunft ermöglichten. Es traten kuriose Bastler auf, die etwa ein Sitzbrett zum Schunkeln oder eine Matratze mit Loch entworfen hatten, um bequemer auf der Seite liegen zu können.
Sie waren nicht einmal zentrale Protagonist:innen der Show, sondern tauchten zwischen all den anderen Programmpunkten kurz auf. Stattdessen wurden die Kandidat:innen für die Spiele zufällig aus dem Saalpublikum ausgewählt. Gemeinsam mit jeweils einem prominenten Gast mühten sie sich in vier langatmigen Runden für den Einzug ins Rubbelfinale. Mal mussten sie das Abstimmungsergebnis des Publikums, mal das Resultat einer Umfrage einschätzen oder das Geschlecht einer Vogelspinne erraten. Dazwischen führte Elstner seichte Gespräche mit den Gästen Günther Jauch, Boris Becker, Silvia Seidel und Peter Alexander.
Auch die Abstimmungslampen im Saal kamen zu selten sinnvoll zum Einsatz und wurden wenn, dann meist für banale Fragen genutzt. Etwa um zu erheben, wer Boris Becker einen erneuten Wimbledon-Sieg wünschte. Ebenso enttäuschend verlief das Rubbelspiel. Die Beteiligung der Zuschauenden zu Hause beschränkte sich darauf, dass sie von den 32 aufgedruckten Feldern nur ein einziges Feld freirubbeln durften. Überdies waren die Gewinnchancen gering. Unter den 29 Millionen Karten befanden sich gerade einmal 100, bei denen das Rubbeln eine geheime Telefonnummer freigab, die man anrufen musste, um überhaupt etwas gewinnen zu können. Parallel dazu sollte die Finalistin in der Halle einschätzen, wie viele Menschen derzeit in der Leitung hingen. Mit etwas Glück konnte sie knapp 20.000 DM gewinnen.
Wie genau das alles funktionierte, war letztlich nebensächlich. Es war schrecklich kompliziert und Elstner war den ganzen Abend beschäftigt, die einzelnen Elemente zu erklären. An keiner Stelle flammte eine Leichtigkeit auf oder entstand ein organischer Fluss. Hier rächte sich, dass das Konzept einzig auf dem Papier entwickelt und zuvor nie vollständig geprobt worden war.
Der „Flop des Jahres“
Gemessen an den Zahlen war die Premiere von „Nase vorn!“ ein fulminanter Erfolg. Durchschnittlich 21,81 Millionen Menschen hatten eingeschaltet, was einem Marktanteil von 54 Prozent entsprach. Damit wurde sie zur zweitmeistgesehenen Ausstrahlung des Jahres – direkt hinter dem EM-Halbfinale Deutschland gegen Holland. Vor allem erreichte sie eine höhere Sehbeteiligung als jede Ausgabe von „Wetten, dass..?“ in diesem Jahr.
Die Freude darüber hielt allerdings nicht lange an, denn die geschmacklichen Beurteilungen fielen überwiegend negativ aus. Schon während der Übertragung gingen beim ZDF knapp 2.000 Anrufe ein, in denen sich die Zuschauenden über den Inhalt beschwerten oder Fragen zum Rubbelspiel stellten. Ein Indiz dafür, dass das Publikum den Ablauf ebenfalls als zu überladen, kompliziert und verkopft wahrnahm.
Die Presse reagierte noch schärfer. Der Autor Peter Stolle bezeichnete im Nachrichtenmagazin Spiegel den Auftakt als „Flop des Jahres“ und als einen „neuen, furchtbaren Rückschlag für das notleidende deutsche Amüsierwesen.“. Ihn erinnerten die „135 vergnügungsfernen Minuten“ an „ein fades Nasi Goreng aus Talk-, Spiel und schalem Singsang.“ Mit dieser Einschätzung stand Stolle keineswegs allein. Egal ob Frankfurter Allgemeine Zeitung („Elstners neueste Zeittotschlag-Sendung“), Süddeutsche Zeitung („komplizierte Spielideen“), BILD („zu langweilig, zu kompliziert, enttäuschende Gewinne“) oder NZZ („Selbstgefälligkeit von Dilettanten“), nirgends war ein gutes Wort zu lesen.
Die Ablehnung, die Frank Elstner nach der Premiere traf, war in ihrer Härte und Breite beispiellos. Neben dem von ihm erdachten Konzept gerieten er selbst und sein Moderationsstil ins Visier. Seine bislang oft als höflich, angenehm ruhig und zurückhaltend beschriebene Art wurde nun als ermüdend und überholt bewertet. Der gerade einmal 45-jährige Moderator galt plötzlich als „graue ZDF-Eminenz“ (Spiegel) oder als „Unterhaltungs-Ajatollah aus Mainz“ (Nordwest-Zeitung).
Das ZDF versuchte den Schaden zu begrenzen und versprach, bis zur zweiten Ausgabe an einem flüssigeren Konzept zu arbeiten. Der ZDF-Intendant Dieter Stolte sprach davon, dass man lediglich einen „Grundstein“ gelegt habe und Wolfgang Penk ergänzte, dass die Sendung erst im Laufe der Zeit zu „einer liebenswerten, charmanten Samstagabendunterhaltung“ heranwachsen werde.
Notbehandlungen
Als sich die Resonanz trotz kleinerer Änderungen nach der zweiten Folge nicht verbesserte, begannen Penk und die ZDF-Redaktion, sich stärker in die Produktion einzumischen, um zu retten, was noch zu retten war. Für die dritte Ausgabe am 11. Februar 1989 aus Duisburg strichen sie als Erstes allen unnötigen technischen Schnickschnack wie die Faxgeräte, die ohnehin nie richtig funktionierten.
Außerdem rückten sie die Alltagshelden stärker ins Zentrum. Unter ihnen befanden sich nun tatsächlich Personen, die wegweisende Erfindungen präsentieren konnten. Gleichzeitig gab man ihnen und nicht mehr zufällig ausgewählten Menschen aus dem Publikum die Chance, hohe Geldpreise zu gewinnen. Zu diesem Zweck kämpften prominente Paten in einem echten Pferderennen stellvertretend um den Einzug ihrer Alltagshelden ins Rubbelfinale.
Im Zuge dieser Veränderungen verschwand die schwebende UFO-Couch. Fortan führte Elstner die Gespräche deutlich kürzer und meist im Stehen. Anders gesagt: Bis auf die Grundidee und die Rubbelei am Ende blieb kaum etwas vom ursprünglichen Konzept übrig.
Mit den Anpassungen begann sich die Stimmung langsam zu drehen. In den Kritiken hieß es nun, dass endlich „eine klare Grundstruktur erkennbar“ und insgesamt „mehr Schwung“ spürbar sei. Hierzu trug nicht zuletzt ein singender Zahnarzt bei, der seine jungen Patient:innen mit Liedern beruhigte. Bei dessen Auftritt legte sich der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm auf den Stuhl und ließ sich vor laufenden Kameras behandeln. Bis heute eine von Elstners Lieblingsszenen, wie er später in einem Rückblick auf die Reihe erzählte.
Sie waren stets bemüht
Dass die Korrekturen ihre Wirkung zeigten, ermutigte die Redaktion zu weiteren Umbauten am Konzept. Am Ende glich keine Episode der vorherigen. Stets bestand die Hoffnung, aus der bislang allenfalls mäßigen Show doch noch eine hervorragende und populäre Samstagabendunterhaltung zu machen. Mit dieser Absicht verpflichtete man sogar den erfahrenen Redakteur Holm Dressler. Er hatte zuvor „Wetten, dass..?“ betreut und galt als einer der wichtigsten Gestalter hinter dem Erfolg von Gottschalk.
Helfen sollte auch die höhere Zahl prominenter Gäste, die teilweise bloß für einen kurzen Auftritt anreisten. Im Laufe der Zeit begrüßte Frank Elstner unter anderem Gina Lollobrigida, Dolph Lundgren, Sophie Marceau, Sandra, Tina Turner, Jennifer Rush, Kim Wilde, Whitney Houston, die Bee Gees und die Pet Shop Boys. Hinzu kamen deutschsprachige Stars wie Nena, Dieter Bohlen, Reinhard Fendrich, Harald Juhnke, Oskar Lafontaine, Kurt Felix, Katharina Witt, Udo Lindenberg, Roland Kaiser, Udo Jürgens oder die Münchener Freiheit. Zumindest diesbezüglich musste sich die gebeutelte Produktion nicht hinter „Wetten, dass..?“ verstecken.
Die Probleme der Sendung löste das alles dennoch nicht. Über solides Mittelmaß kam „Nase vorn“ in den Augen der Kritiker:innen nie hinaus. Man gestand der Show inzwischen zwar „vereinzelte Höhepunkte“ zu, beschrieb sie aber weiterhin als „Unterhaltung im Schongang“ oder als „Mixtur, die unterhielt, ohne vom Hocker zu reißen“.
Gleichzeitig gingen die Reichweiten kontinuierlich zurück. Von den knapp 22 Millionen Zuschauer:innen der Premiere blieben nach elf Ausgaben meist zwischen 12 und 14 Millionen übrig. Das waren zwar eigentlich solide Werte, doch angesichts des enormen Aufwands und der anfänglichen großen Worte reichten sie nicht aus.
Eine Show, die viel bewegen wollte
Die mangelnde Zustimmung war insofern tragisch, weil das Team viele ungewöhnliche, bewegende und gesellschaftlich relevante Momente schuf. So wurde etwa eine blinde Malerin vorgestellt oder ein Polizist, der Türkisch gelernt hatte, um Kindern aus seiner Nachbarschaft Märchen in ihrer Muttersprache vorlesen zu können. Zwei Hobbyköche demonstrierten, wie sie auf dem Motorblock ihres Fahrzeugs Forellen, Steaks und Shrimps zubereiteten. Zudem präsentierte Elstner den Bus der Zukunft, ein Auto mit Pflanzenölantrieb, einen Spielautomaten, der mit Metall- und Plastikmüll funktionierte, sowie ein Gerät zur Trennung von Schwermetallen im Abwasser.
Wenige Wochen nach dem Mauerfall trat ein Jugendchor mit Mitgliedern aus Ost und West auf, die gemeinsam „Wir sind grenzenlos“ sangen. Danach organisierte die Redaktion, dass 1.000 Kinder aus beiden Teilen Deutschlands zusammen in die Ferien nach Österreich reisen konnten. Man suchte Wohnungen für Aussiedler:innen, rief zur Gewaltlosigkeit auf und stellte regelmäßig Menschen und Initiativen vor, die sich für den Umweltschutz engagierten. So erklärte Elstner an einem Abend, dass man 10.000 DM für den Naturschutz in Brasilien spenden werde.
Nicht jede dieser Aktionen blieb unumstritten, doch in diesen Momenten zeigte sich die eigentliche Stärke von „Nase vorn“. Der Sendung gelang regelmäßig, über ihre Gäste gesellschaftlich relevante Themen im Samstagabendprogramm zu platzieren. Auf der gigantischen Bühne zwischen Pferderennen, Rubbellosen und Starauftritten wirkten diese Inhalte jedoch meist seltsam verloren. Deshalb kam wiederholt die Frage auf, ob ein kleineres Talkformat irgendwann in der Woche nicht besser zu diesem Ansatz gepasst hätte.
Das erlösende Ende
Ihre gesamte Lebzeit über begleiteten die Reihe Spekulationen, wie lange Elstner und das ZDF an ihr festhalten würden. Im Spätsommer 1990 nahmen die Gerüchte über ein baldiges Aus spürbar zu. Nicht zuletzt, da die Post angekündigt hatte, die teure Verteilung der Rubbellose ab 1991 nicht mehr übernehmen zu wollen. Daneben machte der Fernsehrat Hanns Schreiner öffentlich Stimmung. Für ihn war die Resonanz „inzwischen so miserabel“, dass sich der zuständige Ausschuss zwingend mit dem Thema auseinandersetzen müsse.
Nach außen zeigte sich Frank Elstner dennoch kampfeslustig. Die taz zitierte ihn damals mit den Wirten, es sei zu früh, dieses „Kind“ wegzuwerfen. „Wenn wir wirklich wüßten, daß ,Nase vorn‘ keine Substanz hat, dann würden wir aufhören“. Mehrfach verwies er als Gegenbeweis auf über 500 Zuschriften, in denen das Konzept ausdrücklich gelobt würde.
Doch hinter den Kulissen stand das Ende bereits fest. Sogar Elstner hatte die Motivation längst verloren, wie er später in einem Interview mit der Autorin Susanne Schult gestand. Das Problem lag aber darin, dass die hohen Anfangsinvestitionen eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren erforderlich machten. Hinzu kam, dass auf den millionenfach versandten Rubbelkarten sämtliche Termine bis Ende Dezember 1990 aufgedruckt waren. Daraus entstand für Elstner die „Zwangslage“, weiter senden zu müssen. „Ich habe dem ZDF gegenüber immer argumentiert, wir müssen unser Versprechen an den Zuschauer erfüllen.“
Mitten im Rubbelspiel der zwölften Ausgabe, die am 10. November 1990 aus Basel kam, ließ Elstner die erlösende Nachricht fast beiläufig fallen. Die kommende Folge werde die letzte sein. Ironischerweise sank die Sehbeteiligung an diesem Abend mit 10,53 Millionen Zuschauenden auf ihren Tiefpunkt.
Und so endete die Reihe „Nase vorn“ am 22. Dezember 1990 unspektakulär mit ihrer dreizehnten und letzten Ausgabe. Bis heute haftet ihr das Image als einer der größten Fehlschläge in der Geschichte des deutschen Fernsehens an. Hierbei wird oft vergessen, dass sie trotz allem die zweiterfolgreichste Show des ZDF war und nach ihr keine andere Unterhaltungssendung mehr eine vergleichbar hohe Sehbeteiligung erreicht hat.
Zeitgleich zur Ankündigung des Endes von „Nase vorn“ versicherte das ZDF übrigens in einer Pressemitteilung, weiter mit Frank Elstner zusammenarbeiten zu wollen. Nach einer längeren Pause werde er mit einer neuen Idee zurückkehren. Das Versteckspiel „Elstner und die Detektive“ erwies sich dann im Herbst 1992 als ein noch größerer Reinfall und wurde nach nur einer Episode wieder eingestellt. Das allerdings ist eine ganz andere Telegeschichte.
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