BBC© BBC
Das White Paper der Regierung zur Erneuerung der BBC-Charter ist nun endlich da, nachdem aber im Vorfeld bereits viel über Reformen diskutiert wurde, hält es nur wenige Überraschungen bereit. Während die Schließung des iPlayer-Schlupflochs nun fix ist und damit künftig auch reine Online-Nutzer den Rundfunkbeitrag zahlen müssen, gibt es hinter den Kulissen der BBC größere Änderungen. Der BBC Trust, das Aufsichtsgremium der Anstalt, wird nämlich abgeschafft. Stattdessen soll ein neues Gremium errichtet werden, in dem Mitglieder aus den Nations sitzen und die zum Teil von der Regierung bestimmt werden, was Kritiker auf den Plan ruft und die Unabhängigkeit gefährdet sehen. Zusätzlich wird das Ofcom künftig auch für die BBC die Regulierungsbehörde sein. Das Gebührenmodell wird beibehalten und soll erst bei der nächsten Erneuerung in elf Jahren – die Periode wird um ein Jahr verlängert, um unabhängig vom politischen Wahl-Zyklus zu sein – überarbeitet werden. Die TV Licence wird künftig außerdem wieder der Inflation angepasst, was angesichts der 750 Millionen Pfund schweren Kostenübernahme für die Gebührenbefreiung für Senioren aber nur ein schwacher Trost für die BBC sein wird. 20 Millionen Pfund muss die BBC testweise außerdem für kommerzielle Rivalen im Kinderfernsehen bereithalten.

BBC New Broadcasting House© DWDL
Während von BBC One und den Radioprogrammen BBC Radio 1 und BBC Radio 2 nur ganz vage mehr Kreativität und Ehrgeiz gefordert wird, soll das Online-Angebot der BBC abgespeckt werden und weniger Magazin-Inhalte bieten. Ein Schritt ist hier seit dieser Woche auch bereits bekannt: Die BBC wird ihr umfangreiches Rezeptarchiv nicht mehr fortführen bzw. teilweise zum kommerziellen Angebot BBC Good Food verlagern. Das führte bereits zu großen Protesten und einer Petition mit großem Zuspruch im sechsstelligen Bereich. Die BBC reagierte aber ganz locker: Man habe ja schließlich nicht gesagt, dass man die Rezepte löschen werde. Findige Nutzer haben daher rasch eine Suchfunktion kreiert, womit die rund 11.000 Rezepte auch weiterhin auffindbar sein sollen, auch wenn die eigentliche Hauptseite von BBC Recipes abgeschaltet wird. Rezepte aus Fernsehsendungen gibt es fortan nur noch 30 Tage lang. Abseits der Nachrichtenproduktion darf die BBC künftig 100 Prozent des Programms auch von unabhängigen Produktionshäusern herstellen lassen. Bislang war dies auf 50 Prozent limitiert. Der BBC kommt dies aber zur rechten Zeit, schließlich hat man die Produktionssparte gerade selbst erst privatisiert. Der BBC ist es weiterhin gestattet, Serien und Formatideen aus dem Ausland zu erwerben, soll aber ihren Einfluss dabei strenger abwägen und weniger als Konkurrent zu den privaten Fernsehsendern, sondern viel mehr als starker Partner auftreten.

Top Gear mit Chris Evans© BBC/Channel 4
Und dann wäre da auch noch die Offenlegung der Topverdiener, die im White Paper gefordert wird. Die Grenze liegt mit 450.000 Pfund Jahresgehalt deutlich höher als zunächst erwartet, Berichten zufolge wollte Kulturstaatssekretär John Whittingdale sie sogar bei 150.000 Pfund ansetzen. 2014/15 haben laut "The Guardian" neun Stars mehr als eine halbe Million Pfund verdient und 34 zwischen 250.000 und 500.000 Pfund. Chris Evans (Foto links), der zu den hochbezahlten Stars der BBC gehört, machte dazu auch bereits einen Vorschlag: "Dann zahlt einfach weniger!", schließlich verdiene er im Vergleich zu anderen Menschen zu viel Geld, sagte er BBC News. Wie andere Topverdiener wie Graham Norton und Gary Lineker reagieren und ob sie es auch so sehen, bleibt aber fraglich. Ein weiterer Punkt im White Paper ist der Punkt Diversity: Die BBC soll einen stärkeren Fokus auf bislang vernachlässigte Zuschauergruppen wie Schwarze und Asiaten legen – etwas, was die BBC sich aber ohnehin auch so schon vorgenommen hatte. Die BBC soll außerdem neue Einnahmequellen in Form eines Abo-Dienstes erforschen. Dabei geht es aber lediglich um einen Zusatzservice und nicht um Dienste, die derzeit bereits von der BBC angeboten werden. Das würde etwa auf eine Bezahlfunktion im BBC iPlayer zutreffen. Hier hat die BBC bereits länger Pläne, Inhalte gegen Bezahlung auch länger als 30 Tage bereitzustellen. Neben eigenem Content versucht die BBC offenbar auch, ITV und NBCUniversal für die Bezahl-Plattform zu gewinnen, um Netflix und Amazon etwas entgegensetzen zu können, berichtet der "Guardian".

Weitere Nachrichten aus UK

BBC News© BBC
Schon häufiger berichteten wir darüber, dass die BBC aufgrund der massiven Sparanstrengungen auch bei BBC News den Rotstift ansetzen und binnen vier Jahren 80 Millionen Pfund einsparen möchte. Nachdem Pläne, den Sender wie BBC Three auf eine Online-Verbreitung zu beschränken, aber zu den Akten gelegt wurden, gibt es nun neue Überlegungen zur Zukunft der Nachrichtensparte. In den kommenden Wochen soll eine Zusammenlegung des heimischen BBC News mit dem internationalen Programm BBC World News geprüft werden. Nach diesen Planungen würde es dann nur noch einen gemeinsamen statt zwei voneinander getrennte Kanäle geben, was ein naheliegender Gedanke ist, der in Hinblick auf die bisherige Werbefinanzierung von BBC World News als Teil der kommerziellen Tochter BBC Worldwide aber auch ein spannender Schritt wäre. Werbung darf es im Heimatmarkt schließlich nicht geben. Lange fackeln möchte man bei der BBC aber offenbar nicht: Eine Entscheidung soll bereits im Juli fallen. Fix ist unterdessen ein teilweiser Umzug von BBC Three: Ein Drittel des Jugendprogramms wird bis 2018 in Birmingham angesiedelt sein. Zusätzlich wird in Birmingham außerdem ein Jugendteam für BBC News aufgebaut.

ITV© ITV
Der Privatsender ITV hat sich gegen eine Verlängerung der Serie "Home Fires" entschieden. Wie Schauspieler Daniel Ryan per Twitter bekannt gab, habe ITV die Serie eingestellt und bietet damit keine Möglichkeit, die Geschichten zu Ende zu erzählen. In der Serie ging es um eine Gruppe von Frauen, die das Leben in einem ländlichen Dorf aufrechterhalten, nachdem ihre Männer in den Krieg zogen. Ein Comeback gibt es unterdessen von "Still Game". Knapp ein Jahrzehnt nach der letzten Ausstrahlung wird BBC One das Comedyformat wiederbeleben. Gedreht wird mit der Originalbesetzung rund um Ford Kiernan und Greg Hemphill im Sommer in den Dumbarton Studios von BBC Scotland. Noch im Laufe des Jahres sollen sechs neue Folgen dann bei BBC One gesendet werden.

Eurovision Song Contest Stockholm 2016© EBU/SVT
"Top Gear" hat nun endlich ein fixes Datum für die Rückkehr. Die BBC hält Wort und schickt die runderneuerte Version der kultigen Autoshow noch im Mai auf Sendung, nutzt den Monat aber auch wirklich aus: Ihren ersten Auftritt mit "Top Gear" werden Chris Evans, Matt LeBlanc und Co. am 29. Mai bei BBC Two haben. Unterdessen kann sich die BBC über gestiegenes Interesse am Eurovision Song Contest freuen. Nachdem es im vergangenen Jahr noch ein Fünf-Jahres-Tief hagelte, sahen diesmal im Schnitt 7,1 Millionen Zuschauer zu. In der Spitze waren es am Samstagabend achteinhalb Millionen Zuschauer. Die Nasse vorn hatte am Samstagabend dennoch der Privatsender: "Britain's Got Talent" unterhielt im Schnitt 7,8 Millionen Zuschauer. Während der Laufzeit von "BGT" kam der Grand Prix auf 5,7 Millionen Zuschauer, konnte also vor allem nach dem Ende der deutlich kürzeren Castingshow Zuschauer für sich gewinnen. Vom Hoch aus dem Jahr 2011, als der Song Contest in Düsseldorf stattfand und in Großbritannien neuneinhalb Millionen Zuschauer einschalteten, war der ESC aber auch diesmal wieder weit entfernt.