UK-Update vom 19. Oktober

John Cleese mit neuer Sitcom, BBC streicht Stellen

von Marcel Pohlig
19.10.2016 - 11:55 Uhr

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Vom TV wollte John Cleese nichts mehr wissen, dreht nun aber eine neue Sitcom bei der BBC. Die muss derweil weiter im News-Sektor sparen und entlässt zudem Hunderte in der Produktionssparte. Außerdem: Discovery will kein Olympia-Spielverderber sein.

John Cleese
© flickr: Paul Boxley
Gut zwei Jahre ist es her, dass sich John Cleese äußerst abfällig über die Comedy-Programme der BBC äußerte, von einem "awful lot of crap" war da die Rede. Cleese warf den Verantwortlichen vor, keinen Plan zu haben und erneuerte dies im vergangenen Jahr nochmals, als er beteuerte, nie mehr für das Fernsehen und insbesondere nicht für die BBC zu arbeiten. Ob man Cleese daran erinnern sollte? Nun soll der Komiker nämlich wieder für das Fernsehen und dort tatsächlich für die BBC drehen. Laut "Mail on Sunday" übernimmt Cleese eine Rolle in der neuen Sitcom "Edith", in der dann allerdings auch die titelgebende Figur im Mittelpunkt stehen soll. Die Sitcom befindet sich noch im Entwicklungsstadium, die BBC bestätigte aber bereits, mit Cleese in Gesprächen zu sein. Ein deutliches Bekenntnis zur BBC hat unterdessen Nadiya Hussain abgegeben. Die Gewinnerin des letztjährigen "Bake Off", oft als neue Jurorin bei Channel 4 gehandelt, bleibt bei der BBC und wird dort Beiträge für "The One Show" drehen. Außerdem soll an neuen Ideen für Hussain gearbeitet werden.

ITV
© ITV
Im vergangenen Jahr lieferte Mark Bartlett mit "Doctor Foster" einen großen Hit bei der BBC ab, der im kommenden Jahr auch mit einer zweiten Staffel fortgesetzt wird. Bartlett bekommt nun aber noch mehr zu tun: Für den Privatsender ITV schreibt Bartlett nun ebenfalls ein neues Drama, das unter dem Titel "Trauma" entsteht. In dem zunächst auf drei Folgen angelegten Projekt geht es um einen Vater, der nach Gerechtigkeit sucht, nachdem sein fünfzehnjähriger Sohn in der Trauma-Station eines Londoner Krankenhauses starb. Produziert wird das Drama von der neuen ITV-Studios-Tochter Tall Story Pictures. Außerdem hat ITV eine Zusammenarbeit mit Kay Mellor, Erschafferin von "The Syndicate" und "Fat Friends, bekannt gegeben. Mellor wird für den Sender die neue Serie "Girlfriends" schreiben, welche sich um drei Frauen im besten Alter und ihre Lebenskrisen dreht, zu denen etwa eine Affäre, Konkurrenz durch Jüngere im Job oder gescheiterte Ehen. "Girlfriends" wird, wie übrigens auch "Trauma", im kommenden Jahr gedreht. Dann entstehen übrigens auch neue Folgen von "Cold Feet". ITV hat wenig überraschend acht neue Folgen bestellt; Drehstart wird im März kommenden Jahres sein.

BBC News
© BBC
Die BBC greift wieder zum Rotstift und zumindest eine Maßnahme werden auch die Zuschauer bemerken. Als Teil einer Sparmaßnahme im Bereich von BBC News werden die Moderatoren der BBC-Nachrichtensendungen bei größeren Meldungen und Ereignissen künftig nicht mehr von vor Ort berichten, sondern im Londoner Studio bleiben. Die BBC erklärt, dass die ohnehin vor Ort stationierten Korrespondenten ohnehin besser vernetzt seien und eine bessere Qualität abliefern können. Klar ist aber auch, dass mit dem Schritt, der wohl bereits die Berichterstattung von den US-Wahlen betreffen wird, im Budget von BBC News zehn Prozent einsparen soll. Deutlich härter wird die nächste Sparrunde bei der Produktionstochter BBC Studios. Im Vorfeld der im kommenden Jahr angepeilten Privatisierung des Unternehmens entlässt die BBC hier 300 der aktuell noch 2.000 Mitarbeiter. Die Privatisierung, die bis zum Ende des Jahres noch vom BBC Trust abgesegnet werden muss, soll im April kommenden Jahres vollzogen werden. Ab diesem Zeitpunkt soll BBC Studios dann auch für andere Sender herstellen. Und zumindest in der Theorie ist dann auch eine Veräußerung von BBC Studios möglich.

W
© UKTV
UKTV hat ein neues Format für den Unterhaltungskanal W bestellt und bittet dort künftig Prominente um Rat. "Celebrity Advice Bureau", eine Art televisionäre Kummerkastentanten-Runde, wird bereits Mitte Dezember erstmals auf Sendung gehen. Für die Show konnte der relativ kleine Sender prominente Namen verpflichten, unter anderem wird nämlich "X-Factor"-Juror Louis Walsh auf Grundlage seiner eigenen Erfahrung Normalos Tipps geben. Channel 4 hat unterdessen eine neue Staffel der Panelshow "8 Out of 10 Cats" angekündigt und dabei auch gleich zwei neue Team-Kapitäne präsentiert. Fortan werden Rob Beckett und Aisling Bee die beiden Teams anführen. Jimmy Carr bleibt als Moderator aber an Bord. Auch der Ableger "8 Out of 10 Cats Does Countdown" bleibt im Programm und wurde gleich um achtzehn Folgen verlängert. Als Team-Kapitäne bleiben hier Sean Lock und Jon Richardson an Bord. Ross Kemp wird unterdessen wieder um die Welt reisen. Der Bezahlsender Sky1 setzt sein Format "Extreme World" fort und wird Kemp im kommenden Jahr unter anderem nach Libyen und in die USA schicken.

Olympia 2016 im Ersten
© NDR
Während es in Deutschland derzeit nicht nach einer Einigung mit ARD und ZDF aussieht, einigte sich Discovery in Großbritannien nach dem Erwerb der paneuropäischen Olympia-Rechte rasch mit der BBC und vereinbarte eine Sublizenzierung. Bei einem Presse-Event erklärte Eurosport-Chef Peter Hutton nun, weshalb man so vorgegangen ist und führte eine bemerkenswerte Erklärung an. "Ich denke, niemand bei Discovery wollte der Verantwortliche sein, welcher der BBC die Olympischen Spiele weggenommen hat", erklärte Hutton. Man verbringe viel Zeit damit in die Marke zu investieren. "Wir wollen angesehen werden als jemand, der der Sport-Industrie wirklich hilft und gut zu den Sportfans ist", meint Hutton und verweist darauf, dass man nicht mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht werden möchte, die das Sporterlebnis im Fernsehen verschlechtert. Natürlich seien aber auch die Finanzen ein Aspekt gewesen. Zur Wahrheit dürfte aber auch eine von Hutton nicht erwähnte gegenseitige Abhängigkeit gehören: Die BBC hielt anders als in Rest-Europa bereits die Rechte an den kommenden beiden Spielen; erst durch die Kooperation mit der BBC ist es Discovery und Eurosport überhaupt möglich, auch von den kommenden Spielen zu berichten. Am Ende profitieren also beide Sender von der Kooperation.

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