Mit dem Herz zwischen Hamburg und Köln, zwischen Führung eines der größten Produktionsgruppen in Deutschland, die mit All3Media noch größer wird, und seiner Leidenschaft für Entertainment: Marcus Wolter, CEO von Banijay Germany, spricht bei „visionär on air über so manchen Spagat im täglichen Geschäft. Wolter glaubt an den Markt, aber nur zu fairen Bedingungen - was dann doch die Tür für etwas Regulierung öffnet: Er begrüßt die Investitionsverpflichtung für deutsche Inhalte durch Streamingdienste als Schritt in die richtige Richtung, sieht aber noch Optimierungsbedarf in der Ausgestaltung.
Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wünscht Wolter in der neuen Ausgabe des Podcasts von "visionär on air" einen „Reset“: Das duale System sollte neu überdacht werden. Insbesondere kritisiert er, dass etwa ein Drittel des Auftragsvolumens im Entertainment-Bereich an öffentlich-rechtliche Produktionsfirmen fließt, die sich selbst beauftragen. Dies sei nicht mehr zeitgemäß, kritisiert Wolter, und beeinträchtige Vielfalt und Unabhängigkeit. Er fordert „Marktgerechtigkeit“. Weniger Sorgen bereitet ihm der Medienwandel durch BigTech-Plattformen.
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Es sei ausreichend Geld im Bewegtbild-Markt vorhanden, die Werbeausgaben gestiegen. Es gehe nur inzwischen zu Teilen woanders hin und dies erfordere ein Überdenken der Strategien einiger traditioneller Player, die anders investieren müssten um attraktiv zu bleiben. Chance statt Gefahr: Die Sehdauer vor dem "Big Screen" ist in Deutschland mit rund drei Stunden täglich stabil. Creator sind längst integraler Bestandteil des Entertainment-Ökosystems bei Banijay. Eine Zusammenarbeit muss jedoch authentisch und durchdacht sein, um nachhaltig zu funktionieren.
Mit etwa 20 Prozent des Umsatzes abseits des klassischen TV-Entertainments begrüßt Wolter die Evolution der Bewegtbild-Nutzung. „Die Welt wird nicht auf den Kopf gestellt, sie verändert sich“. Banijay baut deshalb Branded Entertainment, Künstlermanagement und Live-Geschäft aus. Letzteres boome auch als Reaktion auf Digitalisierung/Homeoffice-bedingten Vereinsamung. Formate werden immer häufiger von Anfang an mit Blick auf potenzielle Werbepartner entwickelt. Dabei sei eine gute Idee allein nie genug; Disziplin und Energie sind entscheidend, um sie erfolgreich umzusetzen.
Bei den Sendern beobachtet Wolter eine Reduktion von Aufträgen für neue Formate und mehr Wiederholungen. Obwohl er Verständnis dafür hat, sei es langfristig problematisch, weil gerade auch deshalb andere Plattformen innovativer wirken. Der Fokus verschiebt sich von der traditionellen 14-49-Zielgruppe hin zu mehr Gesamtreichweite, da ältere Kohorten bevölkerungsstärker werden und die Vergleichbarkeit mit Streaming-Zahlen, die oft nur Gesamtzahlen nennen, zunimmt.
Umso wichtiger sei eine neue ganzheitliche Reichweitenmessung für Bewegtbild-Content über lineare und non-lineare Nutzung hinweg, beklagt Wolter im VAUNETxDWDL-Podcast: „Wenn es selbst den unterschiedlichen Regierungen Europas gelungen ist, irgendwann den Euro einzuführen, dann müsste es doch eigentlich unserer deutschen Medienbranche gelingen, eine einheitliche, für alle verständliche Währung einzuführen.“ Und da dürften sich dann, so Wolter, bitte auch die globalen Streamingdienste messen lassen. Wenn sich immer irgendwie jeder zum Gewinner küren könne, schade das nur der Wahrnehmung des Marktes.

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