In den letzten Wochen war viel über ein Engagement-Problem zu lesen, das Netflix mittlerweile habe: Abonnentinnen und Abonnenten würden weniger Zeit mit Netflix-Inhalten verbringen - und insbesondere gelinge von einigen Leuchtturm-Programmen mal abgesehen meist nicht mehr, die Leute auch mit einer zweiten oder dritten Staffel wieder in ähnlicher Anzahl für eine Serie zu begeistern. Insofern war der halbjährliche "What we watched"-Report fürs erste Halbjahr mit um so größerer Spannung erwartet worden. In diesem veröffentlicht Netflix seit Anfang 2023 halbjährlich die detaillierten globalen Nutzungsdaten fast aller Inhalte, die auf Netflix veröffentlicht werden - jedenfalls bislang. Denn Netflix hat angekündigt, von dieser Transparenz-Offensive wieder einen Schritt zurück zu machen: Den Halbjahresreport gab es zum letzten Mal, künftig gibt's die Datenflut dann nur noch jährlich.
Das ist schon ziemlich bemerkenswert, weil man sich bislang gewissermaßen als Vorkämpfer in Sachen Transparenz diesbezüglich im Streaming-Markt sah - aus der bequemen und selbstbewussten Position heraus, dass kein anderer so hohe Viewing-Zahlen vorweisen könnte und sich daher lieber schweigsam gibt. Dass man das nun etwas zurückdreht und obendrein in den einleitenden Worten zum "What we watched"-Report eher nun ins Philosophische verfällt, wirkt da plötzlich schon weit weniger wie eine Demonstration der eigenen Stärke.
Nun erklärt man also lieber, dass es man das Nutzer-Engagement nicht nur an der reinen Anzahl an gesehenen Stunden, sondern auch an der "Qualität des Seherlebnisses" messe - gerade hinsichtich der Qualität vieler Serien-Produktionen von Netflix gibt's allerdings wachsende Kritik Weiter schreibt man: "Um erfolgreich zu sein, benötigen wir zudem ein vielfältiges Programmangebot, das unterschiedliche Geschmäcker und Stimmungen anspricht." Das ist unbestreitbar richtig, wirkt aber vor allem wie eine Entschuldigung für manch enttäuschende Zahl im anschließenden Report.
Mit 97 Milliarden gestreamten Minuten erreichte man einen neuen Rekord, der allerdings nur minimal über den 96 Milliarden im 2. Halbjahr 2025 lag, die sich schon nur leicht über den 95 Milliarden im 1. Halbjahr 2025 bewegten. Es gibt also weiter Wachstum, es fällt aber nicht mehr allzu groß aus. Wie sich gleichzeitig die Abo-Zahlen bewegten, ist unklar, weil Netflix diese in einem Schritt weg von der Transparenz seit einiger Zeit nicht mehr veröffentlicht. Trotzdem gibt's natürlich durchaus wieder beeindruckende Reichweiten zu vermelden, von denen andere nur träumen können: Zwei Produktionen knackten die Marke von 100 Millionen Views - das bedeutet, dass im Falle einer Serie im Schnitt so viele Haushalte die Serie komplett gesehen haben. Man nähert sich damit ein Stück weit der durchschnittlichen Sehbeteiligung an, wie man sie von der klassischen TV-Quote kennt, nur auf Haushaltsbasis.
Das waren im ersten Halbjahr "His & Hers" und die vierte Staffel von "Bridgerton", die beide schon im Januar veröffentlicht wurden. Auf Platz 3 folgt die MIniserie "Nur für dein Leben" (englischer Titel: "I will find you") - die 63,9 Millionen Views sind aber um so höher zu bewerten, weil die Veröffentlichung erst am 18. Juni war und somit nur ein halber Monat Nutzung in die Zahlen eingeht. Der halbjährliche Rhythmus bevorteilt natürlich immer jene Produktionen, die am Anfang dieses Turnus veröffentlicht wurden.
Die zweite Staffel von "One Piece" schafft es mit 47,3 Millionen Views auf Platz 7 der Auswertung - und blieb damit ein ganzes Stück hinter der ersten Staffel zurück, die in ihrem ersten Halbjahr noch 71,6 Millionen Views erreichte. Hier zeigt sich also das Problem, dass man bei höheren Staffeln nicht mehr das ganze Publikum zurückgewinnt. Trotzdem ist "One Piece" auch ein Beispiel dafür, warum sich eine Serie mit mehreren Staffeln lohnt: Die Veröffentlichung neuer Folgen gibt auch nochmal einen Push für die vorherigen. Die erste Staffel von "One Piece" verzeichnete im 1. Halbjahr 2026 zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung auch nochmal 21,5 Millionen Views.
Serielle Inhalte mit den meisten Views im 1. Halbjahr 2026
| Titel | Views (1. Halbjahr '26) |
Veröffentlichung |
| His & Hers | 104,0 Mio. | 08.01.2026 |
| Bridgerton (Staffel 4) | 100,2 Mio. | 29.01.2026 |
| Nur für dein Leben | 63,9 Mio. | 18.06.2026 |
| Stranger Things (Staffel 5) | 55,6 Mio. | 26.11.2025 |
| Suche mich nicht | 50,3 Mio. | 01.01.2026 |
| Teach you a lesson | 48,2 Mio. | 05.06.2026 |
| One Piece (Staffel 2) | 47,3 Mio. | 10.03.2026 |
| Man on Fire | 40,4 Mio. | 30.04.2026 |
| Ms. Rachel (Staffel 1) | 37,3 Mio. | k.A. |
| The Night Agent (Staffel 3) | 36,1 Mio. | 19.02.2026 |
Quelle: Netflix-Report "What we watched"
So schlugen sich die deutschen Produktionen
Blickt man auf die deutschen seriellen Produktionen, dann sticht ein großer, internationaler Hit heraus: Der von Gaumont produzierte Spionage-Thriller "Unfamiliar", der es auf weltweit 31,6 Millionen Views - das reicht im globalen Ranking für einen hervorragenden 13. Platz. Doch abseits dessen herrscht viel Ernüchterung vor. Die zweite Staffel von "Achtsam Morden" konnte bei Weitem nicht an den Erfolg des Erstlings anknüpfen. Zwar liegen hier bislang nur die Daten des ersten Monats nach Veröffentlichung vor, weil sie erst am 28. Mai online ging - doch 4,4 Millionen Views sind eben kein Vergleich zu den 14,4 Millionen, die die erste Staffel im zweiten Halbjahr 2024 noch erzielte. Inzwischen bringt es die erste Staffel auf in Summe 23,3 Millionen Views. Immerhin hat der Nachzieh-Effekt bei Veröffentlichung einer neuen Staffel auch hier funktioniert, 3,2 Millionen Views generierte die erste Staffel nochmal im ersten Halbjahr.
Dass auf Platz 3 im Ranking deutscher serieller Produktionen dann die erste Staffel von "Dark" aus dem Dezember 2017 (!!) mit noch immer 3,9 Millionen Views folgt, ist zwar ein bemerkenswerter Erfolg für die "Dark"-Macher, aber zeigt vor allem auch, dass die neuen Produktionen nicht so recht verfingen. Mit "Die Kaiserin" und "Liebes Kind" sind auch noch zwei weitere alte Produktionen aus den Jahren 2022 und 2023 unter den Top 5.
Die zweite Staffel von "Crooks" kam auf 3,4 Millionen Views und schnitt damit sogar etwas besser ab als man es befürchten musste, nachdem die Serie in den wöchentlich ohne genaue Daten veröffentlichten deutschen Top 10 fast gar keine Rolle gespielt hatte. Die 15,7 Millionen Views, die die erste "Crooks"-Staffel einst in ihrem Veröffentlichungs-Halbjahr erzielt hatte, blieben aber meilenweit entfernt. Die schräge Comedyserie "Kacken an der Havel" musste sich am Ende mit 1,4 Millionen Views zufrieden geben und damit dem bislang geringsten Wert für eine fiktionale deutsche Serie in ihrem Eröffnungs-Halbjahr seit Einführung des What we watched-Reports Anfang 2023.
Und auch die Reality "Love is Blind: Germany" blieb mit der zweiten Staffel mit 3,4 Millionen Views dann doch deutlich hinter den 5 Millionen zurück, die die erste Staffel genau ein Jahr zuvor erzielen konnte.
Serielle Inhalte aus DACH-Region: 1. Halbjahr 2025
| Titel | Views 1. Halbjahr '26 |
Views seit 1/23 |
Veröffentlichung |
| Unfamiliar | 31,6 Mio. | 31,6 Mio. | 05.02.2026 |
| Achtsam Morden (Staffel 2) | 4,4 Mio. | 4,4 Mio. | 28.05.2026 |
| Dark (Staffel 1) | 3,9 Mio. | 21,0 Mio.* | 01.12.2017 |
| Die Kaiserin (Staffel 1) | 3,7 Mio. | 48,8 Mio.* | 29.09.2022 |
| Liebes Kind | 3,4 Mio. | 85,7 Mio. | 07.09.2023 |
| Crooks (Staffel 2) | 3,4 Mio. | 3,4 Mio. | 14.04.2026 |
| Love is blind: Germany (Staffel 2) | 3,4 Mio. | 3,4 Mio. | 08.01.2026 |
| Crooks (Staffel 1) | 3,2 Mio. | 24,5 Mio. | 04.04.2024 |
| Achtsam Morden (Staffel 1) | 3,2 Mio. | 23,3 Mio. | 31.10.2024 |
| Die Kaiserin (Staffel 2) | 3,1 Mio. | 33,5 Mio. | 22.11.2024 |
Quelle: Netflix-Report "What we watched"; Berechnung: DWDL.de
*veröffentlicht schon vor Januar 2023 - Abrufzahlen daher nicht vollständig
Spektakulärer Erfolg für "Exterritorial"
Separat von den seriellen Inhalten weist Netflix die Filme aus. Hier gelang es gleich sechs Mal die 100-Millionen-Marke zu knacken - darunter erneut vom absoluten Ausnahme-Phänomen "KPop Demon Hunters", obwohl die Veröffentlichung hier schon im Juni 2025 war. Man darf also annehmen, dass der Film tatsächlich gerne mehrfach geschaut wird. Mit 19 Millionen Views gelang aber auch der deutschen Produktion "Eat Pray Bark" ein respektables Ergebnis, auch wenn man damit im weltweiten Ranking erst auf Platz 64 auftaucht.
Die großen deutschen Hits aus dem Jahr 2025 lieferten aber auch weiter gut ab: Weitere 11,2 Millionen Views generierte "Fall for me" (in Summe nun 63,9 Millionen), weitere 8,6 Millionen "Exterritorial" (in Summe nun 114,2 Millionen). Im Non-Fiktionalen Bereich veröffentlichte Netflix den Film "Barbara - Becoming Shirin David", der 2,1 Millionen Views verzeichnete. Der "Poldi"-Film, der allerdings auch erst im Juni auf die Plattform kam, musste sich mit lediglich einer Million Views begnügen.
Filme mit den meisten Views: 1. Halbjahr 2026
| Titel | Views (1. Halbjahr 2026) |
Veröffentlichung auf Netflix |
| War Machine | 146,9 Mio. | 06.03.2026 |
| The Rip | 136,1 Mio. | 16.01.2026 |
| Swapped - Getauscht | 130,8 Mio. | 01.05.2026 |
| KPop Demon Hunters | 130,4 Mio. | 20.06.2025 |
| Apex | 129,0 Mio. | 24.04.2026 |
| Trash | 100,0 Mio. | 10.04.2026 |
| People We Meet on Vacation | 77,7 Mio. | 09.01.2026 |
| The Crash | 65,2 Mio. | 15.05.2026 |
| Peaky Blinders: The Immortal Man | 63,9 Mio. | 20.03.2026 |
| Office Romance | 58,4 Mio. | 05.06.2026 |
Quelle: Netflix-Report "What we watched"
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