Die AGF veröffentlicht schon seit Jahren unterschiedliche Zahlen zur Streaming-Nutzung, über die wir bei DWDL auch regelmäßig berichten. Doch all diese Artikel mussten wir bislang mit einem wichtigen Hinweis versehen, weil der in der Betrachtung sonst allzu schnell unter den Tisch fällt: "Diese Zahlen sind nicht mit der klassischen TV-Quote vergleichbar". Die Zahl, die seit Jahrzehnten am nächsten Morgen nach der TV-Ausstrahlung betrachtet wird, ist die "durchschnittliche Sehbeteiligung" - also wieviele Menschen eine Sendung im Schnitt komplett gesehen haben. Hier spielt die Dauer der Nutzung also eine entscheidende Rolle. 

Weil online allerdings annähernd alle Plattformen und Anbieter mit den ungleich höheren Netto- oder Bruttoreichweiten hantieren, bei denen die Dauer der Nutzung gar keine Rolle spielt, stellte auch die AGF bei Streaming-Zahlen bislang darauf ab. Heute legte die AGF nun aber erstmals ihre "Konvergenz-Hitliste" vor - und diesmal kann unser üblicher Hinweis weg bleiben. Denn diese Daten sind mit der klassischen TV-Quote vergleichbar. Sie geben nun erstmals auch für die Streaming-Nutzung ebenjene "durchschnittliche Sehbeteiligung" an, die man aus dem TV kennt. Jetzt ist zwar die Vergleichbarkeit zu YouTube und Co. nicht mehr gegeben, dafür sind nun endlich sinnvolle Vergleiche zwischen dem klassischen TV und Streaming-Angeboten der Sender möglich.

Die AGF gibt hier bislang nicht alle Daten preis, sondern veröffentlicht monatlich eine Top 50, aus der die durchschnittliche Sehbeteiligung im TV (inklusive drei Tagen zeitversetzter Nutzung), im Streaming (zwei Wochen vor und nach TV-Ausstrahlung) sowie die Summe daraus als Konvergenz-Angabe hervorgeht. Letzteres ist also eigentlich die Zahl, auf die alle gewartet haben: Wieviele Menschen erreicht eine Sendung letztlich im TV und Streaming? Gerankt ist die Top 50 dabei aber nach der höchsten Streaming-Nutzung, nicht nach der höchsten Konvergenz-Sehbeteiligung. Und noch eine ganz wichtige Einschränkung: Abgebildet werden hier nun ausschließlich Sendungen, die im klassischen Fernsehen liefen - nicht also Streaming-Only-Sendungen, womit diverse RTL+ oder Joyn-Realitys ebenso rausfallen wie manche Mediatheken-Serie bei den Öffentlich-Rechtlichen oder auch das gesamte Angebot von Prime Video.

Fast nur RTL-Soaps in der Konvergenz-Hitliste im Juli

Genug der Vorrede, nun zu den Zahlen für Juli - die ein ziemlich einseitiges Bild abgeben. Der Juli war bekanntlich geprägt von der Fußball-Weltmeisterschaft, gegen die ansonsten großflächig nur Wiederholungen liefen - also kurz gesagt: Kaum eine Sendung, für die irgendjemand RTL+, Joyn, die ARD-Mediathek oder das ZDF-Streamingportal aufgerufen hat, um sie dort zu streamen. RTL+ hatte zwar Realitys am Start, die können mangels TV-Ausstrahlung in diesem Ranking aber wie eben beschrieben nicht auftauchen. Stattdessen belegt "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" 1 bis 23 durchgehend. Und weitere 16 Platzierungen in der Top 50 gehen an "Alles was zählt".

Ganz so alles-überstrahlend dürften die RTL-Soaps in anderen Monaten wohl nicht dastehen - es verdeutlicht aber zum Start der neuen Ausweisung schon sehr gut, welch großer Anteil der "Soap"-Nutzung inzwischen auf RTL+ entfällt. Im Schnitt erreichten die 23 "GZSZ"-Folgen bei RTL inklusive drei Tagen zeitversetzter Nutzung auf klassischem Weg (also etwa Festplattenrekorder) 1,38 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, dazu kamen weitere 0,63 Millionen im Streaming - was den Monatsschnitt bei bei der konvergenten Ausweisung auf 2,01 Millionen steigen lässt. Fast ein Drittel der gesamten Nutzung entfällt damit bereits aufs Streaming.

Bei "Alles was zählt" ist der Streaming-Anteil an der gesamten Nutzung nicht ganz so hoch, bewegt sich aber immerhin zwischen 17 und knapp über 20 Prozent. Noch höher als bei "GZSZ" ist der Streaming-Anteil bei den "Bachelors", hier beträgt er bis zu 40 Prozent an der gesamten Nutzung. Die Marke von im Schnitt einer Million Zuschauerinnen und Zuschauern wurde aber auch dann nicht erreicht, wenn man TV und Streaming zusammennimmt.

TV-Sendungen mit höchster Streaming-Nutzung im Juli 2026 (Sehbeteiligung)

Anbieter Sendung Datum Streaming
Sehbet. in Mio.
TV
Sehbet. in Mio.
Konvergenz
Sehbet. in Mio.
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8566 17.07. 0,73 1,25 1,98
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8576 31.07. 0,69 1,32 2,01
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8569 22.07. 0,67 1,40 2,07
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8571 24.07. 0,67 1,39 2,06
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8556 03.07. 0,66 1,27 1,94
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8570 23.07. 0,66 1,48 2,13
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8560 09.07. 0,65 1,48 2,13
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8575 30.07. 0,65 1,27 1,92
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8561 10.07. 0,65 1,38 2,03
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8572 27.07. 0,65 1,38 2,02
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8554 01.07. 0,65 1,40 2,04
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8565 16.07. 0,64 1,39 2,03
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8573 28.07. 0,64 1,23 1,87
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8562 13.07. 0,63 1,46 2,08
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8567 20.07. 0,62 1,60 2,22
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8574 29.07. 0,62 1,30 1,93
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8555 02.07. 0,62 1,39 2,00
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8558 07.07. 0,61 1,34 1,95
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8564 15.07. 0,58 1,37 1,95
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8568 21.07. 0,58 1,42 1,99
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8557 06.07. 0,58 1,49 2,07
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8563 14.07. 0,57 1,33 1,91
RTL GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN Folge 8559 08.07. 0,57 1,39 1,96
ARD Das Erste Surface - Das versunkene Dorf Folge 1 26.07. 0,54 1,94 2,48
ARD Das Erste Surface - Das versunkene Dorf Folge 2 26.07. 0,44 1,52 1,96
RTL DIE BACHELORS Folge 9 08.07. 0,36 0,60 0,96
RTL DIE BACHELORS Folge 8 02.07. 0,35 0,53 0,88
ZDF Markus Lanz 02.07. 0,34 1,30 1,64
RTL DIE BACHELORS Folge 10 09.07. 0,31 0,64 0,96
ARD Das Erste Inas Nacht Folge 1 16.07. 0,29 1,91 2,20
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4978 01.07. 0,29 1,18 1,47
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4980 03.07. 0,28 1,17 1,44
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 5000 31.07. 0,28 1,06 1,33
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4989 16.07. 0,28 1,14 1,42
ZDF Aktenzeichen XY... Ungelöst 29.07. 0,28 4,24 4,51
ARD Das Erste Oh la la - Wer ahnt denn sowas? 20.07. 0,27 3,20 3,47
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4990 17.07. 0,26 1,01 1,27
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4991 20.07. 0,26 1,16 1,42
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4994 23.07. 0,26 1,12 1,37
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4993 22.07. 0,25 1,02 1,27
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4985 10.07. 0,25 1,09 1,34
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4999 30.07. 0,25 1,15 1,40
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4983 08.07. 0,24 1,15 1,39
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4995 24.07. 0,24 1,12 1,36
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4997 28.07. 0,24 1,09 1,33
ZDF Aktenzeichen XY... Vermisst 08.07. 0,24 3,85 4,09
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4996 27.07. 0,24 0,98 1,22
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4979 02.07. 0,23 1,15 1,39
RTL ALLES WAS ZÄHLT Folge 4998 29.07. 0,23 1,06 1,29
ARD Das Erste In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte Folge 465 02.07. 0,23 1,72 1,95

Quelle: AGF Videoforschung; AGF SCOPE 1.16; 01.07.2026-31.07.2026; verschiedene Nutzungsfilter; Marktstandard: Bewegtbild; Auswertungstyp TV-Konvergenz; produktbezogen; Paketnummer: 18188 vom 21.08.2026

Hinter "GZSZ" schaffte die ARD mit den ersten beiden Folgen von "Surface - Das versunkene Dorf" die beste Platzierung aller anderen Sendungen. Hier holte die erste Folge 540.000 weitere Zuschauerinnen und Zuschauer, was die gesamte Sehbeteiligung auf 2,48 Millionen steigen ließ. Zu Folge 2 gab's dann auch im Streaming einen Rückgang auf 440.000 - der Abschlag fiel aber immerhin nicht ganz so hoch aus wie im Linearen. Mit im Schnitt 270.000 Streaming-Zuschauerinnen und Zuschauern ist auch der Film "Oh la la - Wer ahnt denn sowas?" im Ranking - allerdings ist die Streaming-Nutzung im Vergleich zur Gesamtnutzung mit 7,7 Prozent dann doch recht gering, bei "Aktenzeichen XY... Ungelöst" und "Aktenzeichen XY... Vermisst" sind es trotz Top 50-Platzierung nur um die 6 Prozent, weil hier die klassiche TV-Nutzung so hoch ist.

"GZSZ" erreicht mehr 14-49-Jährige im Streaming als im TV

Die AGF veröffentlicht auch ein Ranking für die jüngeren Altersgruppen 14-49 und 14-59 - und hier liegt der Streaming-Anteil an der gesamten Nutzung erwartungsgemäß noch deutlich höher. Bei "GZSZ" trägt RTL+ bei einzelnen Folgen bis zu 59 Prozent zur konvergenten durchschnittlichen Sehbeteiligung bei, im Monatsschnitt ist es ganz knapp über 50 Prozent - hier hat RTL+ also RTL bereits ganz leicht überholt. Bei den "Bachelors" ist der Streaming-Anteil an der konvergenten Quote sogar über 60 Prozent. Bei den 14- bis 59-Jährigen ist der Streaming-Anteil zwar noch etwas niedriger, auch hier geht es aber bei einzelnen Folgen schon über die 50-Prozent-Marke hinaus.

Wenn RTL also - wie beispielsweise heute abend - "GZSZ" bei RTL+ einfach weiterführt, obwohl die Folge wegen des DFB-Pokals nicht im klassischen Fernsehen läuft, dann tut man das in Köln in dem Wissen, längst die Hälfte des Publikums in der Zielgruppe ohnehin im Streaming und nicht mehr im linearen Fernsehen zu erreichen.