Sender im Wandel

Schächter-Jahrzehnt: Schluss mit Gefangenschaft

von Alexander Krei
05.09.2011 - 11:12 Uhr

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© ZDF

Häufig sprach ZDF-Intendant Markus Schächter von der "babylonischen Gefangenschaft", in der sich sein Sender befinde - den Ausweg daraus hat er erfolgreich angestoßen. Eine Verjüngung des Hauptprogramms lässt jedoch weiter auf sich warten...

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Will man auf die Entwicklung des ZDF in den vergangenen zehn Jahren blicken, so kommt man an einem Mann nicht vorbei: Markus Schächter. Im Frühjahr 2002 trat der damals 52-Jährige seinen Posten als Intendant des Mainzer Senders an - im kommenden Jahr wird nach zwei Amtszeiten Schluss sein. "Es ist meine persönliche Überzeugung und mein Amtsverständnis, dass Spitzenpositionen in Top-Unternehmen nur in klarer Befristung erfolgreich ausgeübt werden können", sagte Schächter zu Beginn des Jahres, als er seinen Entschluss öffentlich machte.

Das Schächter-Jahrzehnt neigt sich damit seinem Ende entgegen - und man kann sicher nicht behaupten, dass die vergangene Dekade langweilig gewesen sei. Im Gegenteil: Schächter ist es gelungen, wichtige Weichen für die Zukunft des ZDF zu stellen. In all den Jahren wurde Schächter nicht müde, die "babylonische Gefangenschaft des Einkanalsenders" zu betonen. Sprich: Anders als die ARD mit ihren vielen Programmen, konzentrierte sich das ZDF über Jahre hinweg auf das Hauptprogramm - erst in den vergangenen Jahren und gegen zahlreiche Widerstande wurden die drei Digitalsender des Zweiten kontinuierlich ausgebaut.

Marktanteile - damals und heute (Gesamtpublikum)

2001
2011
Veränderung
13,0 %
12,3 %
- 0,7 %

Man kann sie womöglich gar nicht zählen, die vielen Debatten und Streitgespräche, die Schächter diesbezüglich führen musste. Mit dem nun neu positionierten ZDFinfo hat er sie aber nun doch beisammen, seine kleine Senderfamilie. Die Experimentierflächen werden gebraucht, keine Frage. Denn eines ist in den vergangenen zehn Jahren nicht gelungen: Bei jüngeren Zuschauern spielt das ZDF nur noch eine Nebenrolle - und das, obwohl Carolin Reiber, Dieter Thomas Heck sowie Marianne und Michael längst aufs Abstellgleis gebracht wurden. Zwischenzeitlich sahen sich sogar einige Zuschauer völlig ausgegrenzt: Mitten ins Sommerloch 2007 platzte die Meldung einer möglichen Klage gegen das Zweite.

Die geplante Absetzung der "Lustigen Musikanten" rief die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager und Volksmusik auf den Plan, die sich in diesem Zusammenhang auf das Antidiskriminierungsgesetz berief. Und Trude Unruh, damals noch Vorsitzende der Alten-Partei Graue Panther sah in der Absetzung gar "eine Beleidigung für alle, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut haben." Das fehlte eigentlich nur noch Heino - doch auch auf ihn musste nicht verzichtet werden: "Jeder Volksmusik-Freund sollte ab sofort einen Volksmusik-Euro von seinen GEZ-Gebühren einbehalten", sagte der Sänger, "um so seinen Protest gegen die Absetzung von Sendungen wie den 'Lustigen Musikanten' auszudrücken. Ich werde das auch tun. Eine andere Sprache scheint man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht zu verstehen."

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