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Das Hoff zum Sonntag

Zweifelhaftes Film-Debüt: Das Katzenberger-Dilemma

von Hans Hoff
06.04.2014 - 10:30 Uhr

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Das hat dem deutschen Fernsehen gerade noch gefehlt: In wenigen Tagen feiert Daniela Katzenberger ihr Debüt als Schauspielerin - ausgerechnet zur besten Sendezeit im Ersten. Hans Hoff über den Verkauf der Seelen an den Quotengott...

Der SWR hat Daniela Katzenberger als Schauspielerin engagiert und er macht kein Geheimnis aus seinen Motiven. Man wolle am kommenden Donnerstag zur besten Sendezeit (20:15 Uhr, ARD) gerne auch solche Zuschauer locken, die sich über „die Katze im Ersten“ aufregen wollen, weil sie den Verfall der öffentlich-rechtlichen Sitten kommen sehen, heißt es im Presseheft, in dem natürlich auch steht, dass es diesen Verfall keinesfalls geben wird, weil da schon einige Akteure unterwegs seien, die als Garanten gegen den Verfall gelten, der Regisseur Thomas Bohn etwa oder der Drehbuchautor Holger Badura. Zudem habe man mit der Katzenberger „intensive Probeaufnahmen“ gemacht und sie habe dabei nicht nur schauspielerisches, sondern auch komödiantisches Talent bewiesen.

Martina Zöllner hat das geschrieben, die SWR Hauptabteilungsleiterin Film und Kultur. Es zeigt sehr schön, wie die so ticken im öffentlich-rechtlichen Provinzfernsehen. Sie schielen auf größtmögliche Aufregung, weil sie wissen, dass sie sonst nichts kriegen für solch ein Machwerk, weil sie sehr genau wissen, dass die Rolle der Katzenberger nach mimischen Kriterien auch für einen Holzstuhl geeignet gewesen wäre. Ein guter Regisseur hat da so seine Möglichkeiten. Ich denke da etwa an Oliver Pochers Auftritt in „Der Vollidiot“, wo die Regie es tatsächlich geschafft hat, durch intelligenten Schnitt den Film zu retten. Genau so funktioniert das bei der Katzenberger auch.

„Frauchen und die Deiwelsmilch“ heißt der Film, der eine Krimikomödie sein will und in Katzenbergers Heimat, der Pfalz, spielt. Die Katzenberger ist ein Barbie-Blondchen, das laut Drehbuch mehr auf dem Kasten hat als es ihr Äußeres vermuten lässt. Ein Zahlengenie sei sie, behauptet der SWR und lässt sie mit ihren Talenten als eine Art pfälzische Miss Marple eine ziemliche Schweinerei rund um einen begehrten Weinberg und mögliche Erdölfunde aufdecken. Das ist von der Regie nett in Szene gesetzt, und niemand würde sich daran stören, liefe so etwas im Vorabendprogramm bei den Schmunzelkrimis. Da ist eh alles am Boden, da lässt sich nichts mehr verlieren. Nach der Tagessschau schon.

Nach der Tagesschau ist es ein Offenbarungseid, denn es zeigt sehr deutlich, wie dieser SWR-Verein dem Kalkül, man werde mit der Katzenberger schon in aller Munde landen, jegliche Ambition untergeordnet hat. Es ist ein Katzenberger-Film mit der Katzenberger, die alles auf Katzenberger-Art macht.

Wie das geht, hat man oft genug bei Vox gesehen. Dort ist die Katze allerdings mittlerweile durchgenudelt bis zum Gehtnichtmehr, weshalb nun eine öffentlich-rechtliche Anstalt zur Resteverwertung antritt.

Besonders schlimm wird das Anschauen, wenn man am Freitag Dominik Grafs beeindruckendes Fernsehessay „Es werde Stadt“ gesehen hat. Dort wird auch Barbara Buhl interviewt, die beim WDR Verantwortliche für Fernsehfilme. Sie spricht von hierarchischen Strukturen, die jede Entwicklung zum qualitativ hochwertigen Film schwer machen, von Konkurrenz-Gefechten um Sendeplatz und Präsenz.

Hat man das gehört, hat man dieses laute Seufzen einer immerhin an verantwortlicher Stelle sitzenden Frau vernommen und sieht danach das Katzenberger-Machwerk, dann weiß man sofort, warum Frau Buhl seufzt.

Es offenbart sich hier eben der mangelnde Ehrgeiz, das verlorene Streben nach Qualität und der komplette Verkauf der Macherseelen an den Quotengott der Marke Herres.

Aber die vom SWR geben damit keine Ruhe. Wenn man schon seine Seele für sehr kleines Geld verscherbelt, dann aber mit allem Krach und Bumm. So schreibt die SWR-Frau Zöllner allen Ernstes etwas vom Spiel der Katzenberger mit den ihr anhaftenden Klischees. Hammer! Hat man ja noch nie von gehört! Außer in all den Vox-Filmchen, außer in Katzenbergers Buch, außer in jedem zweiten Bericht über die Katzenberger. Zöllner nennt die Besetzung der Katzenberger „nahezu postfeministische Ironie“. Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Wer jemals behauptet hat, Harald Schmidt sei zynisch unterwegs, der hat die Zöllner noch nicht erlebt.

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