Herr Briesch, Herr Imhof, schon im Sommer wurde bekannt, dass Sie 1Live verlassen werden. Öffentlich geäußert haben Sie sich dazu bislang allerdings noch nicht. Wieso eigentlich nicht?

Olli Briesch: Wir wollten keinen Abschied auf Raten haben. Uns dazu zu äußern, hätte bedeutet, dass wir fast ein Dreivierteljahr mit gepackten Koffern moderieren – das fanden wir doof. Nun ist klar, dass wir am 20. März unsere letzte Sendung haben werden. Das ist genug Zeit, damit sich die Leute dran gewöhnen können.

Michael Imhof: Davon abgesehen: Wir gehen ja danach nicht in Rente – oder wie Olli sagen würde: Alterssteinzeit. Auch nach unserem Abschied von 1Live machen wir weiter.

Sie haben fast 20 Jahre lang zusammen die Morningshow moderiert. Manch einer hat sicher gedacht, Sie würden das ewig machen.

Imhof: Das hätte auch ewig so weitergehen können. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass jede Generation ihre Stimme braucht. Als wir zu 1Live kamen, waren wir die Jungen, die gegen das Establishment angetreten sind und alles anders und geiler machen wollten. Aber ich möchte das Thema gar nicht so sehr auf Jung gegen Alt reduzieren. Es ist auch nicht so, dass uns 1Live zum Aufhören gedrängt hätte. Im Gegenteil, es passt und funktioniert ja noch immer gut. Aber wir haben das Gefühl, dass noch etwas anderes auf uns wartet.

Briesch: Mein Eindruck ist, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem die Leute traurig sind, dass wir aufhören, und nicht sagen: Gott sei Dank, dass die beiden weg sind. Der Zeitpunkt fühlt sich nun richtig an – auch weil sich im WDR die Möglichkeit ergeben hat, einige Steine umzudrehen...

… die es ermöglichen, dass Sie auch künftig zusammen zu hören sein werden?

Briesch: Wir werden ab dem 18. April am Samstagvormittag bei WDR 2 eine gemeinsame Show bekommen, an der wir schon schrauben und auf die wir total Bock haben. Unter der Woche moderieren wir in Zukunft allerdings künftig getrennt. Das wird uns helfen, nach dem Neustart länger frisch zu bleiben. Zumal es sich falsch angefühlt hätte, den 1Live-Aufkleber zu überkleben und woanders einfach so weitermachen wie bisher. Davon abgesehen finde ich es nach so einer langen Zeit spannend zu erfahren, wie es ist, mal nicht im Doppel zu moderieren.

Imhof: Nach so vielen Jahren ist es tatsächlich eine große Herausforderung, alleine zu moderieren und auf diesen routinierten Schlagabtausch verzichten zu müssen. 

Wo genau wird man Sie abseits der Samstagsshow hören?

Briesch: Ich werde bei WDR 2 unter der Woche schon mal alle Themen einsammeln, die wir samstags besprechen, indem ich montags bis freitags im Wechsel mit Steffi Neu den Vormittag moderiere. 

Imhof: Und im Gegensatz zu Olli weiß ich bis zum Samstag, was in der Welt passiert ist, weil ich künftig eine meiner Lieblingssendungen moderieren werde: "Neugier genügt" bei WDR 5. Darüber hinaus werde auch das "Mittagecho" und das "Echo des Tages" machen

Das klingt plötzlich ganz erwachsen. Gibt es also einen Punkt, an dem man feststellt, dass man zu alt wird für einen jungen Sender?

Briesch: Dadurch, dass sich das Team hinter den Kulissen oft verjüngt hat, sind wir nicht stehen geblieben oder in alte Muster verfallen. Schon alleine unser Humor hat sich weiterentwickelt. Am Weltnichtrauchertag machen wir heute nicht mehr den Gag mit der alten Schachtel, den wir noch vor 15 Jahren gebracht haben. Heute ist der Humor anders, sind Empfindlichkeiten anders.

Imhof: Uns ist glücklicherweise vieles von dem, was die junge Generation bewegt, nicht fremd. Trotzdem beginnt irgendwann eine Diskrepanz, wenn man selber älter wird, verheiratet ist und Kinder bekommt. Und wenn man sich, wie wir es tun, Authentizität auf die Fahnen schreibt, dann wird es irgendwann schief, wenn man die Leute fragt: "Und, heute schon jemanden gedatet?" Ab einem gewissen Punkt wird der Spagat eben so groß, dass es im Schritt reißt.

Olli Briesch und Michael Imhof im Jahr 2007 © 0826162559 Olli Briesch und Michel Imhof im Jahr 2007 in Köln.

Eine Doppelmoderation gilt im Radio als Königsdisziplin. Wann haben Sie gemerkt, dass die Chemie zwischen Ihnen stimmt?

Briesch: Stimmt Sie überhaupt? (lacht)

Imhof: Wir hatten die Morningshow anfangs ja getrennt moderiert. Damals habe ich Olli regelmäßig on air geweckt. Wenn er frei hatte, rief ich ihn zwischen 5 und 6 Uhr an, um ihm zu sagen, dass Erdbeeren teurer geworden sind. Das ist dann zu einem – ich mag das Wort eigentlich gar nicht – Kult geworden, über den die Leute heute noch sprechen. Irgendwann haben wir dann samstags und an Silvester zusammen moderiert, sodass dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Zeit entstanden ist.

Briesch: Ich fand Micha ja anfangs sehr speziell - und dann hat es doch irgendwie in der Sendung gut funktioniert. Wahrscheinlich gerade weil wir wirklich sehr unterschiedlich sind. Als dann die Doppelmoderation eingeführt wurde, hat man sich aber zunächst total dagegen gewehrt, uns beide zusammenzubringen, weil man einen Thron nicht mit zwei Königen besetzen wollte. Aber irgendwann hat man sich noch einmal an unsere gemeinsame Silvestersendung erinnert, sodass es 2007 richtig losging.

Imhof: Das Geheimnis dafür, dass es so lange funktioniert hat, liegt in meinen Augen tatsächlich daran, dass bei uns zwei Welten aufeinanderprallen. Wären wir wie siamesische Zwillinge und würden alles gleich empfinden, wäre es nicht dasselbe. Und wenn wir uns kabbeln, dann ist das nicht gespielt. 

Also liegt das Geheimnis einer guten Doppelmoderation auch darin, dass es Raum für Disharmonien gibt?

Briesch: Bei uns ist vieles über die Jahre gewachsen. Da muss kein Coach reinkommen und uns erzählen, wie wir uns zu verhalten haben. Vielleicht ist deshalb auch die Trefferquote bei zusammengecasteten Doppelmoderationen so gering, weil sich diese mit der Zeit ein Stück weit an ihren Themen abgearbeitet haben. Das ist für alle Seiten nach drei oder vier Jahren ziemlich ermüdend. Wir beide können uns dagegen auch heute noch kabbeln.

Herr Briesch, Herr Imhof, vielen Dank für das Gespräch.