Herr Münzner, nach vielen Jahren bei Joyn, zuletzt als Programmchef, fungieren Sie nun schon seit einigen Monaten als Geschäftsführer der neuen ProSiebenSat.1-Produktionstochter studio flitz. Wie schwer fiel der Abschied?
Der Abschied ist mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Ich war ja wirklich von Anfang an bei Joyn dabei – als Mitarbeiter Nummer 6 – und habe alle Phasen hautnah miterlebt. Für diese Erfahrungen bin ich wahnsinnig dankbar. Als sich nun diese Möglichkeit mit studio flitz ergeben hat, war trotzdem für mich klar, dass es ein sehr guter Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist. Etwas Neues aufzubauen hat mir schon in der Anfangszeit von Joyn großen Spaß gemacht. Und die Verbindung zu Joyn bleibt ja auch weiterhin bestehen. Das macht den Abschied leichter.
Warum braucht es überhaupt diese neue Produktionsfirma?
Wir haben zusammen mit Dave Henrichs zwei erfolgreiche Staffeln von "The Race" für Joyn produziert. Nach der zweiten Staffel kam er allerdings auf mich zu und erklärte mir, nicht weitermachen zu wollen, weil er eigentlich das ganze Jahr nur mit "The Race" beschäftigt ist und wieder den Fokus auf „kleinere“ YouTube Projekte legen möchte. Für uns war das natürlich eine absolute Horrornachricht, aus der allerdings die Idee entstanden ist, neue Wege einzuschlagen. So kam die Frage auf: Wieso machen wir das Format künftig nicht einfach selbst?
Dabei hat ProSiebenSat.1 ja auch bisher schon eigene Produktionsfirmen.
Natürlich, aber im Grunde genommen fehlte noch eine Produktionsfirma, die sich auf junge Creator-Inhalte fokussiert. Schon in meiner Rolle als Programmchef bei Joyn habe ich gemerkt, dass die Arbeit mit Creatorn eine andere ist als mit klassischen Produktionsfirmen – mit kleineren Teams, kürzeren Laufzeiten und einem anderen Schnitt. Auf diese Weise ist studio flitz mit der dritten Staffel von "The Race" als unser erstes Projekt entstanden.
Was können klassische Produktionsfirmen von Creator-Produktionen lernen – und umgekehrt?
Viele Creator suchen Unterstützung bei Themen, die ihnen Kopfschmerzen bereiten. Bei "The Race" ist etwa das Sicherheitskonzept elementar. Wir stellen daher sicher, dass wir die Creator vor Ort guten Gewissens in diese oft heikle Situationen schicken können. Im Gegenzug können sich klassische Produktionsfirmen von Creator-Produktionen abschauen, dass dort meist viel generalistischer gearbeitet wird. Wer da die Kamera macht, kümmert sich oft auch um den Schnitt. Solche Generalisten, die Doppelrollen ausführen können, werden in Zukunft sicher auch in klassischen Produktionshäusern gefragter sein.
Als Standort von studio flitz haben Sie nicht Unterföhring, sondern Köln gewählt. Was sprach für die Stadt?
Der Standort ist bewusst gewählt, weil die Creator-Industrie in Köln schon immer am stärksten war – angefangen mit den früheren YouTube-Zeiten, in denen sich hier die damaligen Multichannel-Netzwerke wie Mediakraft angesiedelt haben. Unser komplettes Team arbeitet daher in Köln, auch wenn ich in München bleibe – gewissermaßen als Schnittstelle zwischen studio flitz und ProSiebenSat.1.
Wir haben gerade schon kurz über "The Race" gesprochen. Was wird sich inhaltlich verändern?
Wir haben im Vorfeld der Staffel erstmals eine "Wildcard-Challenge" gestartet, weil wir jedes Jahr sehr viele Bewerberinnen und Bewerber hatten, die unbedingt einmal mitmachen wollen. Die Wildcard-Challenge gibt es schon jetzt auf Joyn und YouTube zu sehen. Die besten zwei Teilnehmer:innen qualifizieren sich für die 3. Staffel von "The Race", die bereits am 8. März auf Joyn und am 22. März auf YouTube startet. Neu ist auch, dass wir in der dritte Staffel zum ersten Mal eine Team-Staffel machen, was schon jetzt in der Community heiß diskutiert wird.
Was sprach für eine Team-Staffel?
Da geht es auch um den schon erwähnten Sicherheitsaspekt – zumal wir in diesem Jahr Europa verlassen und in exotischere Länder gehen. Gleichzeitig bietet das Reisen als Team eine konstante Interaktion zwischen den Teilnehmer:innen, wodurch der Unterhaltungswert steigt. Weil jeder von ihnen mit zwei Actioncams ausgestattet ist, ergeben sich außerdem mehr Perspektiven, sodass die Staffel auch visuell noch ansprechender wird. Das heißt aber nicht, dass wir in Zukunft immer eine Team-Staffel machen werden. Wir sind gespannt auf die Reaktionen der Fans und schauen dann, wie wir in Zukunft weitermachen.
Was plant studio flitz über "The Race" hinaus?
Wir übernehmen die Produktion der zweiten Staffel von "Most Wanted". Dadurch, dass mit Max Schradin, Otto Bulletproof und Joey Kelly drei Creator mit großer Social-Media-Reichweite dabei sind, macht das einfach Sinn. Im Gegensatz zu "The Race", wo wir auch auf eigenen Kanäle, etwa auf YouTube, ausstrahlen, handelt es sich bei "Most Wanted" um eine klassische Auftragsproduktion für Joyn und ProSieben. Aktuell befinden wir uns bereits mitten in der Vorbereitung für die neue Staffel und werden auch schon sehr bald mit dem Dreh beginnen. Die besondere Herausforderung liegt in einem sehr kurzen Zeitraum zwischen Dreh und Ausstrahlung, die am 31. März losgehen wird. Unser Plan ist es, schon zwei Wochen nach Drehende die ersten Folgen auf Joyn zu bringen, um den Hype der Community bestmöglich nutzen zu können. Aber auch darüber hinaus entwickeln wir gerade sehr, sehr viel – sowohl für Joyn als auch für andere Plattformen.
Also ist für studio flitz nicht nur das ProSiebenSat.1-Universum von Interesse?
Natürlich sind wir eine Tochter der Seven.One Studios und damit von ProSiebenSat.1, dennoch wollen wir – wie auch die anderen Produktionstöchter – perspektivisch auch für den externen Markt produzieren. Es gibt wahnsinnig spannende Partner, die ebenfalls nach guten Creator-Inhalten suchen. Hier befinden wir uns auch schon im guten und produktiven Austausch und haben für das laufende Jahr auch noch Kapazitäten. Gleichzeitig wollen wir nicht zu schnell wachsen, sondern suchen uns stattdessen genau aus, welche Projekte wir nächstes Jahr angehen wollen. Gerade am Anfang ist es aus meiner Sicht wichtig, wirklich auf Qualität und nicht auf Quantität zu setzen.
Herr Münzner, vielen Dank für das Gespräch.
von





