Herr Schmitter, warum sollte sich Ihr Publikum für die Übernahme von Sky Deutschland begeistern?

Wir wollen es den Menschen da draußen, die den Abo-Dschungel beklagen, künftig einfacher machen und möglichst alle teil haben lassen an aufregendem Entertainment und hochkarätigem Live-Sport. Mit Angeboten für die, die das volle Paket haben wollen, aber auch für die, die mit weniger zu einem kleineren Preis zufrieden sind. Zukünftig muss für jeden Geldbeutel etwas dabei sein, für das kleine wie auch das ganz große Fan-Herz 

Bleiben mit Sky, Wow und RTL+ alle drei Marken erhalten?

Zum Start bleiben alle drei Marken erhalten. Für uns ist erst einmal Verlässlichkeit wichtig. Sky ist eine der stärksten Premium-Entertainment-Marken in Europa, Wow eines der am schnellsten wachsenden Streamingangebote neben RTL+. Es wäre falsch, darauf zu verzichten. Aber natürlich, wenn wir von Einfachheit und Klarheit für die Konsumenten sprechen, dann werden wir die drei Marken sicher nach und nach noch enger aufeinander abstimmen. Die Lösung der technischen Komplexitäten wird Zeit brauchen, weswegen wir zunächst einmal attraktive Bundle-Angebote für den Kunden schnüren. 

Wie sieht jetzt der Zeitplan nach dem grünen Licht aus Brüssel aus?

Am 1. Juni ist Anpfiff und dann spielen wir mit mehr als zwölf Millionen Abos in der ersten Liga gegen die US-Streamer. Und das mit großartiger Mannschaft und Heimvorteil. 

Okay, Fußball-Analogien. Dann die Nachfrage: Wie sieht der neue Trainerstab aus?

(lacht) Ich habe die große Freude und Ehre, das Haus als CEO führen zu dürfen. Zur weiteren Besetzung der neuen Geschäftsführung werden wir zeitnah Details bekannt geben. 

Herr Berlusconi wurde nach dem Bekenntnis zu Unterföhring gefragt, deshalb auch an Sie: Unterföhring als Standort bleibt erhalten?

Der Standort, das habe ich auch schon mehrfach deutlich gesagt, bleibt erhalten und wird eine wichtige Rolle für uns spielen. Wir werden hart daran arbeiten zwischen München und Köln eine sehr gute und starke Achse zu schaffen.

Gibt es Bereiche oder Kompetenzen, die man dann am Standort Unterföhring bündelt? Den Sport beispielsweise?

Das lässt sich so nicht beantworten. Der berühmte Sporthub in Unterföhring ist im Grunde gut ausgelastet. Da macht es Sinn, dass wir bei gleichzeitigen Sportevents, auch weiterhin in Köln produzieren können. Also werden wir ganz sicher sowohl in Unterföhring als auch Köln Sport-Kapazitäten bereitstellen.  

Es wurden Synergien von 250 Millionen Euro identifiziert. Bedeutet das einen weiteren Stellenabbau, wenn RTL Deutschland und Sky Deutschland zusammengeführt werden?

Diese 250 Millionen Euro wollen wir nicht unmittelbar, sondern über die nächsten drei Jahre erreichen. Im zukünftigen gemeinsamen Content-Budget von 2,5 Mrd. Euro wird es eine Reihe von Synergien geben, wenn man Inhalte anders, effizienter oder gemeinsamer auswertet, z.B. in der Kombination von Free-to-air und Pay-Angebot im Streaming.

Wie kann das aussehen?

„Diese Ochensknechts“ beispielsweise - eine super Reality mit jetzt schon vier Staffeln, deren aktuelle Staffel gerade produziert wird - werden wir auch frei empfangbar auf unseren TV-Sendern ausstrahlen. Damit schaffen wir ein attraktives Programmangebot, heben Synergien und können effizienter wirtschaften. Auch im Sport.

Kommt die Bundesliga zu RTL?

Sky ist und bleibt die Heimat der Bundesliga, aber ja, es ist richtig: Wir holen die Bundesliga auch frei empfangbar ins Programm von RTL, um noch mehr Menschen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten am Erlebnis Bundesliga teilhaben zu lassen. Wir haben uns vorgenommen, so viele Spiele der ersten und zweiten Bundesliga wie nie zuvor bei unseren RTL Free-TV-Sendern zu übertragen. Im Rahmen dessen, was lizenzrechtlich möglich ist. Das heißt Flutlichtspiele bei RTL, die das Produkt Bundesliga und damit auch den fantastischen Content, den Sky jede Woche produziert, für alle erlebbar machen. Ich bin überzeugt, dass RTL mit seiner Sport-Kompetenz und Größe genau der richtige Kanal dafür ist. Und gleichzeitig habe ich beste Werbung für das komplette Bundesliga-Paket bei Sky. Und es gibt noch mehr Fußball-News.

Was denn?

Sky hat den kompletten DFB-Pokal mit 63 Spielen pro Wettbewerb lizenziert und wir planen, alle Partien zusätzlich zu Sky auch auf RTL+ zu zeigen. Damit wollen wir ein attraktives Angebot für Fans von Vereinen schaffen, deren Spiele sonst kaum live übertragen werden. Der DFB-Pokal ist David gegen Goliath und ein Wettbewerb, bei dem immer wieder auch kleinere Vereine überraschen. RTL+ ist mit 9,99 Euro fürs Premium-Abo ein gutes Angebot, um vielleicht auch nur mal für diese eine Runde im DFB-Pokal dabei zu sein. 

RTL profitiert von Sky….

...aber auch Sky von RTL: Mit der Europa League beispielsweise, die wir parallel zu RTL+ dann auch den Sky-Abonnenten für den gleichen Preis anbieten 

Wie sieht es mit der Versorgung von Serien für Sky aus: Hat man einen Deal geschlossen über britische oder italienische Sky-Originals?

Ja, auch dafür haben wir mit den Sky-Kollegen in UK einen Plan entwickelt. An dieser Stelle möchte ich mich einmal ganz herzlich bei den Teams von Dana Strong und Barny Mills für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Auch ihnen ist daran gelegen, dass diese Originals ein großes Publikum finden. 

Die Entscheidung der EU-Kommission adressiert erstmals veränderte Marktbedingungen, schaut nicht mehr auf lineare nationale TV-Märkte. Das hielt in den vergangenen 15 Jahren einige Projekte in Deutschland zurück. Ist jetzt das Eis gebrochen?

Die grundsätzliche Zukunftsfrage ist doch: Schaffen wir es in Europa noch Medienhäuser so aufzustellen und zu entwickeln, dass sie maximal resilient sind gegen das, was auf uns zukommt. In den USA erleben wir gerade eine neue Wucht der Konzentration, allem voran mit dem Multi-Milliardendeal zwischen Paramount und Warner Bros. Oder denken Sie an die Champions League-Ausschreibung - mit wieviel Geldsäcken Paramount+ dort angetreten ist, um sich auf Teufel komm raus die Rechte zu sichern, und DAZN auszustechen. Die dann wiederum mit dem gesparten Geld auf die Europa League geboten und uns aus dem Bieterverfahren rausgekegelt haben. Das Geschäft hat sich fundamental verändert und internationalisiert. Wenn sie sich die Top 8-Streamingdienste in Deutschland anschauen, dann sind wir der einzige deutsche Player. 

Sie meinen kostenpflichtige Abo-Anbieter? Dann wären das Netflix, Prime Video, Disney+, Sky/Wow, DAZN, Paramount+ und HBO Max….

Ja, sieben davon in US-amerikanischer Hand, einer in britischer. Wir wollen uns dieser Macht jetzt mit aller Kraft entgegenstellen. Es geht um den Medienstandort Deutschland, um Relevanz, Verantwortung und journalistische Unabhängigkeit. Die US-Streamer beschäftigen momentan keinen einzigen Nachrichtenjournalisten.

Von Sportjournalist*innen mal abgesehen.

Die europäische Mediensouveränität steht schon jetzt enorm unter Druck. Das mag groß klingen, bringt es aber auf den Punkt! Wir stehen nicht mehr in einem nationalen, sondern in einem internationalen Wettbewerb mit überwiegend amerikanischen Techgiganten, die bei ihren Aktivitäten extrem von ihrer  Regierung gepusht werden. Dagegen müssen wir in Europa all unsere Kräfte bündeln. Und Dank der heutigen Entscheidung der EU Kommission sind wir mit dem Zusammenschluss von RTL Deutschland und Sky dafür jetzt der erste große Leuchtturm.

Herr Schmitter, herzlichen Dank für das Gespräch.