Man kann nicht behaupten, es mangele Korbinian Huber an Ideen. Nur gezündet haben sie bislang einfach nicht – aus verschiedenen Gründen. Weil weder Mode für FKK-Clubs noch nachhaltige Strohhalme aus Eis zum Erfolg führten, sitzt der junge Mann nun einmal mehr der paragrafenverliebten Beamtin Frau Felske im tristen Tittlinger Bürgeramt gegenüber, um die nächste Existenzgründung zu starten. Doch erst die Begegnung mit dem ebenfalls arbeitslosen, aber ungleich weniger motivierten "Berufskiffer" Wolke ist es, die Korbinian auf einen neuen Gedanken bringt: Warum nicht gemeinsam in der Provinz das erste legale Cannabis-Café Deutschland eröffnen?

So weit die Ausgangslage der neuen Comedyserie "Highter & Wolkig", deren Weg gewissermaßen die Politiker mit ihrer Cannabis-Legalisierung ebnete. Glücklicherweise ist sie amüsanter als es es das etwas bemühte Wortspiel im Serientitel vermuten lässt. Angelegt als Mockumentary, erzählt "Highter & Wolkig" die Geschichte zweier Verlierertypen, die als Möchtegern-Manager zwar viel versprechen, aber nur wenig halten.

Über sechs – vergleichsweise kurz geratene – Folgen hinweg lässt sich unter der Regie von Christian Knie beobachten, wie Korbinian, genannte Korbi, und Wolke immer wieder Anlauf nehmen, dabei aber ein ums andere Mal wahlweise gegen neue Mauern laufen oder an Paragrafen scheitern, die Frau Felske aus dem Hut zaubert. Von der Suche nach Vereinsmitgliedern bis hin zur Benennung des Anti-Sucht-Beauftragten: Wann immer ein Problem gelöst zu sein scheint, türmt sich schon das nächste auf. Ganz zu schweigen von Wolkes dementer Großmutter, die die beiden gänzlich verschiedenen, aber in der Sache vereinten Start-up-Gründer zusätzlich Nerven und Geld kostet.

Das alles könnte schnell peinlich wirken, doch mit Nick Romeo Reimann, einst mit den "Vorstadtkrokodilen" bekannt geworden, vor allem aber dem bis dato weitgehend unbekannten Willi Sellmann hat "Highter & Wolkig" die beiden Hauptrollen bestmöglich besetzt. Ihr Zusammenspiel funktioniert auf sämtlichen Ebenen. Nicht minder passend geht Milena Dreißig in der Figur der eisernen Sachbearbeiterin auf – da hilft vermutlich ihre Büro- und Mockumentary-Erfahrung aus der Kultserie "Stromberg", in der sie sich über mehrere Jahre hinweg als Jennifer Schirrmann einen Namen machte. Und während sie es damals mit einem unberechenbaren Chef zu tun bekam, ist es diesmal ein Leguan namens Peter, der ihr Leben bestimmt.

Angesichts dieses amüsanten Trios hätte es prominente Gastauftritte eigentlich nicht gebraucht. Doch insbesondere Veronica Ferres als übereifrige Makler, die selbst eine Kinderküche noch als edlen Luxus anpreist, markiert einen weiteren Höhepunkt in dieser Serie, die auch von vielen stimmigen Sätzen liebt, die das Autoren-Duo Caro Ellert und Max Osswald dem Ensemble in den Mund gelegt hat. Zwei davon stammen von Korbinians Vater, der, angesprochen auf seinen Sohn, zu folgender Erkenntnis erlangt: "Ich würde nicht sagen, dass er dumm ist. Aber er ist immer noch Christian-Lindner-Fan."

Mit "Highter & Wolkig" ist RTL zusammen mit der Produktionsfirma Nordpolaris also ein kleines Comedy-Juwel gelungen, das zwischen allerlei Realityshows darauf wartet, gefunden werden. Eines, über das man übrigens auch lachen kann, ohne bekifft zu sein.

"Highter & Wolkig", ab sofort bei RTL+