Michael KesslerJetzt haben Sie eben schon mal Ihr Management angesprochen. Wird so etwas abgesprochen, wenn Sie plötzlich direkt mit dem Publikum kommunizieren?

Natürlich spricht man sich ab, aber ich bin ja schon groß und die Inhalte kommen von mir spontan und ohne Rücksprache. Ich twitter ja auch keine Interna oder private Dinge. Es dreht sich alles mehr oder weniger um meine Arbeit. Und da gebe ich meinen Fans oder eben Followern ein paar begleitende Infos. Kurz und knapp. Das ist doch toll.

Für die vierte Staffel Ihrer RBB-Sendung „Berliner Nacht-Taxe“, die ab diesem Sonntag 22.30 Uhr zu sehen ist, nutzen Sie Twitter aber noch auf eine ganz andere Art. Sie suchen via Twitter Fahrgäste für Ihre rollende Talkshow...

Wir rekrutieren bei der „Berliner Nacht-Taxe“ die meisten Fahrgäste natürlich nach wie vor spontan auf der Straße. Jede Nacht in der wir drehen, ist völlig anders. Mal läuft es besser, mal schlechter. Unsere Fahrgäste sind nicht gecastet. Für die vierte Staffel die jetzt am Sonntag startet, haben wir uns aber überlegt, wie wir das Format weiterentwickeln können - und fragen deshalb, wenn wir nachts in Berlin unterwegs sind, auch via Twitter wer Lust hat auf eine Taxifahrt inklusive Gespräch.
 
 
Und wie ist die Resonanz der Twitter-Gemeinde?

Das hält sich noch in Grenzen. Es müssen natürlich Menschen aus Berlin sein und noch habe ich ja nicht so viele Follower wie Britney Spears. Aber wir haben jetzt schon zwei Twitterer in der Nachttaxe mitgenommen. Außerdem planen wir einen Livestream aus der Taxe, während der Dreharbeiten. Da kann man dann quasi mitfahren und live im Internet mit verfolgen, wo wir unterwegs sind und was in der Taxe passiert.

Sie sagen, dass Sie ja noch nicht zigtausende Follower haben. Aber wenn dem mal so sein sollte: Wie wollen Sie die denn dann alle händeln? Wenn alle Fragen haben?

Nicht jeder erwartet eine Antwort von mir. Oft sind es eben nur Kommentare zu dem, was ich getwittert oder im Fernsehen gemacht habe. Ich steuere gerade auf die ersten 1.000 Follower zu, da hält sich das Bombardement mit Fragen noch in Grenzen. Alle Twitterer zeigen sich bisher total entspannt, humorvoll und kooperativ. Die wissen, dass ich nicht immer die Zeit habe zu twittern. Aber ich versuchs. Versprochen!

Manch andere Person lässt sich ja schon helfen. Rainer Calmund gibt zum Beispiel zu, dass bei ihm nicht immer er selbst twittert....

Ich habe gerade mit „Spiegel Online“ über Fake im Fernsehen gesprochen. Bei Twitter, wie überall im Internet, lauert dieses Problem erst recht. Dem versuche ich entgegenzutreten. Es gibt schon viel zu viel Distanz zwischen uns Künstlern und dem Publikum, dessen Vertrauen überstrapaziert wird, weil fast alles heutzutage gefaked ist. Kein Wunder, dass mir da mancher nicht glaubt, dass ich selber schreibe. Man hält es ja leider heutzutage für fast unmöglich, dass sich jemand mal tatsächlich fürs Publikum interessiert. Aber letztlich machen wir diesen Beruf doch für die Menschen, also ist es nicht allzu dumm, auf sie auch mal zu hören oder nicht?

Ich glaube Sie werden in Ihrem Leben nie wieder „Für die Menschen!“ sagen können, ohne dass ich an Florian Silbereisen denken muss.
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Na dann haben Sie doch schon die Überschrift für unser Interview.

Stimmt. Herzlichen Dank für das Gespräch