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DWDL.de-Interview

Nach erstem Jahr: ZDFneo-Chef Himmler plant Umbau

von Uwe Mantel
23.08.2010 - 23:01 Uhr

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Der 1. Geburtstag von ZDFneo rückt näher. DWDL.de sprach mit Senderchef Dr. Norbert Himmler über die Lehren aus dem ersten Jahr. Wie er das Programm umbauen will, welche Formate neu starten und warum ihn die Kritik der Privatsender kalt lässt.

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Dr. Norbert Himmler beim Medienforum.NRWHerr Himmler, ZDFneo ist jetzt seit fast zehn Monaten auf Sendung, der erste Geburtstag rückt in Sichtweite. Ist Ihr Baby da, wo Sie es nach dieser Zeit haben wollten?

Ich bin in der Tat überrascht und erfreut, dass die Positionierung und Etablierung von ZDFneo so schnell und so gut geklappt hat. Die erste Resonanz von Zuschauern und Öffentlichkeit war außerordentlich positiv. Wir haben es geschafft, den Marktanteil des ehemaligen Dokukanals zu verdoppeln - wenn auch natürlich noch auf niedrigem Niveau von 0,1 auf 0,2 Prozent. Im Juli haben wir nun sogar die 0,3 Prozent geschafft. Im Digitalmarkt konnten wir den Marktanteil von 0,2 auf 0,6 Prozent verdreifachen. Erfreulich ist, dass wir junge und ältere Zuschauer gleichermaßen erreichen. Das ist für öffentlich-rechtliches Fernsehen ungewöhnlich, war aber genau das Ziel von ZDFneo.

Aber als sie am Morgen nach dem Sendestart die 0,0 Millionen Zuschauer für ein Aushängeschild wie „30 Rock" gesehen haben - was war da ihr erster Gedanke?

Immerhin hat ZDFneo es damit gleich nach einem Tag mit einem Artikel in die „New York Times" geschafft. (lacht) Natürlich war der Vorabend um 19:30 Uhr an unserem Vorab-PremierenTag für „30 Rock" der völlig falsche Sendeplatz, was sich dann in der entsprechenden Zuschauerzahl widergespiegelt hat. Auf dem eigentlichen Sendeplatz hielt sich „30 Rock" im Durchschnitt des Senders. Das war völlig okay.

Also keine Enttäuschung?

Ich gebe zu, dass man sich natürlich das Unmögliche wünscht, wenn man am ersten Tag auf die Quote schaut. Aber mir war von vornherein klar, dass wir nicht von heute auf morgen einen exorbitanten Marktanteilssprung hinbekommen können. So ein Sender braucht Zeit und Geduld. Wir haben uns drei bis fünf Jahre gegeben, um uns zu etablieren. Das Ziel für das erste Jahr waren 0,2 Prozent Marktanteil insgesamt und 0,5 Prozent im Digitalmarkt - das haben wir jetzt schon erreicht. Ich bin sehr zufrieden. Nachdem ich von Anfang an eine realistische Einschätzung hatte, war ich nicht enttäuscht und bin über die Entwicklung seitdem sehr erfreut.

Sie glauben also nicht, dass sie mit 0,2 bis 0,3 Prozent Marktanteil eigentlich noch immer an der Zielgruppe vorbei senden?

Nein, ich denke, da sprechen die Zahlen für sich: ZDFneo hat sich um zwei bis drei Jahre verjüngt, wir erreichen inzwischen Männer und Frauen gleichermaßen, während der Dokukanal deutlich mehr männliches Publikum hatte. Von daher sind wir voll im Plan.

Trotzdem steht ZDFneo öffentlich schwer unter Beschuss. Welche der beiden Kritikpunkte, die sich eigentlich fast widersprechen, ist lauter: Die Vorwürfe der Gebührenverschwendung, weil ZDFneo kaum Zuschauer erreicht, oder die Kritik der Privatsender, dass Sie in deren Gewässer fischen?

Mir ist jede Kritik recht, weil sie zeigt, dass ZDFneo auch in jeder Hinsicht ernst genommen wird. Die Privatsender erkennen das Potential und auch die Qualität mit der wir das machen und fürchten deshalb ZDFneo und dessen Entwicklung trotz der noch recht kleinen Zuschauerzahlen. Das Argument der Gebührenverschwendung kann ich allerdings in keiner Weise gelten lassen. Wir haben die Verpflichtung, sämtliche Zuschauergruppen zu erreichen. Wenn wir merken, dass das als breit aufgestellte Programmfamilie besser geht, dann sei es uns überlassen, diesen Weg einzuschlagen. ZDFneo kostet den Gebührenzahler keinen Cent mehr und wird ihn auch in Zukunft keinen Cent mehr kosten, weil der Sender aus den eigenen Mitteln des Haupthauses finanziert wird. Sie haben übrigens recht: Beide Kritiken sind eigentlich widersprüchlich. Das zeigt aber auch, wie der Lobbyismus bei den Privatsendern funktioniert. Für mich ist das eher eine Ermunterung, so weiterzumachen.

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