Herr Grabosch, wie lange sind sie selbst schon vor Ort? Wie kriegt man so eine Show in seinen persönlichen Arbeitsplan rein?

Ich bin seit drei Wochen täglich hier, seit zwei Wochen wohnen wir auch in Düsseldorf und sind somit Tag und Nacht vor Ort. Aber wir beschäftigen uns mit der Show eigentlich schon seit Oslo, also fast ein Jahr. Richtig los ging's dann im Herbst. Inzwischen muss ich mir von meinen Kollegen schon anhören, dass ich ja eigentlich beim NDR arbeiten würde (lacht).

 

Wie läuft denn die Zusammenarbeit zwischen Brainpool und NDR - für den sie ja nicht als Auftragsproduzent sondern in Ko-Produktion tätig sind...

Es ist offiziell eine Produktion des NDR, die wir in Teilbereichen durchführen. Wir kümmern uns um die Show und sind für den Innenbereich zuständig. Von der Bühne über die Scheinwerfer, Garderobe, Kostüm und Maske bis hin zur Videowall. Um Übertragungstechnik, Ton und die Logistik drum herum kümmert sich der NDR. Aber es ist letztlich ein großes Team, in dem viele schon früher zusammengearbeitet haben und in dem man auf viele bekannte Gesichter trifft. Eine strenge Grenze zwischen Brainpool- und dem NDR-Leuten gibt es da nicht. Wir teilen die selben Schreibtische, wohnen im selben Hotel, sitzen abends an derselben Bar und denken bis morgens gemeinsam nach, wie man eine gute Show abliefern kann.

Lässt man sich eigentlich von der Begeisterung bei Besuchern und den hier anwesenden Journalisten anstecken?

Der ESC ist natürlich eine ganz besondere Geschichte, weil er einfach so groß ist und man mit so vielen unterschiedlichen Leuten aus unterschiedlichen Kulturen von Aserbaidschan bis Türkei, von Spanien bis Island zu tun hat. So einen Variationsreichtum gibt es sonst nicht. Das ist nicht immer vorteilhaft, manchmal stößt man auch an seine persönlichen geschmacklichen Grenzen, wenn man die Beiträge sieht. Aber unser Job ist es nicht, hier unser eigenes Ding durchzuziehen, sondern den Delegationen einen Rahmen zu schaffen, in denen sie sich wohl fühlen. Und daraus eine TV-Show zu machen, die in über 50 Ländern funktionieren soll. Das ist die besondere Herausforderung: Man muss viele verschiedene Stile unter einen Hut kriegen, ohne dass es zum Schluss ein Kessel Buntes wird.

Wenn man Möglichkeit bekommt, bei der Umsetzung des ESC dabei zu sein: Schläft man da angesichts der Größe der Aufgabe nochmal eine Nacht drüber?

Nein, da haben wir keine Sekunde gezögert. Im Gegenteil: Wir wären sehr enttäuscht gewesen, wenn wir nicht bei der Umsetzung hätten mitwirken dürfen, nachdem wir uns viel Mühe gegeben haben, die Veranstaltung mit Lena nach Deutschland zu holen.

Die Tonpanne im Halbfinale fiel nicht in Ihre Verantwortung, aber sehen Sie denn auch in Ihrem Bereich noch Stellschrauben, die fürs Finale nachjustiert werden müssen?

Wir haben natürlich auch für jedes System eine Backup-Lösung, was aber nicht heißt, dass nicht irgendetwas schief gehen kann. Wir waren schon vor dem Halbfinale auf der Hut und sind es immer noch. Aber wir können natürlich trotzdem nicht garantieren, dass nicht mal irgendeine Lampe ausfällt. Wenn die LED-Wand ausfallen würde, dann fiele sie eben aus.