Kai Blasberg © Clap
Tele 5-Chef Blasberg über Grimme-Preis und Drecksäcke

"Wir haben kein erklärungsbedürftiges Produkt"

von Thomas Lückerath
20.01.2012 - 03:40 Uhr

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Ungewohnte Ehre: Mit der TV-Satire "Walulis sieht fern" ist Tele 5 im Rennen um einen Adolf Grimme Preis. Geschäftsführer Kai Blasberg spricht im DWDL.de-Interview über erklärungsbedürftiges Fernsehen, Drecksäcke und "Gottschalk Live".

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Herr Blasberg, Tele 5 ist im Rennen um einen Adolf Grimme Preis. Wie konnte denn das passieren?

Ich bin auch schockiert. Nach der Bekanntgabe der Nominierung habe ich meine DWDL-Kolumne über den Grimme Preis vom letzten Jahr nochmal gelesen – und schäme mich ein wenig dafür. Wahrscheinlich ist das die späte Rache des Komitees.

Die Branche scherzt, dass ein Grimme-Preis ein Todesurteil sein könnte. Setzen Sie denn „Walulis sieht fern“ fort?

Oh ja, wir verhandeln über eine Verlängerung. Allerdings nur, um das „Todesurteil“ dann auch nachhaltig und On Air zu vollstrecken.

 

 

Aber dann wird es hoffentlich nicht um 0.40 Uhr ausgestrahlt...

Für eine ordentliche Hinrichtung wäre das viel zu spät. Aber im Ernst: Ich freue mich sehr für die jungen Frauen und Männer des afk, die dieses tolle Programm machen. Tele 5 hat daran den geringsten Anteil.

Welche Bedeutung hat diese Nominierung für den Grimme-Preis für einen kleinen Sender wie Tele 5?

Nach unserer Kenntnis haben immer noch viele der Fernsehzuschauer in Deutschland keine genaue Vorstellung vom Programm von Tele 5. Sie können jetzt sagen, dass das an unserem Programm liegt. Ich sage aber umgekehrt: Das Programm stimmt. Es ist doch geradezu unsere Wachstumsgarantie. Es gibt so viele Menschen da draußen, die Spielfilme lieben oder „Star Trek“. Oder eben gute TV-Satire. Und Hollywood liefert weiterhin gute Filme und Serien, so haben wir bereits die Sicherheit für Publikum und Werbekunden in Zukunft Nachschub liefern zu können. Wir müssen uns keine Scripted Realitys ausdenken oder anderen Quatsch. Da habe ich doch lieber ein Kommunikationsproblem als ein problematisches Programm. Ich sag mal: Wir werden damit nie Champions League sein, aber haben Spaß an gutem Fußball.

Es läuft also gut, wenn wir das Jahr 2011 bilanzieren?

Ich sage da ganz ehrlich: Die Zahlen interessieren mich nicht mal so sehr, weil der Prozess davor - also wie wir mit unserem Programm dafür sorgen, dass wir das Geld verdienen können - viel mehr interessiert. Ich kann nicht nur auf Quote programmieren. Dann verliere ich irgendwann meinen Anspruch und wenn mir mein Programm irgendwann selbst egal wird, ist das doch schon so etwas wie eine innere Kündigung. Was wäre man für ein Fernsehmacher, wenn man nur irgendetwas sendet, damit die Zahlen stimmen. Wer Gutes tut, wird am Ende belohnt.

Klingt ja schön, aber lassen Sie uns nochmal zu den Zahlen kommen...

Zahlen verkünden wir nie, außer denen, die andere über uns messen. Wir gehören keinem börsennotierten Monster. Wir haben ein gutes Geschäftsmodell und einen Gesellschafter, der uns gut mit Programm versorgt und den Markt bestens kennt.

Aber Sie stellen ihren Gesellschafter schon zufrieden und schreiben schwarze Zahlen...

Ich will gar nicht, dass er übermäßig zufrieden ist. Lieber ist er mir hungrig. (lacht) Aber ich spreche seit längerer Zeit vom Wunder von Tele 5. Wenn ich mir unser Ergebnis gemessen an dem Aufwand anschaue, den wir als kleines Unternehmen veranstalten, dann kann man nur zufrieden sein. Und ein Indikator für eine gute Zusammenarbeit ist auch, dass weder die Mitarbeiter noch die Media-Agenturen bei uns motzen. Und gemäß dem Motto „Nicht gemotzt ist genug gelobt“ machen wir also fast alles richtig.

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