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Interviewreihe Journalismus

Annette Dittert: "Guter Journalismus kostet Geld"

von Thomas Lückerath
12.12.2006 - 11:56 Uhr

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Wieviel darf Journalismus kosten, wie arbeitet es sich in Big Apple und wieso sieht sich ARD-New York-Korrespondentin Annette Dittert als Klinkenputzerin?

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Foto: WDRFrau Dittert, schön, dass sie eine halbe Stunde Zeit gefunden haben. Woher kommen Sie gerade bzw. damit verbunden die Frage: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wir haben gerade eben noch einen Beitrag geschnitten. Mein Arbeitsalltag? Den gibt es nicht. Es gibt keinen normalen Tag im Leben einer Korrespondentin, erst recht nicht in New York. Jeder Tag ist hier völlig anders. Gestern war ich erst in Queens bei einer Beerdigung eines Opfers einer Schiesserei, kam abends zurück und musste auf einen Empfang bei den Vereinten Nationen, wo ich mich in der Eile erst im Taxi umziehen konnte. Wenn das auch wie eine Kleinigkeit erscheint, so muss man auch permanent die richtigen Klamotten dabei haben, da die Schauplätze hier sehr schnell wechseln. Diese Woche war ich z.B. vormittags für eine Reportage im polnischen Viertel in Greenpoint und saß zwei Stunden später im Hilton und habe versucht ein Interview mit Hillary Clinton zu bekommen. Am Ende eines Tages staune ich ab und an selbst wie viele verschiedene Welten man erlebt hat.
 


Gibt Ihnen die Tagesaktualität den Takt vor oder können Sie den selbst festlegen?

Für mich als leidenschaftliche Reporterin ist New York eine Fundgrube, weil es natürlich tagesaktuelle Themen gibt, aber wir hier im Studio New York "nur" für den Großraum New York und Kanada zuständig sind. Im Wesentlichen bedeutet Tagesaktualität dann für uns die UN. Das bricht immer mal wieder über uns herein und beschäftigt uns dann sehr, aber es herrscht auch einige Wochen mal völlige Ruhe. Und da das restliche Amerika von den Kollegen in Washington abgedeckt wird, bleibt uns dann Zeit für die kleinen Stadtgeschichten, Reportagen und Beobachtungen. Für eine Reporterin ist das natürlich die größte Freude.
 
Wenn Ihnen dann mal die Zeit bleibt für die kleinen Geschichten aus einer so großen Stadt - da stell ich mir die Frage nach der Nadel im Heuhaufen...

Das ist eine wirklich gute Frage. Man kommt nach New York und hat die Vorstellung von so unendlich vielen möglichen Geschichten aber steht dann doch erst einmal wie der Ochs vorm Berg wenn man dann die eine spezielle Geschichte finden will. Die Auswahl an Themen in einer Metropole wie New York ist so groß, dass mein einziges Rezept dagegen ist: Einfach machen. Den ersten Gedanken verfolgen und umsetzen. Eine gemachte Story ist besser als zehn geplante.

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