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Großes DWDL.de-Interview

Christoph Maria Herbst über "Strombergs" Zukunft

von Thomas Lückerath
02.03.2007 - 14:34 Uhr

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Seite 3 von 7

Foto: R.A. HörnigVor einer Fortsetzung müsste also eine zündende Idee stehen?

Die zündende Idee muss kommen. Jetzt eine Marke auszumelken, nur weil es möglich wäre - das ist mit mir nicht zu machen. Entschuldigen Sie, wenn das sehr selbstbewusst klingt. Aber ich möchte nicht zu den Kollegen gehören, die sich wie an einen Strohhalm an eine Rolle klammern. Dafür habe ich zum Glück genügend Alternativen. Ich will da aber auch nichts gegeneinander aufwiegen, sondern lasse das einfach alles fröhlich auf mich zukommen. Am liebsten natürlich eine zündende Idee.

Vielleicht kommt Ihnen die ja privat. Erwischen Sie sich im Privatleben mal in der "Stromberg"-Denkweise?

In meinem Privatleben hatte ich bisher noch keine strombergeske Situation, in der ich sofort zum Block gegriffen habe, um mir etwas aufzuschreiben. Es gibt aber natürlich Situationen, in denen ich "Stromberg" in anderen Menschen entdecke. Vielleicht ist das der Grund, warum viele "Stromberg" nicht gucken. Weil sie sich zu gut abgebildet finden. Es laufen viele, viele Strombergs in Deutschland rum.

"Stromberg" als Abbild des deutschen Büroalltags....

Da sind wir beim Kern. "Stromberg" ist erschreckend normal. Andererseits bekommen wir aus dem Dienstleistungsgewerbe die eine oder andere Mail, die uns mitteilt, dass die Normalität noch viel unnormaler sei, als wir sie versuchen abzubilden. Es sei eigentlich noch heftiger und wir zu harmlos. Solche Post erträgt man dann kaum, weil wir uns schon jetzt beim Spielen immer denken, dass uns das kein Mensch mehr glaubt. Andere wiederum schreiben, wieso sie sich abends den "Mist" anschauen sollen, den sie tagsüber schon im Büro erleben. (überlegt) Im Grunde ist es die größte Auszeichnung, wenn wir nicht geguckt werden, weil wir so echte Figuren darstellen - aber das schreiben sie nicht in die Überschrift, okay?


Versprochen. Wann haben Sie eigentlich das letzte Interview gegeben in dem es nicht um "Stromberg" ging?


Im Moment rede ich natürlich viel über "Stromberg". Aber sonst generell immer weniger. Es ist so, dass mich die Leute auf der Straße auch immer häufiger mit meinem eigenen Namen ansprechen als mit "Stromberg". Mich freut das steigende Interesse an dem Schauspieler hinter der Rolle.

Zum Thema Interviews: In der Serie haben Sie ein Drehbuch, das die Figur Bernd Stromberg weiterentwickelt. Wenn ich Sie jetzt aber nach Strombergs Meinung zu einem Thema fragen würde, müssten Sie improvisieren...

Das ist wahr. Das stellt mich manchmal vor Schwierigkeiten, weil es natürlich leichter ist, Fremdgeschriebenes aufzusagen als dem Druck gerecht zu werden, spontan etwas möglichst Intelligentes abzusondern, weil jetzt ein Journalist meint, Bernd Stromberg sitze vor ihm. Ich nehme diese Fragen aber immer noch als Kompliment auf, weil ich es wohl geschafft habe eine Figur zu zeichnen, die mir geglaubt wird. Ich muss dann aber doch immer antworten, dass ich lediglich eine Rolle spiele und nicht so bin. Ich glaube auch, wenn ich privat so wäre wie Bernd Stromberg, dann würde mir diese Rolle nicht gelingen. Sich selbst zu spielen ist das allerschwierigste, weil man dann ein Maß an innerer Distanz und Selbstironie beweisen müsste, das fast unmöglich ist. Solange Menschen die mich lieben und sehr gut kennen, mich in Bernd Stromberg so gut wie nicht wiedererkennen, mache ich mir keine Sorgen.

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