Der Arbeitsmarkt wird auch für Creator härter - jedenfalls wenn man YouTuber werden will. Die Plattform verschärft die Aufnahmeregelungen für das eigene Vergütungsprogramm ab Februar nächsten Jahres. Um in den elitären Kreis derer zu kommen, die für ihren Video-Content Geld von der Google-Tochter erhalten, muss der YouTube-Account ab dem Stichtag eine Wiedergabezeit von über 8.000 Stunden innerhalb eines Jahres (oder 20 Millionen Short-Aufrufe in 90 Tagen) sowie weiterhin über 1.000 Abonnements verzeichnen. Damit verdoppeln sich die Kennzahlen im Vergleich zur bisherigen Regelung

Konsekutiv fallen auch jene Influencer aus dem Programm, die zwar die alte Performance nachweisen können, aber die neue Hürde nicht übertreffen. Zuletzt wurde das Programm 2018 das letzte Mal überarbeitet, insgesamt sind derzeit drei Millionen Kanäle an der Werbefinanzierung beteiligt. Wie viele durch die neue Regelung herausfallen, ist nicht bekannt.

ÜbersichtPlattformen © Meta / Snap / TikTok / Google

Die Plattformen im Vergleich

Das wirft die Frage auf: Wie halten es eigentlich andere Plattformen? Der Vergleich ist nicht ganz trivial, alle Vergütungsprogramme bringen unterschiedliche Vertragsbedingungen, Einstiegshürden und Vergütungshöhen mit sich. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art der Monetarisierung in Form von qualifizierten Inhalten, Werbebeteiligungen, Kooperationsebenen mit Marken und der Möglichkeit individueller Geschenken und Abonnements. Eine Übersicht der hierzulande größten videobasierten Netzwerke sieht wie folgt aus:

Plattform Art der Monetarisierung Durchschnittliche Vergütung nach öffentlichen Angaben Anforderungen an Creator
Facebook Monetarisierungs-programm, ebenfalls individuelle "Partnership Ads" und Abonnements möglich etwa 1–4 € / 1.000 qualifizierte Views auf allgemeine Inhalte und circa 0,01 bis 0,2 Euro für Facebook Reels, variiiert je Nische/Zielgruppe und Land Kein allgemeiner, frei zugänglicher Schwellenwert. Zugang zum Programm ist grundsätzlich einladungsbasiert. Creator müssen die Monetarisierungs- und Partner-Richtlinien von Meta erfüllen.

Instagram keine Monetarisierung von Inhalten möglich, nur Geschenke und individuelle Abonnements

kein einheitliches Vergütungsprogramm, sondern fanbasierte Zahlungen, nicht sinnvoll pro View berechenbar.

Creator müssen die Monetarisierungs- und Partner-Richtlinien von Meta erfüllen.
Snapchat Leistungsbasierte "Story Rewards", Spotlight-Beteiligung, Werbebeteiligung sowie Kooperations-programme kein verlässlicher öffentlicher RPM verfügbar, Angaben schwanken zwischen 0,1 bis 0,3 Euro pro 1.000 Views für Story-Views und Spotlight-Ads, dazu sind Werbebeteiligungen oder Fan-Geschenke möglich Für das Monetarisierungsprogramm mindestens 18 Jahre alt und mehr als 100 Stunden Spotlight Gesamtansichtszeit in den letzten 28 Tagen. Programme sind überwiegend einladungsbasiert. Anforderungen wurden im Mai 2026 verschärft.

TikTok Leistungsbasierte "Creator Rewards", aber keine direkte Beteiligung an Werbeeinnahmen, individuelle Geschenke und Abonnements möglich etwa 0,10–1,00 € / 1.000 qualifizierte Views, variiiert je Nische/Zielgruppe Mindestens 18 Jahre alt, persönlicher Account, mehr als 10.000 Follower und 100.000 Videoaufrufe in den letzten 30 Tagen, regelkonformer Account. Teilnahme nur in unterstützten Ländern. Videos müssen mindestens 1 Minute lang und original sein.

YouTube Longform




Leistungsbasierter Werbeumsatz im "Partnerprogramm" Longform



etwa 1–12 € / 1.000 Views, variiiert je Nische/Zielgruppe 1.000 Abonnenten und 4.000 gültige, öffentliche Wiedergabestunden in 12 Monaten 
YouTube Shorts Leistungsbasierter Werbeumsatz im "Partnerprogramm" Shorts häufig nur circa 0,01–0,05 Euro / 1.000 Views oder 10 Mio. gültige Shorts-Aufrufe in 90 Tagen.
(Ab Februar 2027 doppelt so viele Stunden und Aufrufe.)

Außerdem müssen die Monetarisierungsrichtlinien erfüllt und ein AdSense-Konto verbunden sein.

Postet ein erfolgreicher Influencer auf mehreren Plattformen gleichzeitig und konstant, sind mit den verschiedenen Vergütungsmodellen (und je nach Art/Qualität der Inhalte) monatlich Beträge im vier- bis fünfstelligen Bereich möglich. In Ausnahmefällen von Video-Giganten wie Mr. Beast oder Khaby Lame noch deutlich mehr. 

Es sind vor allem diese Ausnahmefälle, die dafür sorgen, dass die Tätigkeit der “Creator” mit einer strahlkräftigen Außenwirkung und dem Pullfaktor der damit verbundenen Vergütung einer der häufigsten Berufswünsche junger Menschen darstellt. 43 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten (n = 640) würden als Tagesgeschäft am liebsten mit digitalen Inhalten ihr Geld verdienen, so eine Erhebung der Privaten Hochschule Göttingen. 

StudiePFH © PFH Private Hochschule Göttingen

Die Einnahmen am Beispiel von Creator Paul Bunne

Einer, der diesen Schritt gewagt und geschafft hat, ist Paul Bunne. Der digitale Storyteller ist auf allen gängigen Plattformen vertreten und berichtet kontinuierlich über seinen Alltag, am liebsten aber über Dating, Hobbys oder seine Lieblingsstadt München. Seit mehreren Jahren ist er Vollzeit-Creator, bei Instagram verzeichnet er 93.000 Abonnements, auf TikTok folgen ihm über 250.000 Accounts. Für DWDL hat er seine Plattformeinnahmen offengelegt. 

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“Meine Haupteinnahmequelle ist mit Abstand TikTok”, erklärt Paul in Bezug auf Plattformprogramme. Jahr für Jahr hat er auf der Kurzvideoplattform mehrere tausend Euro eingenommen, andere soziale Netzwerke vergüten ihn nicht. “Vor zwei Jahren waren es noch 4.000 Euro im Monat, mittlerweile ist es so gut wie gar nichts mehr.” Als Beweis legt der Creator verschiedene Screenshots vor, konkret 2025 und 2026 im Vergleich.

Das liegt vor allem an der Art, wie qualifizierte Aufrufe gezählt werden. Während die vorherigen Jahre für den Creator deutlich ertragreicher waren, ist es nun deutlich schwieriger, Klicks in Geld umzuwandeln. Das lässt sich beispielsweise am Verhältnis von “Standardbelohnungen” und “zusätzliche Belohnungen" erkennen, das sich im beigefügten Nachweis stark unterscheidet. 

EinnahmenPaulBunne © Paul Bunne Die Einnahmen von Paul Bunne bei TikTok

Zwar gibt TikTok an, dass Videoaufrufe erst ab einer Gesamtlänge von mehr als einer Minute zählen, allerdings spielen auch weitere Faktoren wie die durchschnittliche Wiedergabe in die Rechnung ein. Entsprechend wird der vorliegende Quantifikator nicht transparent mit den Creatorn geteilt. Sichtbar ist hingegen, mit welchem Vergütungsfaktor pro tausend Klicks (= “RPM” / “Revenue Per Mille”) die finalen, qualifizierten Aufrufe verrechnet werden. Im Fall von Paul liegt dieser Multiplikator bei 0,17 Euro, er unterscheidet sich allerdings je nach inhaltlicher Ausrichtung der Videos. So ergibt sich rein bei TikTok ein erwarteter Gesamtverdienst von 1.887,87 Euro für den Zeitraum Januar bis Juli 2026, nachdem im vergangenen Jahr 4.112,04 Euro ausgezahlt wurden. 

Mit den eigenen Videothemen kann Paul den Vergütungswert seiner Inhalte beeinflussen. Schwieriger zu erreichende (und in der Konsequenz zu bewerbende) Nischen werden von den Plattformen üblicherweise mit höheren Rechnungsfaktoren versehen. Damit lohnt es sich für Creator vor allem in wenig belebte und kleinteilige Bereiche zu gehen, Beispiele wären Communitys zu Versicherungen oder Pflege. 

Das Geld kommt nicht von alleine...

Doch auch wenn sich dadurch die Einnahmen noch steigern lassen, zeigt das Beispiel doch recht klar: Rein durch die Vergütungssysteme der Plattformen dürften sich nur wenige Creator ausreichend finanzieren können. Wer also von seinem Online-Dasein leben will, ist in der Regel auf andere Einnahmequellen und Kooperationen angewiesen, um die man sich selbst oder ein Management abseits der Plattformen kümmern muss. Die Plattformen liefern hier höchstens einen kleinen Nebenverdienst.

Dass die Vergütung pro Klick über die Jahre geschrumpft ist und dass YouTube es nun vor allem Anfängerinnen und Anfängern künftig noch schwerer macht, überhaupt in das Monetarisierungsprogramm aufgenommen werden, macht die Einstiegshürden aber noch ein bisschen höher. Gut möglich, dass weitere Plattformen nachziehen. In der Konsequenz müssten sie weniger Influencer vergüten und könnten so den eigenen Gewinn erhöhen. Ein Schelm, wer hier Böses denkt.