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TV-Nachwuchs

TV-Nachwuchs: Praktika und Wert der Ausbildung

von Jochen Voß
24.11.2010 - 15:21 Uhr

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Wie ist es um die Ausbildung für die Fernsehbranche bestellt? Teil 1 der DWDL.de-Reihe wirft den Blick auf Sinn und Zweck des Praktikums und beleuchtet unter anderem die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.

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Nachdem sich das Medienmagazin DWDL.de in den vergangenen Monaten mit der Situation der Freiberufler und der Lage an den Studiostandorten beschäftigt hat, geht nun der Blick in Richtung Nachwuchs. Auch hier zeigt sich, dass man Leidenschaft im wahrsten Wortsinne mitbringen sollte, um beim Fernsehen Fuß zu fassen und damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Während man in Produktionsunternehmen und Sendern keine allzu großen Probleme ausmacht, sehen Beobachter grundsätzliche  Probleme im Arbeitsmarkt TV. Auch beim Nachwuchs selbst ist mittlerweile offenbar angekommen, dass die goldenen Zeiten wohl vorbei sind, und dass statt wilder Partys und grenzenloser Kreativität vor allem praktisches Fachwissen und eine hohe Leistungsbereitschaft  gefragt sind.

Bettina Baum, Referentin für Arbeitsmarktmonitoring bei  AIM, dem KoordinationsCentrum für Ausbildung in Medienberufen, macht derzeit einen Rückfall in die neunziger Jahre aus. "Praktikanten sind als feste Bezugsgröße wieder eine wichtige Stütze der Fernsehbranche", sagt sie. Der Grund dafür liege allerdings nicht darin, dass die Firmen böswillig wären. "Die Unternehmen haben in vielen Fällen keine andere Möglichkeit, da deren Finanzierungssituation oft keinen festen, dauerhaften Mitarbeiterstamm zulässt", lautet ihre Einschätzung. Seit dem Jahr 1996 bietet die AIM, die sich mittlerweile in Trägerschaft der sk stiftung jugend und medien befindet, mit dem Online-Portal www.aim-mia.de umfassende Beratungs- und Informationsdienste unter anderem für den Nachwuchs.

 


Laut den Beobachtungen von AIM hat die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in der Medienbranche in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen. "Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass die Branche den Bewerbern viel abverlangt, viele Unternehmen aber kaum  nachhaltige Karriereperspektiven zu bieten haben", so Bettina Baum. Hinzu komme eine große Unverbindlichkeit im Markt, mit der Bewerber hinsichtlich eines Ausbildungsvertrages oder schlicht einer Weiterbeschäftigung hingehalten würden. Von Fällen, in denen bis wenige Wochen vor Ende der Ausbildung noch keine Klarheit über die Zukunft im Unternehmen herrschte, wurde DWDL.de nach einem entsprechenden Aufruf seitens der Leser berichtet. Für Bettina Baum von AIM sind das keine Einzelfälle, sondern ein "strukturelles Problem der Branche".

In vielen Zuschriften zum Thema Nachwuchs war immer wieder zu lesen, dass die Zeiten des kaffeekochenden Praktikanten vorbei seien. Stattdessen seien es eher qualifiziertere Tätigkeiten, wie Beitragstexte verfassen, Beiträge schneiden oder die Organisation kompletter Drehs, die in die Hände von Praktikanten gelegt würden und von erfahrenen Mitarbeitern lediglich überwacht würden. Ein Nebeneffekt der Praktikantenverantwortung: Manche Freiberufler – wie zum Beispiel Kameraleute – sehen sich in ohne entsprechende Honorierung in die Pflicht genommen, die Wissenlücken der jungen, teilweise weisungsbefugten, Kollegen mit Mehrarbeit aufzufangen.

Im eigentlichen Sinne soll das Praktikum der Berufsorientierung dienen. In der TV-Branche wird es von beiden Seiten vielerorts allerdings auch als Berufsalternative genutzt. Für das Produktionsunternehmen Filmpool kommt das nicht in Frage. Allerdings kann man sich das auch leisten. Mit rund 450 festen Mitarbeitern stellt der Produzent, der zur MME Moviement Gruppe gehört, tägliche Sendungen wie "Verdachtsfälle", "Familien im Brennpunkt" und "X-Diaries" her – einen Großteil des hiesigen Tagesprogramms. Als Aspiranten für einen Praktikumsplatz nennt Felix Wesseler, Business Development Manager bei Filmpool, "Menschen, die ihren weiteren Weg beim Fernsehen sehen". Zwischen drei und sechs Monaten soll das Praktikum dem gegenseitigen Beschnuppern dienen, um herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zusammenpassen. "Es geht auch darum, herauszufinden, für welchen Bereich der Praktikant brennt und wohin es gehen soll", sagt er. Mit 410 Euro monatlich vergütet Filmpool seine Praktikanten in der Regel.

Dabei ist dem Unternehmen wichtig, dass die Novizen gemäß ihres Status' behandelt werden. "Die Praktikanten bekommen keine allzu große Verantwortung innerhalb der Produktionen, werden aber ermutigt, mit dem Bereich, der ihnen übertragen wird, verantwortungsvoll umzugehen", erklärt Felix Wesseler die Philosophie bei Filmpool. Es gehe darum, die Praktikanten sinnvoll in den Produktionsprozess einzubinden, ohne ihnen die Last der Produktion aufzubürden. Derzeit arbeitet das Unternehmen daran, die Praktika, die noch innerhalb der einzelnen Produktionen angesiedelt sind, übergreifend zu organisieren, um den Horizont der jungen Kräfte zu erweitern. Das macht man nicht ohne Grund: Filmpool expandiert, und kann sich so den eigenen Nachwuchs mit dem Ziel einer Übernahme heranziehen.

Eine Nachwuchsstrategie, die auch nach oben weitergeht und für die Unternehmen zweifellos von Vorteil ist. So setzt auch Silvia Fahrenkrog-Petersen, Geschäftsführerin der Produktionsfirma Good Times, zum Beispiel bei Mediengestaltern auf Mitarbeiter, die aus dem eigenen Haus kommen. "Drei unserer besten Cutter haben wir selbst ausgebildet. Dadurch kennen sie den Betrieb um Längen besser als viele freie Kollegen", sagt sie. Bei der Personalauswahl schaut sie sich stets genau an, in welchem Unternehmen potentielle Mitarbeiter gelernt haben. "Kollegen, die in großen Firmen gelernt haben, waren während der Ausbildung oft an eine einzige Abteilung und ein einziges Projekt gebunden. Daher sind sie selten die Allrounder, die wir benötigen", so Fahrenkrog-Petersen, die bei Good Times mehr als 50 feste Mitarbeiter beschäftigt.

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