How I Met Your Mother © 20th Century Fox Film
Ungewohnte Nachmittags-Schwäche

Was ist bloß mit den ProSieben-Sitcoms los?

von Alexander Krei
02.11.2015 - 16:40 Uhr

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Seit Jahren fährt ProSieben gut und günstig damit, weite Strecken des Tagesprogramms mit dem Abspulen von Sitcom-Wiederholungen zu füllen. Zuletzt offenbarten sich jedoch erste Schwächen. Noch gibt man sich in Unterföhring aber gelassen.

Weit mehr als 600 Mal hat ProSieben in diesem Jahr bereits „The Big Bang Theory“ wiederholt – wohlgemerkt ausschließlich am Nachmittag. Bei der aktuellen Ausstrahlungsdosis mit drei Folgen pro Tag dauert es gerade mal drei Monate, bis die Sitcom wieder ganz von vorne beginnt. Umso beachtlicher ist es, dass den Zuschauern die Lust auf den aus Sendersicht kostengünstigen Wiederholungs-Marathon noch immer nicht verloren gegangen ist. Aus der ursprünglich auf sechs Wochen angelegten „Event-Programmierung“, die seinerzeit noch von Thilo Proff in die Wege geleitet wurde, ist ein Dauerzustand geworden, der nun schon mehr als fünf Jahre anhält. 

Doch wie lange taugen die US-Sitcoms noch als verlässliche Quoten-Bringer im Nachmittagsprogramm? In den zurückliegenden vier Wochen konnte man erstmals den Eindruck gewinnen, die Dauerberieselung mit „Two and a half Men“, „The Big Bang Theory“ und „How I Met Your Mother“ habe ihren Zenit überschritten, forciert durch einen rückblickend betrachtet unglücklichen Sendeplatz-Tausch. Dass „How I Met Your Mother“ nun vor „The Big Bang Theory“ läuft und nicht mehr danach, hört sich auf den ersten Blick zwar nach einer banalen Programmentscheidung an, führte unterm Strich im Oktober allerdings zu einem nicht unerheblichen Quoten-Rückgang.

 

„The Big Bang Theory“, am Nachmittag wie auch am Abend verlässlichster Serien-Hit von ProSieben, schaffte in den zurückliegenden vier Wochen auf dem neuen Sendeplatz um 15:30 Uhr im Schnitt nur noch einen Marktanteil von 12,8 Prozent in der Zielgruppe und damit den schwächsten Monatswert seit viereinhalb Jahren. Das war letztlich zwar ähnlich viel wie „How I Met Your Mother“ bis Anfang Oktober zu dieser Uhrzeit verzeichnete, aber eben deutlich weniger als auf dem früheren Sendeplatz. Zum Vergleich: Im September hatte „The Big Bang Theory“ noch starke 15 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen erzielen können. 

Diese Einbußen wären verschmerzbar – würde „How I Met Your Mother“ auf dem neuen Sendeplatz um kurz nach 14:00 Uhr ähnlich stark performen wie „The Big Bang Theory“ bis zum Zeitpunkt des Wechsels. Das ist allerdings nicht der Fall: Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 11,2 Prozent bewegte sich die Sitcom im Oktober nur noch knapp über der momentan ohnehin schon recht geringen Flughöhe des Senders. Bei ProSieben gibt man sich auf Nachfrage bislang gelassen – noch. „Die Quoten am Nachmittag sind grundsätzlich stark volatil. In den Ferien, aktuell sind Herbstferien in vielen Bundesländern, gibt es immer Sondereffekte“, sagte Sendersprecher Christoph Körfer gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de.

Tatsächlich unterliegen die Nachmittags-Quoten Schwankungen, die häufig nur schwer erklärbar sind und an manchen Tagen gar leichte Zweifel daran aufkommen lassen, wie aussagekräftig die derzeitige Messung überhaupt ist. Beispiel gefällig? Am letzten Tag vor dem Wechsel des Sendeplatzes stellte „How I Met Your Mother“ mit einem Marktanteil von 21,1 Prozent einen neuen Bestwert auf, nachdem tags zuvor gerade mal 8,0 Prozent erzielt wurden. Und in der vorigen Wochen lief es zwischenzeitlich mit nur 5,5 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen so schlecht wie nie. Mit Blick auf die Quoten-Entwicklung des gesamten Monats lässt sich der jüngste Abwärtstrend aber kaum von der Hand weisen. Schwächer als im Oktober performte „HIMYM“ in der Daytime jedenfalls noch nie.

Langzeittrend: How I Met your Mother (Daytime)

How I Met your Mother (Daytime)

Insofern wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen, welchen Anteil die Schulferien am jüngsten Rückgang wirklich haben. Klar ist, dass auch die übrigen Sitcom-Wiederholungen zuletzt ungewohnten Gegenwind zu spüren bekamen. So erwies sich der Oktober auch für „Two and a half Men“ und „2 Broke Girls“ als bislang schwächster Monat seit Beginn der Heavy-Rotation. Ob mehr Abwechslung Linderung mit sich bringt, darf zumindest bezweifelt werden, schließlich war guter Sitcom-Nachschub aus den USA in den vergangenen Jahren Mangelware. In Unterföhring sollte man die jüngste Entwicklung daher genau im Auge behalten, denn angesichts so mancher Serien-Baustelle am Abend ist ProSieben zu einem guten Stück auf sein Rückgrat am Nachmittag angewiesen. Kaum auszudenken, wo der Sender stünde, sollte diese wichtige Stütze wegbrechen.

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