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Ein Kommentar zum Start der "rundshow"

Social TV: Muss man nicht, darf man aber gerne...

von Thomas Lückerath
13.05.2012 - 09:02 Uhr

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Social Networks

 

Fernsehen und Internet zu verknüpfen und den TV-Zuschauer so ins Programm einzubinden, wird derzeit unter Social TV zum Hype erklärt. Was ist dran, muss das eigentlich sein und gab es das alles nicht schon einmal? Über eine aufgewärmte, aber gute Idee...

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Der Begriff ist vergleichsweise neu. Die Idee von Social TV jedoch ist alt. Im Grunde so alt wie die Postkarte, die geschickt werden konnte. Denn hinter Social TV steckt Zuschauerbeteiligung. Die wurde mit der technischen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten immer unmittelbarer. Aus der Postkarte wurde das Telefon. Und plötzlich konnten die, die Fernsehen machen und die, die es schauen, direkt und live in Verbindung treten - vorausgesetzt beide Seiten wollten das. Mitmach-Fernsehen wurde geboren lange bevor es Social Networks gab. Selbst lange bevor es 9Live und andere fragwürdige Gewinnspiel-Interaktionen gab. "Domian" im WDR ist zwar auch nicht die erste, aber sicher die legendärste und am längsten laufende Social TV-Sendung.

Das klingt für 2012 vielleicht nicht hip genug, aber die Idee zu Social TV ist nun mal alt. Ende der 90er Jahre wurde das Internet populär und mit ihm kam im deutschen Fernsehen eine Innovation über die selbst die "New York Times" staunte: NBC Giga, Internetfernsehen. Mit Live-Chats, Votings und per Webcam zugeschalteten Zuschauern. Die dazu nötige Technik steckte noch in den Kinderschuhen und die Zielgruppe war klein. Zu klein als dass es sich wirtschaftlich hätte tragen können. So wurde aus der mit dem Grimme Online Award ausgezeichneten Verbindung von Internet und Fernsehen irgendwann ein Gaming-Sender, doch auch das funktionierte nicht und heute ist die Idee dessen, was im November 1998 begann, fast vergessen. Nur selten wurde versucht, die Idee der intensiven Einbindung des Zuschauers noch einmal neu zu beleben.

Doch jetzt gibt es mal wieder ein neues Projekt - und zwar im Bayerischen Fernsehen. Maßgeblich geprägt und erdacht von Richard Gutjahr, Duz-Freund von Monika Piel und engagierter Fernsehjournalist, sowie Daniel Fiene, dem umtriebigsten und nachhaltigsten deutschen Podcast-Macher und Radiomoderator. Sie starten am Montagabend mit der "Rundshow". Spannend daran ist noch nicht einmal, wie die Sendung aussehen wird. Viel bemerkenswerter in der heutigen Fernsehlandschaft ist die Tatsache, dass jemand mit einer solchen Vehemenz für ein Projekt gekämpft hat, dass er es nun einfach mal ausprobieren kann. Wäre Fernsehen bloß häufiger mal von Ideen und Überzeugung und nicht allein von Berechnung getrieben.

Während viele Beobachter kritisch beäugen werden, ob die im Vorfeld geschürten Erwartungen erfüllt werden und die Sendung inhaltlich überzuegt, so liegt der eigentliche Verdienst der "Rundshow" schon in Ihrer Existenz. Einfach mal ausprobieren - danach sehnt sich eine ganze Branche zugegebenerweise weitaus mehr als nach der Antwort auf die Frage, ob Social TV nun wirklich so sexy ist, denn: Ein Buzzword allein macht noch keine Show. Der Erfolg von "Domian" basiert auch nicht auf der Tatsache, dass Menschen anrufen können. Sondern auf den Gesprächen, die Domian führt. Die alte Schule der Gesprächsführung also trägt die Sendung. Und genauso ist auch Social TV nur Mittel zum Zweck. Man muss auch estmal etwas draus machen.

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