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"Live ist live und muss live bleiben"

ARD&ZDF: Disqualifikation bei den Olympischen Spielen

von Thomas Lückerath
30.07.2012 - 14:25 Uhr

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Abgesehen von dem, was ARD und ZDF im Web anbieten, enttäuschen die Öffentlich-Rechtlichen in ihren Hauptprogrammen leider mit einer mangelnden Kennzeichnung von Live-Übertragungen und zeitversetzt ausgestrahlten Wettbewerben.

Wer sich ernsthaft für die Olympischen Spiele in London interessiert und aktuell wissen will, wie es um die (bislang ja noch maue) Medaillenausbeute der deutschen Sportler steht, sollte ARD und ZDF in diesen Tagen vielleicht besser meiden. Gemeint sind die beiden Hauptprogramme, die mit einem veralteten Übertragungskonzept aus London berichten. Dass das Ganze mit flotter Musik, schicken Animationen und netter Grafik präsentiert wird, sollte nicht von dem Kern des Problems ablenken aber zeigt sehr deutlich: Erschreckenderweise wird mehr Wert auf die Verpackung als auf den Inhalt gelegt. Nicht dass da die Journalistinnen und Journalisten vor Ort einen schlechten Job machen würden - nur der Zuschauer weiß nicht, was er da gerade eigentlich geboten bekommt.

Schön, dass man z.B. im ZDF vor jedem Wettkampf die gleiche Kartenanimation der britischen Hauptstadt zeigt, die verdeutlichen soll wo der jeweilige Wettbewerb im Londoner Stadtgebiet ausgetragen wird. Das ist nett, aber von weit geringerer Bedeutung als es eine klare Kennzeichnung von Live-Übertragungen und Aufzeichnungen wäre. Was ARD und ZDF aus London bieten, ist Fernsehen als wenn es kein Internet gäbe, auch wenn man kurioserweise zahlreiche Live-Streams genau dahin ausgelagert hat. Das Übertragungskonzept in den Hauptprogrammen lässt die Vermutung zu, man glaube bei den Öffentlich-Rechtlichen noch immer daran, dass man selbst steuern könne, wann in Deutschland über welchen Medaillen-Gewinn gejubelt werden soll.

Doch in der Berichterstattung von den Olympischen Spielen in London gibt es - auch wegen der Nähe zu Deutschland - genügend Wettbewerb. Nicht nur durch Eurosport, die zwar manchmal mit Längen aber dafür fast durchgehend live berichten, sondern auch im Netz. Während also in Wirklichkeit oft schon Medaillen verteilt sind, gaukeln ARD und ZDF mit zeitversetzt gezeigten Aufzeichnungen noch Spannung vor - ohne das kenntlich zu machen. Das ist heutzutage schon gewagt. Sicher, es gibt auch Zuschauer die sich einfach mit Sport berieseln lassen wollen. Aber gerade bei den Olympischen Spielen geht es trotz "Dabei sein ist alles" dann eben doch darum, wer gewinnt. Das zeigt ja schon die große Enttäuschung über keine einzige von unseren Sportlern gewonnene Medaille an den ersten beiden Tagen.

Das Olympia-Programm der beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten lässt sich natürlich aus Sendersicht sehr bequem steuern. Mit dazwischen geschobenen und wenn nötig auch verkürzten Aufzeichnungen entsteht so insgesamt ein gefälliges, weil lückenloses Nonstop-Programm. Wenn nötig noch aufgefüllt mit Analysen, die wiederum manchen Puristen auf die Palme bringen weil es doch angesichts so vieler Wettbewerbe in London wirklich nicht an Live-Bildern mangeln dürfte. Und so bleibt bei dem undurchsichtigen Programm-Mix von ARD und ZDF ein Gefühl leider auf der Strecke: Das Gefühl live dabei zu sein. Natürlich lässt sich bei so vielen Wettbewerben gleichzeitig nicht alles live zeigen. Aber eine klare Kennzeichnung müsste drin sein.

Absurd wird das sonst auch bei Sportler-Interviews, bei denen man nie weiß, ob diese gerade live geführt werden oder auch aufgezeichnet wurden. So passiert es, dass ein deutscher Sportler vor der Kamera hofft, dass sein Teamkollege gleich hoffentlich mehr Erfolg haben werde - obwohl der in Wirklichkeit ebenfalls schon längst dran war. Das hat mit Sportjournalismus dann herzlich wenig zu tun und der wissende Zuschauer fühlt sich veräppelt, der unwissende Zuschauer wird getäuscht. Man fragt sich schon, wie schwer es für ARD und ZDF sein muss, einen "Live"-Hinweis im Bild einzublenden.

Da man annehmen darf, dass die beiden Sender doch technisch in der Lage sind, dies umzusetzen, will man die Fernsehzuschauer also bewusst in die Irre führen. Und so liefern ARD und ZDF in ihren Hauptprogrammen eine sportliche Dauerberieselung für Ihre Kernzielgruppe 60 plus mit der Priorität auf schönen Bildern - ob live oder nicht ist da doch ein Detailproblem - und immer wieder Gerede nach dem Motto "Schön, dass wir drüber nochmal gesprochen haben". Mauer Inhalt schön verpackt - so sollte Modernisierung nicht aussehen. Und so interessant all die Experimente abseits der Hauptprogramme im Digitalen sind: Es macht die Leistungen von ARD und ZDF in ihrer Kerndisziplin TV nicht besser.

"Live ist live und muss live bleiben", kritisierte ARD-EM-Teamchef Jörg Schönenborn als die UEFA bei der Fußball-Europameisterschaft Bilder nicht eindeutig kennzeichnete. Jetzt könnten es ARD und ZDF tun - und machen es nicht.

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