Promi Big Brother Winke © Sat.1
TV-Kritik zum Start von "Promi Big Brother"

"Celebrity Rehab": Am Ende half The Hoff

von Thomas Lückerath
13.09.2013 - 23:49 Uhr

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Das Haus ist voll, die Tür ist zu: "Promi Big Brother" läuft. DWDL.de über das Comeback des Reality-Formats am Freitagabend. Eine stark inszenierte Show mit einigen Längen, einer Winkekatze und einem Hoff. Die TV-Kritik...

Also die Winkekatze, die war schon cool. Ja genau, so eine dieser kitschigen japanischen Statue mit beweglicher Pfote steht im Haus. Sie war die Deutschlandkette dieses Abends, ein Brüller. Die kennt man, die brachte Bewegung rein. Das Gegenteil davon: Die Kandidaten von "Promi Big Brother" in den ersten zwei Stunden des Show-Auftakts, bei dem Sat.1 am Freitagabend mit Blick auf die Inszenierung den größtmöglichen Aufschlag bot. "Die NSA hat von mir gelernt, aber nur ich bin das Original" tönte der große Bruder aus dem Off zu Beginn des Live-Spektakels, das von Sat.1 wahlweise als "Show-Event des Jahres" oder "die Show, auf die alle gewartet haben" betitelt wurde.



Die Hülle dafür stimmte auch, doch der Inhalt hatte in den ersten zweieinhalb Stunden dieses Abends eine merkwürdige Dramaturgie. Nach einem langen, beinahe zu langen Opening mit Musik, allerlei Kamerafahrten und einem Publikum in "Ick werd' verrückt"-Ekstase hatten es "the mother of big brother" (Cindy aus Marzahn) und "der kleine Bruder" (Oliver Pocher) wiederum sehr eilig: Es gab nur einen sehr kurzen Blick ins Haus, keine wirkliche Erklärung des Formats. Auch durch die weitere Sendung zog sich immer wieder das Gefühl, dass "Big Brother" als bekannt vorausgesetzt wurde. Ein riskante Wette. Marijke Amado, dieser eine, so eine andere, dieser Semmelrogge und diese Dings waren gerade eingezogen, da hielten Endemol und Sat.1 es für eine gute Idee das Tempo der Show einer verkehrsberuhigten Zone anzupassen.

Es sollte eine feurige Aufgabe sein, die die wenigen bereits eingezogenen Kandidaten absolvieren sollten, doch die Spielregeln und Konsequenzen der Action-Einlage verstanden weder die Kandidaten noch die Zuschauer am Fernseher. Als solcher konnte man sich übrigens fragen: Warum ziehen nicht erst einmal alle ein? Zu dem Zeitpunkt fehlten immerhin noch u.a. Jenny Elvers-Elbertzhagen und David Hasselhoff. Wieder einmal eine heiße Wette: Natürlich kann man sich erhoffen, so die Zuschauer bei der Stange zu halten - doch man könnte es jetzt auch nicht verübeln, wenn der ein oder andere in den ersten Stunden bereits ausgestiegen ist. Ein mäßig massentauglicher Showact (Eko Fresh) zog den Einzug der Kandidaten noch weiter in die Länge.

Trösten konnte die wirklich starke Inszenierung. Kein Vergleich zu den letzten Sparbrötchen-Versionen von RTL II. "Ich will hier auch keine halben Sachen machen", sagte Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow im Vorfeld zum Budget des "Big Brother"-Reboots. Die Wertigkeit konnte man sehen. Hier wurde aus allen denkbaren Rohren geschossen. Ebenso wie bei Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher, die, noch auf der Suche nach dem dschungelesk-scharfsinnigen Humor, vorerst aber mit dem Holzhammer vorlieb nahmen. Übrigens auch gegenüber dem Live-Publikum in Berlin. Unterdessen ließ sich im Haus die Prominenz der meisten Kandidaten daran erkennen, dass sie sich rund um den Küchentisch vereint erst einmal gegenseitig vorstellen mussten.

Ein alternder Popstar, Jenny Elvers-Elbertzhagen, ein Boxer der zweiten Reihe und "No Angels"-Lucy folgten. Letztere mit Knopf im Ohr mit einer Aufgabe a la "Schillerstraße". Jetzt kam Tempo und Witz rein. Marijke Amado, die als erste des Abends einzog und gleich verbannt wurde, empfahl sich in der Einsamkeit des Strafbereiches als bissige Beobachterin des Geschehens nebenan im Haus. Gut zweieinhalb Stunden nach Beginn ließ sich endlich erahnen, warum "Big Brother" eines der weltweit erfolgreichsten Reality TV-Formate ist. Und im Übrigen auch das Original: Der Dschungel kam in Großbritannien als Antwort auf "Big Brother". Bei uns wirkt es natürlich umgekehrt. Der Vergleich wird also weder Sat.1 noch Endemol überraschen.

Und während man in so manchem Punkt der Raffinesse von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" weit hinterher hängt, so ist "Promi Big Brother" gelungen, was der Dschungel mit Brigitte Nielsen versuchte: Internationalität. David Hasselhoff ist noch einmal ein ganz anderes, unerklärliches Phänomen. Er wurde am Ende, immerhin drei Stunden nach Beginn, dann auch gefeiert wie kein anderer Kandidat. Unvermeidlich: Ein Voll-Playback von "Looking for freedom" und die blinkende Lederjacke. Oliver Pocher bat noch schnell um ein Foto: "So viele Promis hatten wir heute ja nicht auf der Bühne." Mit den Worten "Ich bin ein Berliner" ging er ins Haus - und hilft "Promi Big Brother" wesentlich dabei, dem Namen gerecht zu werden. Seine erste Feststellung bei der Begegnung mit seinen Mitbewohnern im Haus: Das sei ja "Celebrity Rehab". Wer möchte Michael Knight da widersprechen.

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