Günther Jauch, Varoufakis 15.03.2015 © Screenshot ARD Mediathek
#Varoufakefake

Wenn die Wahrheit mehr schmerzt als ein Fake

von Hans Hoff
19.03.2015 - 16:10 Uhr

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Auch wenn Günther Jauch doch nicht auf einen Böhmermann-Streich reingefallen ist: Er steht mit seinem Talk trotzdem als Verlierer da - ebenso wie all jene, denen ein Stinkefinger wichtiger ist als eine ernsthafte Auseinandersetzung. Ein Kommentar von Hans Hoff.

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Es ist noch nicht zu Ende. So lange dieser Jan Böhmermann da draußen frei rum läuft, kann immer noch was kommen, kann sich die Sache immer noch drehen. Warum sollte man dem ZDF glauben, dass Böhmermanns Behauptung, der Varoufakis-Stinkefinger sei ein Fake ein Fake war. Was, wenn die Behauptung, dass der Fake ein Fake war, auch ein Fake ist? Das Leben kann so grausam kompliziert sein. Und genau das ist gut so. Nico Hofmann, übernehmen Sie. Das muss verfilmt werden.

Böhmermanns Coup ist ein wunderbarer Schlag ins Gesicht all jener, die sich vor komplizierten Zusammenhängen fürchten, die meinen, alles bebildern und nichts wirklich erklären zu müssen. Themen werden auf Teufel komm raus vereinfacht, personalisiert, griffig gemacht. Die Faktenlage hat sich dabei dem Verkaufsargument unterzuordnen. Es geht um Gesprächswert, und da eignet sich ein Stinkefinger halt tausendmal besser als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Argumenten.

Mal nur so zwischendrin gefragt. Wer von denen, die sich schon über die angeblich obszöne Geste von Varoufakis aufgeregt haben, weiß, was er in seinem Vortrag sonst so gesagt hat? Ich wette, die meisten haben keine Ahnung. Dafür aber umso mehr Meinung. So etwas wird befeuert von Mainstreammedien, allen voran von der „Bild“ und Günther Jauch, dem seine Themen so egal sind, dass es schmerzt, ihm sonntags beim Langweilen zuschauen zu müssen.

Lustig war, wie Jauch in der vergangenen Nacht ganz offensichtlich unter Druck geraten ist, die Echtheit seines Videos zu beweisen, wie er das nicht hinkriegte und deshalb von Böhmermann Beweise forderte. Möglicherweise sind Jauch ja mal für ein paar Momente Zweifel am eigenen Tun gekommen. Vielleicht hat er sich ja kurz gefragt, ob er alles immer so richtig macht, ob seine als Selbstsicherheit verkaufte Bräsigkeit wirklich die Antwort auf das ist, was Menschen am Sonntagabend fragen. Es ist aber nur eine Vermutung. Wahrscheinlicher ist, dass es an der Teflonbeschichtung des Ansagers Jauch abgeperlt ist. Man muss sich nicht mal an die legendären Michael-Born-Fälschungen bei „Stern TV“ erinnern und an Jauchs Einlassung, er habe nicht im Schneideraum gearbeitet, sei also ahnungslos gewesen. Schon damals alles abgeperlt.

Ahnungslos ist er immer noch, und genau deshalb war er so ein leichtes Opfer für Jan Böhmermann. Den treibt bekanntlich die Freude daran, die Medienblase immer mal wieder mit vermeintlichem Gehalt aufzupumpen und sich dann zu freuen, wenn sie platzt. War es nicht Böhmermann, der 2009 den ersten türkischen Karnevalsverein Deutschlands vorstellte und sich freute, als Journalisten ihm tatsächlich auf den Leim gingen. War es nicht Böhmermann, der Stefan Raab mit der angeblich chinesischen Kopie von „Blamielen oder Kassielen“ hinters Licht führte?

Wie Böhmermann in den Medienmainstream hinein wirkt, kann man immer noch erleben, wenn faule Journalisten einen Lukas-Podolski-Verriss planen. Dann wird gerne mal dessen Spruch bemüht, dass Fußball im Prinzip wie Schach sei, nur eben ohne Würfel. Dass der Spruch nicht von Podolski, sondern aus Böhmermanns 1Live-Satire „Lukas Tagebuch“ stammt, fällt da gerne unter den Tisch.

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