ProSiebenSat.1 TV Deutschland © ProSiebenSat.1
Ausnahmsweise gutes Timing

Über die Wechsel auf der TV-Baustelle ProSiebenSat.1

von Thomas Lückerath
18.02.2016 - 00:22 Uhr

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Das Personalkarussell dreht sich und keiner fliegt raus: ProSiebenSat.1 TV Deutschland überrascht diesmal mit einer rechtzeitigen und durchaus klugen Neuordnung von Kompetenzen. Eine Einordnung von DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath.

Meist drehte sich das Personalkarussell bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland in den vergangenen zehn Jahren aus akuter Not: Weil irgendein Senderchef aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit den TV-Konzern freiwillig verlassen musste, wurde ein Bäumchen-wechsel-Dich in Gang gesetzt, schließlich holt ProSiebenSat.1 nur selten neue Kräfte von außen hinzu und fördert stattdessen Talente im Unternehmen. Ein Nebeneffekt der ehrenwerten Strategie ist der Eindruck, dass irgendwann jeder in der Sendergruppe jeden Sender schon mal verantworten durfte oder musste - das ist Ansichtssache.

Mit den am Mittwoch verkündeten Personalien kam die ProSieben Sat.1 TV Deutschland der akuten Not diesmal zuvor und bewies ausnahmsweise ein sehr kluges Timing für den Personalwechsel: Wolfgang Link, der bislang in Personalunion einerseits die ganze Sendergruppe und andererseits ProSieben führen sollte, kann sich künftig auf die Führung der Gruppe konzentrieren. Bei seiner Berufung als TVD-Chef ließ er im Sommer 2014 noch wissen: „Durch meine neue Rolle rücke ich noch näher an das Programm.“ Schon damals waren Zweifel daran angebracht. Nun zieht es ihn also noch weiter ins Strategische.

Sein Nachfolger ist mit Daniel Rosemann der richtige Mann zur richtigen Zeit. Ob er auch die richtigen Ideen für den Sender hat, wird sich hingegen noch zeigen. Als bisheriger Vice President Entertainment bei ProSieben ist er mit der Marke schon bestens vertraut und in genau dem Segment tätig, wo ProSieben nach dem Abschied von Stefan Raab neue Impulse braucht. Mit 35 Jahren ist er darüber hinaus der zweitjüngste ProSieben-Geschäftsführer nach Dejan Jocic. Rosemanns größte Herausforderung: ProSieben auf den Tag X vorzubereiten, an dem sich nicht länger 75 Prozent des gesamten Programms mit US-Sitcoms füllen lassen.

Die knifflige Aufgabe hat Wolfgang Link rechtzeitig abgegeben. Mit ihm in der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 TV Deutschland arbeitet Katja Hofem - künftig neben ihrer Verantwortung für die Entwicklung neuer Sender auch noch als Chief Operating Officer (COO). Sie hat dafür ebenfalls eine Aufgabe abgegeben - an der sie sich zuvor recht glücklos probiert hatte. Hofem, die mit DMAX und Sixx zwei der am saubersten positionierten Sender-Neustarts der vergangenen zehn Jahre zu verantworten hatte - einmal bei Discovery, einmal bei ProSiebenSat.1 - tat sich an der Spitze von Kabel Eins überraschend schwer.

Während RTL II zeitweise mit den erfolgreichen Vorabend-Soaps auftrumpfte und Vox durch mutige Eigenproduktionen punktete, bot Kabel Eins eine nicht ganz schlüssige Mischung aus Dmax light und Frank Rosin - garniert mit US-Fiction, die für die großen Sender zu schwach und für die kleinen Sender der Gruppe nicht spitz genug waren. Ihre Aufgabe übernimmt Marc Rasmus, bislang Sat.1 Gold-Chef (wo auf ihn Michaela Kiermaier folgt). Zuvor war der kluge Kopf bei RTL II, dann Discovery und anderen Stellen bei ProSiebenSat.1 tätig - ganz wie Katja Hofem. Bleibt abzuwarten, welche neuen Rezepte er präsentieren wird.

Zur Abwechslung hat sich das Personalkarussell bei ProSiebenSat.1 also möglicherweise mal rechtzeitig gedreht: Wolfgang Link und Katja Hofem haben ihre Baustellen rechtzeitig abgegeben und sich auf andere Aufgaben konzentriert, damit neue Baustellenleiter bei ProSieben und Kabel Eins übernehmen können. Während Daniel Rosemann seine neue Aufgabe etwas gelassener angehen kann, wird sich Kabel Eins dringender neu erfinden müssen. Und der Orange-Ton des Logos ist dabei nicht das dringendste Problem.

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