Mit der Übernahme von All3Media ist Banijay zum weltweit größten unabhängigen Produktionskonzern aufgestiegen. Bei der MIPCOM in Cannes hatten CEO Marco Bassetti und RedBird-IMI-Chef und Banijay-Chairman Jeff Zucker nun am Montagnachmittag ihren ersten großen gemeinsamen Auftritt - und machten dabei deutlich, dass diese Beschreibung aus ihrer Sicht eigentlich zu kurz greift. Vielmehr sieht man sich als globalen Entertainment-Konzern, der IP nicht nur produziert, sondern über die Bereiche Digital, Live und Sport hinweg möglichst umfassend auswertet. Und man gibt sich weiterhin angriffslustig: In den genannten drei Bereichen sieht man zwar auch viel organisches Wachstumspotential. Doch weitere Zukäufe seien keineswegs ausgeschlossen.
Doch erstmal ging es um den gerade abgeschlossenen Deal: Dass Banijay und All3Media einmal zusammenfinden könnten, hatte Marco Bassetti offenbar ziemlich früh im Kopf. Gerade einmal acht Tage nach der Übernahme von All3Media durch RedBird IMI im Frühjahr 2024 klingelte der Banijay-Chef bei Jeff Zucker durch und meldete Gesprächsbedarf an. Kurz darauf stand dann auch auch Banijay-Großaktionär Stéphane Courbit auf der Matte. Zunächst führte RedBird IMI allerdings dann monatelang Gespräche mit ITV Studios, die letztlich bekanntlich zu keinem Abschluss führten. Erst nach deren Scheitern wurde es zwischen Banijay und All3Media konkret.
Bassetti begründete das Interesse damit, dass die beiden Unternehmen komplementär aufgestellt seien und sich daher perfekt ergänzen würden. All3Media sei besonders stark im englischsprachigen Raum und im Digitalgeschäft, während Banijay seine große internationale Präsenz einbringe: In 25 Ländern ist Banijay mit seinen zahlreichen Tochterfirmen inzwischen aktiv. Und dann gilt natürlich schlicht das, was in der Branche seit Jahren mantraartig vorgebracht wird. "Scale is important", sagt Bassetti. Schließlich könne man nur mit entsprechender Finanzkraft in Inhalte investieren und zugleich möglichst viele Rechte am eigenen geistigen Eigentum behalten.
Genau darin liegt der Kern der Strategie: Banijay wolle nicht mehr lediglich als Produzent wahrgenommen werden. "Wir sind definitiv eine Entertainment-Company" so Bassetti. Neben Scripted und Unscripted sollen insbesondere Digital, Live-Entertainment und Sport zu zusätzlichen Wachstumssäulen werden. Zucker verwies dabei auf die Kombination aus Little Dot Studios und den digitalen Aktivitäten von Banijay sowie auf neue Live-Angebote. Als Beispiel nannte er die immersive Show "Luminescence" die Banijay in immer mehr Kirchen weltweit bringt, neuerdings auch in die St. Patricks Cathedral in New York.
Das Fundament bleiben aber weiterhin große Formate wie "MasterChef", "Big Brother", "Survivor" oder "The Traitors". Die globale Produktionsstruktur soll dafür sorgen, dass solche IP schneller und in noch mehr Märkten ausgewertet werden kann. Bassetti machte das am Beispiel "The Traitors" fest: Durch die gemeinsame Präsenz könne das All3Media-Format nun in deutlich mehr Territorien innerhalb des eigenen Konzerns produziert und damit stärker monetarisiert werden. Für die Sender und Plattformen liege der Vorteil darin, dass man auf das vorhandene Know-How im Konzern zurückgreifen könne, statt sich stets neue lokale Partner suchen zu müssen.
Mehr Potenzial sieht Banijay zugleich im fiktionalen Geschäft. Bislang liegt der Schwerpunkt dort auf Europa sowie Märkten wie Brasilien, Mexiko, Australien, Indien und Israel. In den USA habe man sich bei Scripted dagegen bislang bewusst zurückgehalten. Das könnte sich ändern. Zucker bezeichnete den US-Markt ausdrücklich als "new opportunity" und verwies auf die deutlich stärkere Kapitalbasis des fusionierten Unternehmens. Bassetti mahnte allerdings zur Vorsicht: Der Einstieg müsse mit den richtigen Talenten und der richtigen IP erfolgen. Andere europäische Wettbewerber hätten in den USA bereits schmerzhafte Erfahrungen gemacht.
An der grundsätzlichen Gewichtung soll sich zunächst wenig ändern. Rund 70 Prozent des Geschäfts entfallen Bassetti zufolge auf Unscripted, etwa 30 Prozent auf Scripted. Vor allem bei Streaming-Filmen wünscht er sich jedoch neue Geschäftsmodelle. Bei großen Erfolgen müssten Plattformen Produzenten, Kreativen und Regisseuren mehr Backend-Beteiligungen oder Rechte zugestehen. Banijay selbst wolle dabei nicht zum klassischen Hollywood-Studio werden und keine 200-Millionen-Dollar-Filme finanzieren. Entscheidend sei vielmehr, Rechte zu behalten und erfolgreiche IP über möglichst viele Auswertungsformen hinweg nutzen zu können.
Zucker sieht in der Konsolidierung zugleich einen grundsätzlichen Vorteil gegenüber kleineren Produzenten. Kapital allein sei dabei allerdings nicht entscheidend. "Das Kapital ist der einfache Teil", so Zucker Knapp seien vielmehr gute Führungskräfte, kreative Köpfe und Ideen. Gleichzeitig werde es für kleine unabhängige Produzenten zunehmend schwieriger, allein zu bestehen. Viele suchten deshalb Anschluss an größere Player - und Banijay bringt sich da auch weiterhin gerne selbst ins Spiel.
Zucker sieht Banijay dabei in einer komfortablen Lage: Das Unternehmen sei gut aufgestellt und derzeit nicht auf weitere Zukäufe angewiesen, aber offen für gute Ideen. "Das Schöne daran, so hervorragend aufgestellte, kapitalstarke und ehrgeizige Anteilseigner zu haben, ist, dass wir opportunistisch agieren und weiter wachsen können. Doch die Realität ist auch, dass wir zu nichts gezwungen sind und es niemanden am Markt gibt, den wir unbedingt haben müssten." Alles kann, nichts muss.

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