Der Fall der entführten Kinder von Steakhaus-Erbin Christina Block zieht immer weitere Kreise. Wie die Wochenzeitung "Zeit" am Montag öffentlich gemacht hat, haben Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Hamburg die Geschäftsräume der Zeitung in Hamburg aufgesucht. Dabei hätten sie auch mit einer Durchsuchung der Redaktionsräume gedroht. Hintergrund ist der laufende Block-Prozess - und ein Podcast der "Zeit".
In "House of Block", so der Name des Podcasts, beschäftigt sich die Zeitung mit dem Fall und insbesondere mit der Entführung der zwei Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24. Der vermeintliche Scoop: In dem Podcast kommt nicht nur die 20-jährige Tochter von Christina Block zu Wort, sondern auch die heute 15-jährige Tochter, die damals entführt wurde. Vor Gericht hatte die 15-Jährige nicht ausgesagt, dafür spricht sie nun im "Zeit"-Podcast.
Im Zuge der Veröffentlichung hatte sich die "Zeit" bereits Kritik anhören müssen. Nun interessieren sich offenbar auch Gericht, Staatsanwaltschaft und LKA für den Podcast. Die am Montag vorgelegte Durchsuchungsanordnung umfasste nach "Zeit"-Angaben die Herausgabe von Tonaufzeichnungen der Gespräche, die im Zusammenhang mit dem Podcast angefertigt wurden. Vom Gereicht seien sie als mögliche Beweismittel eingestuft worden. Die Ermittler suchen demnach auch nach angeblichen Vertragsunterlagen der Interviewten mit der "Zeit". "Einen solchen Vertrag gibt es nicht", heißt es von der Wochenzeitung in einer Stellungnahme.
Die Zeitung hat nun die Interview-Aufzeichnungen herausgegeben. Gleichzeitig hat der Verlag der Beschlagnahmung gegenüber der Staatsanwaltschaft Hamburg widersprochen und die Unterlagen versiegelt übergeben, um einer Verwertung vor Abschluss der rechtlichen Prüfung vorzubeugen. Dabei habe man auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum besonderen Schutz von Presseunternehmen verwiesen.
Man wehre sich entschieden gegen "diesen Angriff auf die Pressefreiheit und hat Beschwerde eingelegt", so die "Zeit" am Montagnachmittag. Die angedrohte Durchsuchung und die Beschlagnahmung der Interviewaufnahmen seien "unverhältnismäßig". Die "Zeit"-Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner sagen: "Zur Pressefreiheit gehört insbesondere der Quellenschutz, der für unabhängig berichtende Medien entscheidend ist. Wir werden uns deshalb mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen."
Christina Block, Erbin der Steakhauskette Block House, steht wegen mutmaßlicher Kindesentführung vor Gericht. Hintergrund ist ein jahrelanger Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel, der die beiden jüngsten Kinder 2021 nach einem Besuch in Dänemark bei sich behielt. In der Silvesternacht 2023/24 wurden die Kinder von maskierten Männern nach Deutschland gebracht. Block bestreitet, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben. Demnächst wird sich Kabel Eins dem Fall im Rahmen der Reihe "Deutschlands spektakulärste Kriminalfälle" widmen (DWDL.de berichtete).
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