Dass die TV-Sender unter wirtschaftlichem Druck stehen - Werbeflaute hier, ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags und generelle Sparanstrengungen dort - und obendrein stärker in ihre Streaming-Angebote investieren müssen, schlägt sich inzwischen deutlich sichtbar im linearen Programm nieder. Wer generell weniger produziert, der fährt das Angebot eben zuerst in den nutzungsärmeren Sommermonaten zurück. Das spiegelt sich in unserem Frische-Index deutlich wider.
Nehmen wir RTL: Im Vergleich zum August 2024 sank der Anteil an frischem Programm abends (Free-TV-Premieren und Erstausstrahlungen in der Zeit zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht) um 13 Prozentpunkte auf nun noch 59 Prozent. Bei Vox ging's um elf Prozentpunkte runter, bei ProSieben gar um 24 Prozentpunkte, womit man glatt auf den letzten Platz aller Vollprogramme durchgereicht wurde. Eigentlich wäre es mehr gewesen, doch weil die Erstausstrahlungen von "Grey's Anatomy" unglaublich schlecht liefen, verschob man sie in Richtung Nacht und zeigte stattdessen Film-Wiederholungen.
Einen interessanten Kontrapunkt setzte in diesem Sommer stattdessen Sat.1: Schon im Juni und Juli fiel der Frische-Anteil höher aus als in den Monaten zuvor und auch im August hielt man die Taktung recht hoch. Mit einem Frische-Anteil von 67 Prozent - neun Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr - holte man einen geteilten ersten Platz mit dem ZDF. Bei den Mainzern war ebenso wie beim Ersten den Anteil an frischem Programm deutlich rückläufig. Sat.1 hat bislang auch auf die ersten acht Monate des Jahres gesehen seinen Frische-Anteil so deutlich wie kein anderer Sender gesteigert (+11 Prozentpunkte). Deutlich mehr frisches Programm als im letzten Jahr zeigte unterdessen auch RTLzwei, das sich im August mit 34 Prozent bis auf Rang fünf nach vorne kämpfte.
FIX-Punkte August 2025 |
Vergleich zum Vormonat |
Vergleich zum August 2024 |
Jahresschnitt '25 (vs 01-08/24) |
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ZDF | 67 von 100 | -8 | -7 | 82 (+0) |
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Sat.1 | 67 von 100 | -6 | +9 | 62 (+11) |
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Das Erste | 60 von 100 | -3 | -12 | 77 (-4) |
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RTL | 59 von 100 | +2 | -13 | 82 (+2) |
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RTLzwei | 34 von 100 | +4 | +11 | 35 (+5) |
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VOX | 26 von 100 | +16 | -11 | 35 (-3) |
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kabel eins | 25 von 100 | +3 | +6 | 22 (-1) |
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ProSieben | 23 von 100 | -22 | -24 | 47 (-2) |
Frische-Index-Verlauf bis August 2025
dwdl.de/zahlenzentrale
Wie wir die Daten erheben und was sie aussagen
Wir werten Monat für Monat das Programm der acht großen Vollprogramme zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht aus und ermitteln den Anteil an "frischem Programm", wozu wir Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren rechnen. Sendungen, die vorab gestreamt werden konnten, gelten hier ebenfalls als "frisches Programm". Über die Qualität des Programms sagt der Anteil der Erstausstrahlungen natürlich nicht unbedingt etwas aus, doch es ist eines von mehreren Indizien, mit welchem Aufwand ein Programm derzeit betrieben wird.
Zu beachten ist zudem: Der Frische-Index gibt einen Trend an, bildet die Situation aber nicht ganz genau ab. So gibt es beispielsweise einen systembedingten "Nachteil" für Das Erste und das ZDF: Aufgrund der Werbefreiheit müssen sie mehr eigenes Programm produzieren, um die Zeit zu füllen, während die Privatsender einen gar nicht so geringen Teil des Abends mit Werbeblöcken füllen. Eine Stunde Erstausstrahlung ohne Werbung im Ersten haben wir aber genauso gewertet wie eine Stunde Erstausstrahlung bei den Privaten mit Werbung.