Weniger als eine Woche nach dem überraschenden Abgang von Jan Philipp Burgard als Chefredakteur von Springers Welt-Gruppe kommen neue Details ans Tageslicht, die mit der Personalie in Zusammenhang stehen sollen. Am Sonntagabend berichtete die "New York Times" über ein internes Gespräch, in Folge dessen der Verlag Burgard zum Rückzug gedrängt haben soll - nur etwas mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt.

Der Verlag soll demnach zuvor eine interne Untersuchung eingeleitet haben, weil sich der Journalist auf einer Weihnachtsfeier im Dezember "unangemessen" gegenüber einer Mitarbeiterin von Axel Springer verhalten habe, wie die "New York Times" weiter schreibt. Ausschlaggebend für die Untersuchung sei eine Presseanfrage gewesen. Tatsächlich hatte eine Journalistin des Online-Portals "Correctiv" bereits Anfang Januar in sozialen Netzwerken einen Aufruf mit der Bitte um Informationen zum Verlauf besagter Weihnachtsfeier gestartet - ergänzt um den Hashtag #tiefgarage.

"Correctiv" selbst berichtete am Montag ebenfalls über Burgards Abgang, verwies in seinem Artikel aber vor allem auf die Berichterstattung der "New York Times". Auch "Correctiv" will davon erfahren haben, dass Burgard auf der Feier einer Mitarbeiterin nahe gekommen sein soll, die ihm nicht direkt unterstellt war. Zugleich verwies das Portal auf eine ethische Leitlinie, die sich Springer im Jahr 2023 nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den ehemaligen "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt auferlegt hatte. 

In der anschließenden Befragung soll Burgard nach Angaben der "New York Times" erklärt haben, sich nicht mehr daran erinnern zu können, ob die von mehreren Mitarbeiterinnen geäußerten Schilderungen seines angeblichen Verhaltens auf der Weihnachtsfeier stimmen. Er selbst habe angegeben, Alkohol getrunken zu haben. Öffentlich wollen sich weder Springer noch Jan Philipp Burgard äußern, stattdessen erhielt "Correctiv" eigenen Angaben zufolge in der vergangenen Woche ein "presserechtliches Warnschreiben" einer von Burgard beauftragten Kanzlei - und zwar noch bevor die Redaktion überhaupt Fragen an ihn gestellt hatte.

Noch Mitte vergangener Woche hatte Springer mitgeteilt, Burgard lege seine Funktion "aus gesundheitlichen Gründen" nieder. Er selbst verwies auf einen "schweren körperlichen Zwischenfall, der in der Luft ärztlich behandelt werden musste", in Folge dessen er sich entschieden habe, seine Funktion als Chefredakteur der Welt-Gruppe niederzulegen.

Als Nachfolger wurde der derzeitige "Tagesthemen"-Chef Helge Fuhst verpflichtet, der obendrein den Vorsitz der Chefredaktionen der Premium-Gruppe übernehmen wird, zu der neben "Welt" auch "Politico Deutschland" und "Business Insider Deutschland" gehören (DWDL.de berichtete). Zu welchem Zeitpunkt Fuhst bei Springer starten wird, steht aber noch nicht fest.