Seit Paramount Skydance um die Übernahme von Warner Bros. Discovery buhlt, hat WBD jedes der zahlreichen vorgelegten Angebote als unzureichend zurückgewiesen, im Dezember schloss man bekanntlich stattdessen einen Deal mit Netflix. Doch nun scheint David Ellison so nah dran wie noch nie, doch noch zum Zuge zu kommen. Denn das nach einer zuletzt einwöchigen Verhandlungsfrist noch einmal verbesserte Angebot, wird vom Vorstand von Warner Bros. Discovery nun erstmals anders bewertet.
Dabei drückt man sich zunächst weiter um eine konkrete Einschätzung herum, in einer Mitteilung heißt es aber, dass man es für realistisch halte, dass der vorgelegte Paramount-Vorschlag zu einem dem Netflix-Deal überlegenen Angebot führen könnte. Diese Feststellung ist nötig, damit Warner Bros. Discovery trotz des schon geschlossenen Vertrags mit Netflix die Verhandlungen mit Paramount Skydance fortsetzen kann - was nun auch geschehen soll.
Inzwischen ist auch bekannt, inwiefern Paramount nachgebessert hat: Statt 30 US-Dollar je WBD-Aktie bietet man nun 31 US-Dollar - ein vergleichsweise kleiner Schritt also. Im Vorfeld war von vielen Analysten ein deutlicherer Aufschlag erwartet worden - dass man überhaupt in die zunächst einwöchigen Verhandlungen eingetreten war, war schon damit begründet worden, dass Paramount zu verstehen gegeben hatte, das Gebot um mindestens 1 Dollar zu erhöhen.
Mehr als das ist es also nicht geworden, dafür hat man an weiteren Punkten gedreht. Paramount unterstreicht unter anderem sein Vertrauen, den Deal sehr schnell über die Bühne zu bekommen mit gleich zwei Maßnahmen: Falls der Deal doch noch an regulatorischen Hürden scheitern sollte, würde man nun 7 Milliarden Dollar an Warner überweisen. Zudem würde man schon ab dem 30. September 2026 "Ticking Fee" für jeden Tag zahlen, an dem der Deal nicht abgeschlossen ist, die Höhe liegt bei 25 Cent pro Aktie und Quartal. Die Einschätzung von Warner Bros. Discovery war bislang stets, dass es beim Paramount-Deal noch größere Hürden gebe, Paramount hingegen behauptet stets, dass Netflix sich viel größeren regulatorischen Problemen gegenüber sehe.
Außerdem hat Paramount noch andere Dinge klargestellt: Dass man die 2,8 Milliarden Dollar, die Warner an Netflix zahlen müsste, falls dieser Deal doch noch platzt, ebenso übernehmen wird wie die möglichen 1,5 Milliarden an Finanzierungskosten, die bei Warner womöglich auflaufen. Zudem werde man nicht auf ein womöglich schlecht laufendes Kabelsendergeschäft abstellen, um den Deal nachträglich doch platzen zu lassen oder diesen zu ändern.
Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery werden auf dieser Basis iher Gespräche nun also fortsetzen. Entscheidend ist die Frage, ob das Board von WBD zur Feststellung gelangt, dass es sich beim Paramount-Angebot um ein "Company Superier Proposal" handelt, wie es im Netflix-Deal festgehalten ist. Kommt es dazu - was jetzt ziemlich wahrscheinlich ist - hätte wiederum Netflix vier Tage die Möglichkeit, ebenfalls ein verbessertes Angebot nachzulegen, um seinen Deal noch zu retten.
Entscheidet sich Netflix in diesem Fall gegen eine Nachbesserung, würde Warner Bros. Discovery gegen die Zahlung der genannten 2,8 Milliarden Dollar den Netflix-Deal kündigen. Da die Einschätzung von WBD und damit auch die endgültigen Konditionen noch nicht vorliegen, hat sich Netflix bislang dazu auch nicht konkret geäußert. Ted Sarandos ließ kürzlich allerdings schon einmal wissen, dass er im Zweifel bereit sei, sich zurückzuziehen und "andere zu viel bezahlen zu lassen".
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