Nachdem das ZDF in einem Beitrag im "heute journal" gleich zwei schwere Fehler gemacht hatte, versuchte sich der Sender zunächst mit Floskeln aus der Verantwortung zu stehlen. "Die Tragweite des Themas wurde spät erkannt. Und es schien zunächst so, als sei es nur um einen technischen Fehler gegangen", sagt ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten jetzt in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". In dem Beitrag war unter anderem KI-Material als echt verkauft worden. Vom ZDF hieß es zunächst, es sei ein Fehler gewesen, dass die KI nicht gekennzeichnet worden sei. 

Nachdem die Kritik immer lauter wurde, ruderte man in Mainz schließlich zurück und räumte ein, dass das KI-Material auch mit Kennzeichnung nichts in dem Beitrag zu suchen gehabt hätte. In der ursprünglichen Kommunikation erweckte das ZDF noch den Eindruck, als sei die fehlende Kennzeichnung aus technischen Gründen nicht übertragen worden. Doch ob das tatsächlich so war, ist aktuell unklar. "Wir prüfen noch, ob dieses Insert beim File-Transfer mitgesendet wurde oder verloren gegangen ist", so Schausten. Also: Beim ZDF weiß man aktuell nicht, ob die Kennzeichnung überhaupt mal vorhanden war. Das erschüttert die Glaubwürdigkeit der ZDF-Kommunikation noch mehr als ohnehin schon.  

Schausten sagt gegenüber der "SZ" aber auch mehrfach, dass eine Kennzeichnung den Beitrag nicht besser gemacht hätte. Dass man die zuständige New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht von ihrem Posten abberufen hat, verteidigt Schausten. "Der Grund für ihre Abberufung war, dass sie unprofessionell mit Bildmaterial umgegangen ist", so die Chefredakteurin. Sie habe das Material im Beitrag, das sie selbst dort eingefügt hatte, nicht noch einmal überprüft. "Es ist ein Verstoß gegen Regeln und das fordert auch eine Antwort. Sie ist Leiterin unseres Studios in New York und damit auch eine Führungskraft, die noch mal höhere Anforderungen hat, Regeln auch einzuhalten."

Gleichzeitig betont Schausten, dass die Abberufung von Albrecht keine arbeitsrechtliche Maßnahme sei, die Journalistin sei weiterhin im ZDF beschäftigt. "Ich lasse sie nicht fallen", sagt die Chefredakteurin, die einräumt, dass es auch auf redaktioneller Seite Mängel bei der Überprüfung des Beitrags gegeben habe. Man schaue sich das aktuell an, so Schausten, die auch mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen in den Raum stellte. 

Den Vorwurf, das ZDF oder Nicola Albrecht hätte in dem Beitrag bewusst täuschen wollen, weist Bettina Schausten zurück. Gegenüber der "SZ" sagt sie: "Nicola Albrecht ist eine erfahrene und angesehene Kollegin und ich unterstelle in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht. So kenne ich sie auch nicht, sie ist niemand, der so etwas tun würde." Eine Überprüfung früherer Beiträge von Albrecht sei nicht geplant.