Der Heinen-Verlag steigt überraschend aus der "Kölnischen Rundschau" aus - und zwar schon sehr kurzfristig zum 31. März. Im Gegenzug übernimmt fortan der einstige Konkurrent DuMont die Herausgeberschaft und damit die redaktionelle Verantwortung für die Lokalzeitung. Der nun angekündigte Schritt stellt einen echten Einschnitt dar, arbeiteten beide Verlage doch seit 1998 im Bereich der Tageszeitungen zusammen: Die DuMont-Tochter Kölner Stadt-Anzeiger Medien verantworteten seither die Verlagsaktivitäten der "KR", während der Heinen-Verlag ausschließlich redaktionelle Inhalte zulieferte.

Aufgrund von "tiefgreifenden Veränderungen" im Leser- und Werbemarkt sei eine eigenständige Redaktionstätigkeit für den Heinen-Verlag jedoch "wirtschaftlich nicht mehr tragfähig", hieß es am Donnerstag. Dementsprechend wird bisherige Redaktion der "Kölnischen Rundschau" aufgelöst - mit weitreichenden Folgen. Die Gewerkschaft ver.di spricht von 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen gekündigt worden ist. Die "KR" soll im Gegenzug in die regionale Struktur der Kölner Stadt-Anzeiger Medien eingebunden werden. Auf diese Weise werde die Tageszeitung "langfristig als eigenständige publizistische Marke zukunftssicher" aufgestellt.

Kölnische Rundschau © Kölnische Rundschau
DuMont verspricht in diesem Zusammenhang, dass die "Kölnische Rundschau" eigenständig bleiben soll, "mit eigener Haltung und eigener journalistischer Ausrichtung", wie es heißt. So sei auch die Position einer Chefredakteurin oder eines Chefredakteurs vorgesehen. Darüber hinaus sollen weitere Stellen in den bestehenden redaktionellen Strukturen der Kölner Stadt-Anzeiger Medien entstehen. Die DuMont-Tochter kündigte zugleich an, ihr digitales Geschäft ausbauen und dafür mehr als 30 neue Stellen schaffen zu wollen. So sollen rund um Köln neue regionale Angebote entstehen. "Wir investieren in neue Formate und neue Arbeitsweisen für den Regionaljournalismus", sagte Oliver Eckert, COO bei DuMont. "Damit schaffen wir Angebote, die noch näher am Leben der Menschen sind."

"Kaltblütigkeit ist erschreckend"

Doch es gibt auch Kritik - allen voran von der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di. "Die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen ist erschreckend", sagt der dj- Co-Vorsitzende Lars Hansen. Schon bei der Schließung der eigenen Druckerei durch DuMont im Jahr 2023 hätten sich rüdeste Methoden gezeigt. "Nun im Heinen-Verlag bei den Kündigungen mit Monatsfrist für die gesamte Redaktion einer Zeitungs-Institution im Rheinland zeigt DuMont und Heinen ein für ein Medienunternehmen unwürdiges Verhalten", so Hansen. "Immerhin sind Verlage steuerlich und rechtlich für ihre Aufgaben als Presseverlage privilegiert. Der daraus resultierenden Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und auch der Gesellschaft kommt die Geschäftsführung überhaupt nicht nach. Kündigungen zu Ende des kommenden Monats sind in keiner Weise gerechtfertigt, sicherlich auch nicht wirtschaftlich, und kommen vollkommen überraschend." Inwieweit der Betriebsrat und ver.di zusammen mit den Beschäftigten gegen diese Entscheidung vorgehen werden, werde nun mit allen Betroffenen beraten.

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) erklärte auf LinkedIn, er habe die jüngste Ankündigung "mit großer Sorge" zur Kenntnis genommen. "Besonders beunruhigend ist die sehr kurzfristige Perspektive dieses angekündigten Ausstiegs. Eine so einschneidende Entscheidung wirft berechtigte Fragen nach der Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie nach der Sicherung journalistischer Vielfalt in unserer Stadt auf. Mein ausdrückliches Mitgefühl und meine Solidarität gelten den Beschäftigten, die nun in großer Unsicherheit auf ihre berufliche Zukunft blicken."

Von den Verantwortlichen erwarte er, "dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten, den Leserinnen und Lesern sowie unserer Stadt gerecht werden und größtmögliche Transparenz über die weiteren Schritte herstellen", so Burmester weiter.