Nun ist der Kampf um die Übernahme von Warner Bros. Discovery tatsächlich wieder offen: Der Vorstand von Warner Bros. Discovery hat das am Montag vorgelegte erneut verbesserte Übernahmeangebot von Paramount Skydance als "Company Superior Proposal" klassifiziert - also als dem eigentlich im Dezember mit Netflix längst geschlossenen Deal überlegen.

Diese Situation ist im Vertrag zwischen Netflix und WBD geregelt: In diesem Fall hat Netflix nun vier Werktage Zeit, um seinerseits erneut mit Warner zu verhandeln und sein Angebot ebenfalls nachzubessern. Tut Netflix das nicht, kann Warner Bros. Discovery den Vertrag aufkündigen und stattdessen eine Übernahme durch Paramount anstreben - allerdings gegen eine saftige Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar. Paramount hat im Rahmen seines erneuerten Angebots zugesagt, diese Strafzahlung zu übernehmen.

Den Kaufpreis je Aktie hatte Paramount verglichen mit dem ursprünglichen Angebot nur moderat von 30 auf 31 US-Dollar erhöht - weniger als im Vorfeld war von vielen Analysten erwartet worden war. Dafür hat man an weiteren Punkten gedreht: Paramount unterstreicht unter anderem sein Vertrauen, den Deal sehr schnell über die Bühne zu bekommen mit gleich zwei Maßnahmen: Falls der Deal doch noch an regulatorischen Hürden scheitern sollte, würde man nun 7 Milliarden Dollar an Warner überweisen. Zudem würde man schon ab dem 30. September 2026 "Ticking Fee" für jeden Tag zahlen, an dem der Deal nicht abgeschlossen ist, die Höhe liegt bei 25 Cent pro Aktie und Quartal. Die Einschätzung von Warner Bros. Discovery war bislang stets, dass es beim Paramount-Deal noch größere Hürden gebe, Paramount hingegen behauptet stets, dass Netflix sich viel größeren regulatorischen Problemen gegenüber sehe.

Spätestens bis Mittwoch kommender Woche müsste Netflix sich nun also entscheiden, ob man selbst bereit ist, nochmal eine Schippe drauf zu legen. Netflix möchte nicht das komplette Unternehmen übernehmen, sondern die ohnehin geplante Abspaltung des linearen TV-Geschäfts abwarten und dann nur Studio- und Streaming-Teil übernehmen. Paramount will hingegen auch die Kabelsender - womit auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Trump-nahen Ellison-Familie käme - das ist die politische Dimension dieses Milliardenpokers.

Dafür, dass Netflix nicht direkt kampflos aufgibt, spricht unter anderem, dass die Netflix-Führung in diesen Tagen nochmal das Gespräch mit Vertretern der Trump-Administration gesucht hat, die sich zuletzt deutlich auf Paramount-Seite geschlagen hatte. Andererseits ließ Ted Sarandos kürzlich auch schon einmal wissen, dass er im Zweifel bereit sei, sich zurückzuziehen und "andere zu viel bezahlen zu lassen". Nicht ausgeschlossen auch, dass die Netflix-Aktionäre gar nicht so unglücklich wären, wenn Netflix nun doch nicht zum Zuge käme: Seit Verkündung des Deals hat die Netflix-Aktie erheblich an Wert verloren - stieg in den letzten Tagen unter dem Licht der jüngsten Entwicklungen aber wieder an.

Mehr zum Thema