Am Dienstag hatte Warner Bros. Discovery es schon angedeutet, am Donnerstagnachmittag US-Zeit folgte dann die offizielle Einstufung des jüngst erhöhten Paramount-Angebots als "Company Superior Proposal" - also als dem eigentlich im Dezember mit Netflix längst geschlossenen Deal überlegen. Das setzte eine neue Frist in Gang: 4 Werktage hatte Netflix nun Zeit, um mit diesem Angebot gleichzuziehen - doch nötig waren für die Entscheidung nur Minuten: Netflix ist nicht bereit, noch mehr Geld für Warner locker zu machen. Damit ist David Ellison doch noch an seinem Ziel.
In einem Statement der Netflix-Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters heißt es: "Die von uns ausgehandelte Transaktion hätte einen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen und einen klaren Weg zur behördlichen Genehmigung geboten. Wir haben uns jedoch stets diszipliniert verhalten, und zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen."
Und weiter: "Wir sind überzeugt, dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätten und dass unser Deal die Unterhaltungsindustrie gestärkt und mehr Arbeitsplätze in der Produktion in den USA erhalten und geschaffen hätte. Aber diese Transaktion war immer ein 'Nice-to-have' zum richtigen Preis, kein 'Must-have' um jeden Preis. Das Geschäft von Netflix ist gesund, stark und wächst organisch, angetrieben von unserem Programm und unserem erstklassigen Streaming-Service."
Um Netflix auszustechen war letztlich gar keine allzu deutliche Aufstockung des eigentlichen Kaufpreises durch Paramount nötig, er wurde im Vergleich zum ursprünglichen Angebot nur um 1 Dollar je Aktie auf 31 Dollar erhöht. Trotzdem muss Paramount noch tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich geplant. Wenn WBD nun erwartungsgemäß den Deal mit Netflix aufkündigt, wird eine saftige Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar fällig. Paramount hat im Rahmen seines erneuerten Angebots zugesagt, diese Strafzahlung zu übernehmen, auch Finanzierungskosten im potentiellen Milliardenbereich übernimmt Paramount.
Und es könnten noch viele weitere Milliarden dazu kommen, falls der Deal doch nicht so einfach über die Bühne gehen sollte, wie erwartet. Ab dem 30. September 2026 muss Paramount eine sogenannte "Ticking Fee" für jeden Tag zahlen, an dem der Deal nicht abgeschlossen ist, die Höhe liegt bei 25 Cent pro Aktie und Quartal. Falls der Abschluss noch an regulatorischen Hürden scheitern sollte, würden 7 Milliarden Dollar fällig. Die Einschätzung von Warner Bros. Discovery war in der Vergangenheit eigentlich, dass es beim Paramount-Deal noch größere Hürden gebe, Paramount hingegen behauptet stets, dass Netflix sich viel größeren regulatorischen Problemen gegenüber sehe.
Paramount übernimmt anders als beim Netflix-Plan Warner Bros. Discovery komplett, also auch inklusive der linearen Sender. Damit kommt auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Ellison-Familie, die als Trump-nah gilt. Zudem ist Paramount mit Paramount+ auf dem Streamingmarkt bislang ein eher kleinerer Player - zusammen mit HBO Max gewinnt man hier an Gewicht. Im Kinomarkt entsteht durch die Fusion beider Unternehmen ein Riese.
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