In den zurückliegenden Jahren hat man beim SWR an verschiedenen Stellschrauben gedreht, um Kosten zu senken. Dabei machte man auch vor dem Programm nicht Halt: Diverse Sendungen wurden nicht weiter oder in einem geringeren Umfang beauftragt, auch die Position der Zweiten Chefredakteurin wurde gestrichen. Zuletzt konzentrierte man sich auch darauf, Studioflächen zu reduzieren, vor allem am Standort in Baden-Baden wurden Flächen abgebaut. Ab dem kommenden Jahr greift zudem auch eine neue Aufstellung auf Direktionsebene. 

Dass der SWR die Anzahl seiner Direktionen von bislang acht auf künftig sechs reduzieren will, war schon länger bekannt. Mit dem am 1. September 2025 in Kraft getretenen SWR-Staatsvertrag hat die Anstalt nun auch endlich die rechtliche Handhabe für den Umbau. Und nun ist klar, mit welcher Aufstellung man ab dem kommenden Jahr arbeiten wird. 

Bislang leistete sich der SWR folgende Direktionen: 

  • Landessenderdirektion Rheinland-Pfalz
  • Landessenderdirektion Baden-Württemberg
  • Juristische Direktion
  • Direktion Innovationsmanagement und Digitale Transformation
  • Verwaltungsdirektion
  • Direktion Technik und Produktion
  • Programmdirektion Information, Sport, Fiktion, Service und Unterhaltung
  • Programmdirektion Kultur, Wissen, Junge Formate

Ab 2027 gibt es diese sechs Direktionen: 

  • Programmdirektion Kultur, Junge Angebote und Portfolio-Management 
  • Programmdirektion Information, Unterhaltung und Baden-Württemberg
  • Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz
  • Juristische Direktion
  • Direktion Technik und Produktion
  • Direktion Organisation, Administration und Audience

Neben den zwei dezidierten Landessenderdirektionen, die wegfallen, kommt es also auch bei den anderen Direktionen teilweise zu Veränderungen. In der Direktion Organisation, Administration und Audience sollen die bisherige Verwaltungsdirektion sowie weite Teile der bisherigen Direktion Innovationsmanagement und Digitale Transformation zusammenwachsen. Die neue Struktur diene dazu, den SWR "zukunftsorientiert und effizient" aufzustellen, heißt es vom Unternehmen.

Und auch alle Standorte (mehr zum Thema hier) sind abgedeckt: Die Programmdirektion Information, Unterhaltung und Baden-Württemberg ist logischerweise in Stuttgart angesiedelt, die für Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz in Mainz. In Baden-Baden sitzt die dritte Programmdirektion für Kultur, Junge Angebote und Portfolio-Management. "Alle Direktionen übernehmen noch stärker als bislang standortübergreifend Verantwortung und stärken die Regionalität als Kernaufgabe des SWR", sagt eine Unternehmenssprecherin gegenüber DWDL.de. 

Im Zuge des Umbaus kommt es auch zu personellen Veränderungen auf Direktionsebene. Sowohl Stefanie Schneider (Landessenderdirektorin Baden-Württemberg) als auch Jan Büttner (Verwaltungsdirektor) scheiden, voraussichtlich zum Ende dieses Jahres, aus dem Unternehmen aus. Unter anderem die "Stuttgarter Zeitung" hatte zuvor über die beiden Personalien berichtet. Das kommt auch deshalb überraschend, weil die Verträge der beiden erst kürzlich verlängert wurden, was die Frage aufwirft, wie lange sie noch bezahlt werden bzw. wie hoch ihre möglichen Abfindungen ausfallen werden. 

Es sind Punkte, die man beim SWR möglichst schnell und deutlich klarstellen will - gerade auch vor dem Hintergrund der Vorgänge im RBB, wo ehemalige Managerinnen und Manager bis heute hochbezahlt sind, obwohl sie längst nicht mehr für den Sender arbeiten. Bei ihren Vertragsverlängerungen im Februar 2025 hätten Schneider und Büttner ihre Bereitschaft erklärt, "ihre Tätigkeit vorzeitig zu beenden, sollte dies in Anbetracht des anstehenden Struktur-Updates des SWR sinnvoll sein", heißt es vom Sender gegenüber DWDL.de. Und weiter: "Hierfür hat der SWR mit dem Verwaltungsrat bereits Vorkehrungen im Hinblick auf Ausgleich von Rentennachteilen getroffen und vertraglich geregelt, dass bei einer vorzeitigen einvernehmlichen Beendigung keine weiteren Gehaltszahlungen erfolgen."

Die Leitung der neuen Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz sowie die Leitung der neuen Direktion Organisation, Administration und Audience waren bereits zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar öffentlich ausgeschrieben. Nach aktuellen Planungen will SWR-Intendant Kai Gniffke die Berufungen dem Rundfunkrat am 27. März und dem Verwaltungsrat am 17. April zur Zustimmung vorlegen.

Clemens Bratzler und Anke Mai führen künftig die Direktionen Information, Unterhaltung und Baden-Württemberg (Bratzler) sowie Kultur, Junge Angebote und Portfolio-Management (Mai). Michael Eberhard leitet unverändert die Direktion Technik und Produktion, während Alexandra Köth juristische Direktorin bleibt. Ulla Fiebig, bislang Landessenderdirektorin Rheinland-Pfalz, und Thomas Dauser, bislang Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation, könnten sich auf die Stellen in den zwei anderen, neu zugeschnittenen Bereichen bewerben.