Der ORF wird eine für Montagabend geplante Dokumentation über Natascha Kampusch vorerst nicht ausstrahlen. Das hat der öffentlich-rechtliche Sender mitgeteilt. Als Grund dafür nennt der ORF "unterschiedliche Auffassungen betreffend die Persönlichkeitsrechte von Natascha Kampusch". Demnach wolle man sich "Zeit für eine entsprechende finale Abklärung geben", hieß es.
Ursprünglich sollte am Montagabend um 20:15 Uhr in ORF 2 die Sendung "Thema Spezial: Natascha Kampusch - Gefangen in Freiheit" gezeigt werden. Stattdessen wird der Sender nun kurzerhand eine Folge der "Millionenshow" - das österreichische Pendant zu "Wer wird Millionär?" - sowie einen verlängerten "Kulturmontag" ins Programm nehmen.
Zuletzt hatte Kampuschs Familie einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch der 38-Jährigen, die 1998 als Zehnjährige entfuhrt und acht Jahre lang gefangen gehalten wurde, öffentlich gemacht. Vor diesem Hintergrund hatte die Ankündigung der ORF-Dokumentation für kontroverse Diskussionen gesorgt. Wie der "Standard" berichtete, sollen sich auch Kampuschs Ärzte gegen das Projekt ausgesprochen haben.
Die Verbrechensopferhilfe Weißer Ring begrüßte indes die Entscheidung, auf die Ausstrahlung vorerst zu verzichten. Mediale Aufmerksamkeit könne für Betroffene sehr belastend sein und unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen. "Zentral ist, dass identifizierbare Betroffene von schweren Straftaten immer eine selbstständige und absolut informierte Entscheidung treffen können, ob und wie medial über sie berichtet wird", erklärten Caroline Kerschbaumer und Claudia Mikosz, die Geschäftsführerinnen des Weißen Rings.
Zugleich erklärte die Organisation, dass schon durch die Vorberichterstattung ein erheblicher Schaden entstanden sei. Dass der ORF zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Ausstrahlung verzichte, sei ein "wichtiges Signal für einen verantwortungsvollen Umgang mit Betroffenen von Straftaten".
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