Mitte Oktober 2025 ging die "taz" einen Schritt, der in den kommenden Jahren auch anderen Zeitungen wohl noch bevorstehen dürfte: Der Druck der werktäglichen Ausgabe wurde eingestellt, seither erscheint sie nur noch als E-Paper. Auf Papier gibt es nur noch die samstags erscheinende "wochentaz". Der Schritt führte zu einem Rückgang im Abo-Bestand - doch der fiel geringer aus als der Verlag das im Vorfeld erwartet hatte.

Wie die "taz" am Montag berichtet, war man intern davon ausgegangen, dass 70 Prozent der täglichen Print-Abonnentinnen und -Abonnenten an Bord bleiben würde, tatsächlich waren es aber 89,3 Prozent, die den Wechsel zur rein digitalen Werktagsausgabe mitgemacht haben. Rund 70 Prozent nutzen demnach ein Kombi-Abo aus digitaler Tagesausgabe und gedruckter "wochentaz".

"Dass so viele mit ins Digitale gegangen sind, übertrifft unsere Erwartungen deutlich," sagt "taz"-Geschäftsführer Andreas Marggraf. "Diese Zahl zeigt vor allem eines: Unsere Leser*innen vertrauen der taz und unterstützen den Wandel." Chefredakteurin Katrin Gottschalk ergänzt: "Unabhängiger Journalismus bleibt zukunftsfähig, wenn er von einer solidarischen Community getragen wird. Und unsere wächst: Wir erreichen gerade so viele Menschen wie noch nie."

Im Zuge der sogenannten "Seitenwende", wie die "taz" die Umstellung nennt, hätten viele neue Leserinnen und Leser ein Probe-Abo abgeschlossen und seien dabei geblieben. Auch das freiwillige Online-Bezahlmodell "taz zahl ich" verzeichne Wachstum: Aktuell seien 48.500 Unterstützerinnen und Unterstützer dabei. Gute Nachrichten sind das auch für die Belegschaft, für die es einen Bonus für 2025 und ab sofort auch etwas mehr Gehalt gibt.

"Die Seitenwende der 'taz' ist ein großartiger Erfolg, auf den wir alle heute stolz sind", sagt Anja Mierel aus dem "taz"-Vorstand. "Und die Arbeit der taz-Mitarbeitenden ist die Basis dafür. Da ist nicht nur ein Bonus fällig. Es ist auch an der Zeit, die taz-Gehälter anzuheben – immer mit Augenmaß, aber eben auch nachhaltiger, als das bisher möglich war."