Seit Jahresbeginn hat sich Dagmar Rosenfeld zusammen mit Robin Alexander selbstständig gemacht. Ihr Politik-Podcast "Machtwechsel" - bis dato unter der "Welt"-Flagge erschienen und nun von Studio Bummens produziert - steht inzwischen im Mittelpunkt ihres Schaffens. Und dazu gehört auch, dass die beiden Podcast-Hosts inzwischen sogenannte "Host-Read-Werbung" verlesen, also bezahlte Werbetexte, die innerhalb der "Machtwechsel"-Folgen zu hören sind.

Bei Gabor Steingart, dem Chef von "The Pioneer", kommt diese Form von Werbung gar nicht gut an. "Renommierte Journalisten lesen in ihren Podcasts Reklametexte vor, die als sogenannte Host-Read-Ads besonders wertvoll sind", schrieb er am Montag. In der Statistik, so seine Argumentation, firmiere das unter "Publizistik", "ehrlicher wäre die Umbuchung zur Prostitution".

Zu viel für Dagmar Rosenfeld, die in der Vergangenheit noch selbst als Mitherausgeberin bei "The Pioneer" mitwirkte und bis zuletzt eine Kolumne für das Steingart-Portal beisteuerte. Auf "X" hat sich die ehemalige "Welt"-Chefredakteurin nun allerdings von "The Pioneer" losgesagt. Wörtlich schrieb sie: "Lieber @gaborsteingart, mit Entsetzen lese ich, dass du meinen Journalismus 'Prostitution' nennst. Wir sind uns unter diesen Umständen sicherlich einig, dass ich deiner Bitte, weiter als Kolumnistin für @ThePioneerDe tätig zu sein, nicht mehr nachkomme."

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Steingart selbst bleibt augenscheinlich bei seiner Haltung. "Ich habe keinen Journalisten namentlich angegriffen, sondern eine Werbeform im Podcast, die ich nicht für ehrenhaft, sondern für ehrenrührig halte", schrieb er auf "X" und sieht durch die "Host Read Ads" die Trennung von Redaktion und Werbung, wie sie im Pressekodex festgehalten ist, als verletzt an. "Dadurch, dass der Journalist gegen Bezahlung dem Werbekunden seine Stimme leiht, wird ein Vertrauenstransfer versucht. Das finde ich nicht modern, sondern klebrig. Der Vorleser/ehemals Journalist sollte offen legen, wie viel Geld er dafür bekommen hat."

Unterstützung bekam Rosenfeld dagegen von ihrem Podcast-Partner Robin Alexander, der - ebenfalls auf "X" - daran erinnerte, dass ein sogenanntes "Lifetime-Abo" bei "The Pioneer" 5000 Euro koste. "Stil und Anstand", so der ehemalige "Welt"-Vize, "wird sich Gabor Steingart mit keinem Geld mehr kaufen können."