Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di die fast 800 Beschäftigten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) für diesen Freitag zum Warnstreik aufgerufen. Der Streik startete bereits um Mitternacht und soll 24 Stunden andauern. Neben der Nachrichtenagentur sind demnach auch ihre Landesbüros, der Berliner Newsroom und die dortigen Tochtergesellschaften betroffen. Mit dem Streik wollen die Beschäftigten "Bewegung in die zuletzt ins Stocken geratene Tarifverhandlung bringen", wie ver.di mitteilte. Nach Angaben der dpa sollen gleichwohl "alle wichtigen Themen der Berichterstattung" am Freitag "in gewohnter Qualität ausgeliefert" werden.

"Der heutige Streiktag ist historisch. Es ist die erste ganztägige Arbeitsniederlegung in der Geschichte der dpa-Nachrichtenagentur", sagte ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel. Zuvor habe es vor sieben Jahren erst eine kurzzeitigere Arbeitsniederlegung für zwei Stunden gegeben. "Die dpa-Beschäftigten versorgen deutsche Medien rund um die Uhr und unter enormem Hochdruck mit hochwertigen und zuverlässigen Nachrichtenprodukten. Das sehen sie vom Arbeitgeber nicht ausreichend anerkannt", so von Fintel. Der Streik sei daher auch Ausdruck ihrer "Sorge um die gesunkene Kaufkraft durch die Inflation, um gestiegene Lebenshaltungskosten und um die zunehmende Abwanderung vieler Beschäftigter raus aus der Nachrichtenagentur".

Die Gewerkschaftsforderung sieht eine Erhöhung der Gehälter um einen monatlichen Festbetrag von 250 Euro für 2026 und für 2027 eine Erhöhung um 2,5 Prozent mit einer Laufzeit von 18 Monaten vor. Die dpa-Geschäftsführung bot zuletzt hingegen einen monatlichen Festbetrag von 110 Euro Festbetrag in diesem Jahr und 2,5 Prozent ab Anfang 2027 bei 24 Monaten Laufzeit. "Das ist in doppelter Hinsicht zu wenig", sagte DJV-Verhandlungsführer Christian Wienzeck. "Zum einen wird damit nicht die zu erwartende Preissteigerung gedeckt, zum anderen entspricht eine so geringe Gehaltserhöhung nicht der gewaltigen Arbeitsleistung der Journalistinnen und Journalisten bei der dpa."

ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel bezeichnete es als "mutig, in der zentralen Nachrichtenquelle des Landes einen ganzen Tag lang die Arbeit niederzulegen". Das müsse sich "in einem starken Tarifergebnis auszahlen", so seine Erwartung. Christian Wienzeck vom DJV bezeichnete den Warnstreik zugleich als den "notwendigen Schuss vor den Bug". Die nächste Verhandlungsrunde ist für den kommenden Freitag angesetzt.

"Größere Tarifsprünge sind nicht möglich"

Die dpa hatte schon zu Beginn der Tarifverhandlungen im Januar mitgeteilt, es sei erklärtes Ziel, "eine Einigung zu erreichen, die die Interessen der Belegschaft, die allgemeine Marktsituation und die Gegebenheiten in den Häusern unserer Kunden in Balance bringt". Dabei müsse das Verhandlungsergebnis auch "die Stabilität des Unternehmens in dieser kritischen Umbruchphase der Branche stützen", so die dpa, die den ersten Vorschlag der Gewerkschaften als "unvereinbar mit der Realität am Markt" zurückgewiesen hatte.

Am Freitag machte die Nachrichtenagentur deutlich, bei ihrer bisherigen Linie bleiben zu wollen: "Größere Tarifsprünge, so wie sie nun durch Streikaktionen erreicht werden sollen, sind nicht möglich. Die dpa muss weiterhin in der Lage sein, im Interesse ihrer Gesellschafter und Kunden die langfristige Versorgung mit Inhalten zu marktverträglichen Bedingungen sicherzustellen."