Wenn es im deutschen Privatfernsehen unerwartet sperrig wurde, wenn Audience Flow oder die Erfüllung von Sehgewohnheiten durch seichte Berieselung keine Rolle mehr spielten, dann stand dahinter nicht selten ein Mann: Alexander Kluge. 1987 gründete er seine Firma Development Company for Television Program, kurz dctp und sicherte sich in den folgenden Jahrzehnten verlässlich große Teile der Sendezeiten für "unabhängige Dritte" bei den großen Privatsendern.
Hatte man erstmal den Zuschlag für ein solches Sendefenster erhalten, dann musste der Sender das Programm finanzieren, ohne Einfluss auf den Inhalt nehmen zu dürfen. Alexander Kluge nutzte das etwa, um die Kulturmagazine "10 vor 11", "News & Stories" oder "Prime-Time/Spätausgabe" bei RTL und Sat.1 zu platzieren, mit Partnern brachte Kluge auch "Spiegel TV" oder "Stern TV" auf Sendung. 1993 hatte sich dctp auch am damals neuen Sender Vox beteiligt.
Doch das war freilich nur eine Seite von Alexander Kluge, der häufig als "Universalkünstler" beschrieben wird. Als Autor war er Teil der "Gruppe 47", die die Literatur der Bundesrepublik prägte, als Regisseur wurde er in den 1960er und 1970er Jahren zu einem der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films. 1966 erhielt er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen in Venedig für sein Spielfilmdebüt "Abschied von gestern", 1968 folgte der Goldene Löwe für "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos". Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.
2010 erhielt er im Rahmen des Grimme-Preises die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbands für die Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens. In der Begründung hieß es damals: "Kaum eine Facette der Welt und der Wirklichkeiten, des schönen und des bösen Scheins, der Künste, der Konstrukte und der gesellschaftlichen Geschäftigkeiten, die er nicht bearbeitet hätte. Kaum eine mediale Form, die er nicht für sich genutzt, umgearbeitet und strategisch eingesetzt hätte." Und weiter: "Mit seinem tiefgehenden und facettenreichen Verständnis eines lebenslangen – und lustvollen -- Lernens wertet Alexander Kluge das von laufender Selbstentwertung bedrohte Alltagsmedium Fernsehen in überraschender und beglückender Weise auf."
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