Erst vor wenigen Tagen ist die Nachrichtenagentur dpa ganztägig bestreikt worden - es ist ein einmaliger Vorgang in der jüngeren Geschichte des Unternehmens gewesen (DWDL.de berichtete). Kurze Zeit später folgte die nächste Verhandlungsrunde mit den Gewerkschaften - und hier hat man sich dann tatsächlich einigen können. So steigen die Tarifgehälter ab April um 110 Euro, ab dem 1. Juli kommen noch einmal 90 Euro hinzu. Ab 1. Juli 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 2,5 Prozent.
Volontärinnen und Volontäre profitieren überproportional von der Einigung. Sie erhalten bereits rückwirkend zum 1. März 200 Euro mehr. Ab dem 1. Juli des kommenden Jahres steigen auch ihre Gehälter nochmals um 2,5 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine 24-monatige Laufzeit bis Ende 2027. Bei dem Abschluss handelt es sich um einen Kompromiss: Die Gewerkschaften hatten für dieses Jahr 250 Euro sowie ein 2,5-prozentiges Gehaltsplus ab 2027 gefordert. Die Laufzeit sollte bei 18 Monaten liegen. Die dpa bot zuletzt einen monatlichen Festbetrag von 110 Euro in diesem Jahr und 2,5 Prozent ab Anfang 2027 bei 24 Monaten Laufzeit an.
Nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) steigen die Einkommen der Beschäftigten durch die Einigung damit durchschnittlich um 6,5 Prozent innerhalb von zwei Jahren. ver.di hat diese Zahl noch etwas mehr aufgedröselt. So beträgt das Plus für Volos 8,4 Prozent und für Redakteurinnen und Redakteure bei Berufseinstieg 5,4 Prozent. Für langjährige Journalisten liegt das Plus bei 3,7 Prozent in diesem Jahr.
„Der fünfte Verhandlungstermin stand unter spürbarem Eindruck des ersten ganztägigen Streiks bei dpa eine Woche zuvor. Nach intensivem Austausch zwischen Tarifkommission und Arbeitgeberseite sieht die Einigung für große Teile der dpa-Beschäftigten Reallohnsteigerungen durch Festbetragserhöhungen und die weitere lineare Erhöhung vor. Das Ergebnis liegt deutlich über den vorherigen Angeboten der dpa. Im Kompromiss steckt unsererseits eine ausgereizte Laufzeit von 24 Monaten. Die dpa-Beschäftigten werden für ihren Mut, den Arbeitskampf zu wagen, nun mit dem jetzt erreichten Ergebnis belohnt, dadurch kam entscheidende Bewegung in die Verhandlung“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel.
DJV- Verhandlungsführer Christian Wienzeck sagt: „Dass dieser Abschluss trotz der schwierigen Situation möglich wurde, ist zu ganz wesentlichen Teilen den Kolleginnen und Kollegen zu verdanken. Mit dem ersten ganztägigen Warnstreik in der Geschichte der dpa wenige Tage vor der fünften Verhandlungsrunde haben sie ein deutliches Zeichen gesetzt und die Verhandlungen entscheidend vorangebracht." Und weiter: „Unser Ziel war es, einen Abschluss zu erreichen, der einerseits den Belastungen insbesondere der Volontärinnen und Volontäre sowie der Jungredakteure durch die Preisentwicklung Rechnung trägt und andererseits dem hohen Anspruch an die Qualität der Arbeit in Deutschlands führender Nachrichtenagentur gerecht wird."
Bei der dpa nennt man den erzielten Abschluss angesichts der aktuellen Marktentwicklungen "herausfordernd". Er liege über den für 2026 und 2027 angesetzten Etats. Ein Sprecher der Nachrichtenagentur erklärt: "Für die dpa-Geschäftsführung war es während der gesamten Verhandlungsrunden entscheidend, zu einer tragfähigen Lösung zu kommen, die die Leistung der Beschäftigten anerkennt und gleichzeitig wirtschaftlich verantwortbar bleibt."
Hinweis (14:20 Uhr): Wir haben den Text um das Statement der dpa ergänzt.
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