Durch die internationalen Streamingdienste ist das TV-Geschäft zwar so global wie nie - doch wenn dieselben Anbieter ihre Produktionen weltweit auswerten und zugleich die lokalen Medienhäuser immer stärker unter Druck geraten, wird auch der Spielraum für Formathandel insbesondere im non-fiktionalen Bereich immer kleiner. Dazu kommt die zunehmende Konsolidierung und Konzentration in der Branche. Die Veränderungen haben inzwischen auch immer deutlichere Auswirkungen auf den alljährlichen Event-Kalender.

Nun hat der kanadische Veranstalter Brunico Communications gleich eine ganze Reihe von TV-Messen und -Kongressen in den USA gestrichen. Die zuletzt im Februar in Miami gebündelten Events NATPE Global und Realscreen Summit werden im kommenden Jahr ebensowenig fortgeführt wir der Kidscreen Summit, der zuletzt ebenfalls im Februar in San Diego stattgefunden hat. Brunico-Chef Russell Goldstein begründet den Schritt mit der "anhaltenden Marktkonsolidierung" und den "strukturellen Auswirkungen auf das Geschäft mit der Produktion von Inhalten".

Die NATPE (National Association of Television Program Executives) wurde 1963 gegründet, ein erstes Event fand 1964 statt. Die Beschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie verschärften schon zuvor aufgetretene Probleme und führten zur Insolvenz, aus der heraus Brunico sie übernahm. Brunico bündelte NATPE Global und Realscreen Summit seit vergangenem Jahr innerhalb einer Woche am gleichen Ort in Miami, doch auch das konnte die Probleme augenscheinlich nicht lösen. 

Während "Kidscreen" und "Realscreen" als Publikationen aber fortgeführt werden sollen, verschwindet ein anderer Titel aus diesem Segment: "World Screen" hat am 31. März seinen Betrieb eingestellt. Herausgeber Ricardo Guise schrieb in einem Abschieds-Statement: "Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass World Screen nach 40 Jahren Berichterstattung über die internationale Fernsehbranche heute sein Erscheinen einstellt. Vier Jahrzehnte lang hatten wir das Privileg, die Entwicklung unserer Branche zu dokumentieren – von den Anfängen des internationalen Programmverkaufs bis hin zur heutigen globalen Streaming-Landschaft. Diese Reise wäre ohne das Vertrauen, die Zusammenarbeit und die Unterstützung unserer Partner, Werbekunden und Leser auf der ganzen Welt nicht möglich gewesen. Wir sind jedem Einzelnen von Ihnen zutiefst dankbar." 2024 hatte schon "Television Business International" aufgegeben.