Elke Heidenreich, die zwischen 2003 und 2008 unter dem Titel "Lesen!" selbst eine TV-Literatursendung beim ZDF hatte, fordert in einem Gastbeitrag in der "Zeit" die Absetzung von Denis Scheck und dessen ARD-Format „Druckfrisch“ – und sie hält sich dabei nicht mit persönlichen Angriffen auf Scheck zurück, den sie gleich eingangs als „merkwürdigen Mann in den aus der Zeit gefallenen Anzügen mit lustigen Einstecktüchlein“ bezeichnet, um der Sendung direkt im Anschluss jegliche Relevanz abzusprechen.

Dass Scheck Heidenreichs Bücher über Jahre in die Tonne beförderte, habe diesen jedenfalls nicht geschadet. "Um Mitternacht vom Teleprompter abgelesene Bosheiten bewirken gar nichts. Im Guten nicht, im Schlechten nicht, dass die ARD so was seit Jahren finanziert, ist so sinn- wie stillos. Kulturauftrag sieht anders aus", so Heidenreich. Anlass für Heidenreichs Furor ist Schecks jüngstes Abkanzeln von Ildikó von Kürthys Bestseller "Alt genug" als "Geschnatter aus der Damentoilette". Heidenreich: "Er hat Ildikó von Kürthys Buch über das Alter durchgeblättert […] und festgestellt: Bin ich nicht, versteh ich nicht, mag ich nicht. Funktioniert so eine ernsthafte, kluge, zeitgemäße Literaturkritik?"

Heidenreich wird aber grundsätzlicher und sieht darin den Ausfluss einer generellen Geringschätzung von Autorinnen in der Literaturkritik: „Seit Langem staune ich über den herablassenden Ton über Bücher von Frauen.“ Selbst gebildeten und kulturaffinen Männern fehle es an Respekt gegenüber Frauen und ihren Werken: "Dass ein eitler Fernsehkritiker an seinem Sendungskonzept klebt, leuchtet ein. Aber wir andern – warum und wann sind wir Feinde geworden, Männer und Frauen, wann und wie? Das ganze beknackte Gendern bringt gar nichts außer idiotische Doppelpunkte in Wörtern. Im Kopf müsste etwas stattfinden."

Auch von Kürthy hat für die "Zeit" einen Gastbeitrag verfasst, in dem sie zunächst darlegt, dass sie sich über die fortwährende Kritik Schecks über die Jahre nie gestört habe - bis jetzt. "Jetzt bin ich endlich alt genug, um so eine Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen nicht mehr kommentarlos hinzunehmen. Was man ignoriert, das verändert sich nicht. Was man ignoriert, das toleriert man. Und ich bin echt sauer." Bislang sei sei den Intellektuellen des Landes nicht sonderlich aufgefallen, nun hätten sich zwei von ihnen über ihr Buch geäußert. "Der Feuilletonist schrieb, er habe es überhaupt nicht gelesen, der Fernsehkritiker Scheck hatte es, wenn überhaupt, wohl nur grob und voreingenommen überflogen. Da darf man sich doch mal fragen, was das über den männlichen Blick auf Frauen und Weiblichkeit in der Literatur aussagt."

Heidenreich führt zum Abschluss ihres Plädoyers für ein Aus von Denis Schecks Büchersendung noch eine Szene an, in der er "gottgleich in einem schneeweißen Anzug vor einer schneeweißen Wand in einer Literatursendung des Südwestfunks ein Buch von Christa Wolf auf dem Tisch verbrennen" durfte: "Da haben wir sie, diese gefährliche Mischung aus klein sein und sich groß fühlen. Endlich in die Tonne damit".