Der ORF kommt nicht zur Ruhe. Nach den Querelen rund um den zurückgetretenen Generaldirektor Roland Weißmann steht nun ein weiterer, hochrangiger Manager des Unternehmens im öffentlichen Fokus. Werbechef Oliver Böhm ist beurlaubt worden, das bestätigte der ORF am Montagnachmittag gegenüber mehreren Medien. Auch gegen Böhm soll es Vorwürfe geben, diese will der Sender nun untersuchen. 

Oliver Böhm ist langjähriger Geschäftsführer der ORF-Vermarktungstochter ORF Enterprise und im ganzen Land bestens vernetzt. Er ist hauptverantwortlich dafür, dass beim ORF die Kassen klingeln - und weil der ORF hier mehr Freiheiten hat als zum Beispiel ARD und ZDF, ist dieser Bereich für das Unternehmen entsprechend wichtig. Jährlich erwirtschaftet der ORF mehr als 200 Millionen Euro mit Werbung - bei Gesamteinnahmen von etwas mehr als 1 Milliarden Euro. 

"Nachdem rund um Ostern Vorwürfe gegen ORF-Enterprise-Geschäftsführer Oliver Böhm aufgekommen sind, wurde er unverzüglich beurlaubt und eine Compliance-Untersuchung durch interne und externe Expert:innen eingeleitet", erklärte ein ORF-Sprecher jetzt gegenüber der Tageszeitung "Der Standard". Und weiter: "Sobald Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen, wird der ORF über die nächsten Schritte entscheiden und darüber auch sofort informieren."

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Während sich der ORF darüber hinaus nicht äußern wollte, erklärte der Betroffene gegenüber dem "Standard", er sei "auf Urlaub". Was dem Werbechef des ORF konkret vorgeworfen wird und von wem, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt. Fest steht: Die Vorwürfe gegen Oliver Böhm und seine Beurlaubung kommen in einem für den ORF kritischen Moment. Vor rund einem Monat ist der damalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann nach Vorwürfen zurückgetreten. 

Rund um den Abgang von Weißmann entwickelte sich zuletzt mehr und mehr eine Schlammschlacht zwischen den Beteiligten. Im Mittelpunkt dabei stehen auch der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer und sein Vize Gregor Schütze. Sie sollen Weißmann nach dem Aufkommen der Vorwürfe zum Rücktritt gedrängt haben. In einer ersten Kommunikation des Senders war damals noch von Vorwürfen der sexuellen Belästigung die Rede. Eine Untersuchung hat mittlerweile ergeben, dass dieser Vorwurf im rechtlichen Sinn nicht zu halten ist - das Dienstverhältnis zum ehemaligen Chef will der ORF dennoch kündigen (DWDL.de berichtete). Weißmann will das nicht hinnehmen und hat entsprechende rechtliche Schritte angekündigt, auch wegen der aus seiner Sicht "für Österreich bislang beispiellosen öffentlichen Vorverurteilung", hieß es von Weißmanns Anwalt.

Oliver Böhm ist seit mittlerweile 2013 Chef der ORF-Werbevermarktung, ähnlich wie Roland Weißmann gehört er zu den bestbezahlten Mitarbeitern des öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmens. Im Ende März veröffentlichten Ranking der bestverdienenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF landete Böhm auf Platz drei. 2025 kam er auf ein Bruttogehalt in Höhe von rund 349.000 Euro. Interimistisch wird der ORF aktuell von Ingrid Thurnher geleitet. Am 23. April wird sie voraussichtlich für die Restlaufzeit der aktuellen Geschäftsführungsperiode - also bis zum Ende dieses Jahres - als ORF-Chefin bestätigt. In wenigen Wochen beginnt die Stellenausschreibung für die ORF-Geschäftsführung ab 2027.