Bei RTL Deutschland wird die Marge ab sofort Schluck um Schluck gesteigert - und das um jeweils 45 Cent. Während schwarzer Kaffee für die Mitarbeitenden weiter kostenfrei ist, kosten Milchspezialitäten jetzt extra. Da schäumt die Belegschaft, aber nicht nur deswegen. Es geht um deutlich mehr Geld bzw. Geld, das es eben doch nicht gibt.

Es passiert nicht oft, dass sich ein CEO bei der Belegschaft für die schlechte interne Kommunikation entschuldigt. Bei RTL Deutschland ist das am Donnerstagvormittag geschehen: In einem kurzfristig angesetzten "Business Update" bat Stephan Schmitter um Entschuldigung für das, was Mitarbeitende als "Ohrfeige" und "Schlag in die Magengrube" bezeichneten und vergangene Woche Freitag in der selten genutzten Kommentarfunktion des Intranets für erstaunlich offene Wut und Enttäuschung sorgte. Die "SZ" berichtete am Donnerstag zuerst darüber.

Unter der Überschrift "Information zur Erfolgsbeteiligung 2025" erfuhr die Belegschaft am 10. April, dass es nichts geben werde. Die Voraussetzung für einen Anspruch, eine Umsatzrendite von mindestens sechs Prozent, sei im vergangenen Jahr nicht erfüllt worden. Zuletzt gab es noch ein halbes Monatsgehalt, zu früheren Zeiten deutlich mehr. Ein Umstand, der an sich schon für Frustration sorgt, schließlich hat die RTL Group kürzlich erst ihre Dividende für die Aktionäre angekündigt.

Doch beinahe mehr als der Umstand selbst, war es der Tonfall der Kommunikation, der intern für Empörung sorgt. In jenem Intranet-Beitrag scheitert Ingrid Heisserer, in Personalunion Chief Financial Officer & Chief Human Resources Officer von RTL Deutschland, bei dem Versuch empathisch zu sein: "Uns ist bewusst, dass dies für viele Mitarbeitende enttäuschend ist. Gerade deshalb möchten wir euch für euren großen Einsatz, eure Professionalität und euer Engagement in einem herausfordernden Jahr ausdrücklich danken."

Danke für Nichts, so der Tenor vieler Kommentare in der sonst selten genutzten Kommentarfunktion. Darunter eine Mischung aus Enttäuschung, Wut und Resignation - alles unter Klarnamen. Eine Bemerkung wie "Mein RTL" etwa, einst durchaus identitätsstiftend gemeint, hat schon durch das Restruktierungsprogramm im Haus gelitten; wurde stattdessen mit Sarkasmus aufgeladen. Andere Aussagen waren weniger subtil.

So offen bahnte sich Enttäuschung bei RTL Deutschland selten seinen Weg durch den Flurfunk. So öffentlich und mit Nachhall, dass es für die Geschäftsführung diese Woche nicht zu ignorieren war - und das ausgerechnet während man gerade angespannt auf Rückmeldung der EU-Kommission zur geplanten Sky-Übernahme wartet. Für die Zukunft, kündigte Schmitter an diesem Donnerstag im "Business Update" an, wolle man nun ein neues Modell der Erfolgsbeteiligung erarbeiten und in Kürze vorstellen.

Da gilt vorerst, wie bei der Entscheidung zu Sky: Abwarten und Tee trinken. Heißes Wasser bleibt kostenlos.