Die Krise der Teleshopping-Anbieter geht weiter: Nach Mediashop und Channel 21 im deutschsprachigen Raum trifft es mit QVC nun einen echten Pionier dieses Bereichs. Der Schritt hatte sich bereits angedeutet, nun hat die QVC Group tatsächlich einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts gestellt. Dadurch will man nun massiv Schulden abbauen und den Grundstein für einen Neustart legen.
Durch das Insolvenzverfahren sollen die Schulden des Unternehmens nach dem Willen der Verantwortlichen von aktuell 6,6 auf nur noch 1,3 Milliarden Dollar sinken. Zur Gruppe gehören neben QVC noch andere Teleshopping-Marken wie Home Shopping Network (HSN). Beide Sender sind Pioniere im weltweiten Geschäft des Teleshoppings, hatten in den zurückliegenden Jahren jedoch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Einerseits machte den Sendern zu schaffen, dass Menschen immer weniger lineares Fernsehen sehen. Und dann kam auch noch die Shopping-Konkurrenz im Internet auf.
Viele Teleshopper haben es versäumt, ihr Geschäftsmodell rechtzeitig in die neue Zeit zu überführen. Die jüngsten Insolvenzen machen das überdeutlich. Alle Tochtergesellschaften außerhalb der USA seien nicht Teil des Verfahrens, teilte QVC mit. Ausnahme sei lediglich eine nicht operative Tochtergesellschaft in Luxemburg, die aber weder über Mitarbeitende noch Kunden oder sonstige Geschäftspartner verfüge. Hinter dem deutsche QVC steht die QVC Handel S.à r.l. & Co. KG. "Die weltweiten Geschäftsaktivitäten des Unternehmens laufen wie gewohnt weiter – einschließlich der kundenorientierten Aktivitäten in Großbritannien, Deutschland, Japan und Italien – und die Zahlungen an Lieferanten und Zulieferer erfolgen in all diesen Regionen wie gewohnt", heißt es.
Nach Angaben des Unternehmens läuft der Geschäftsbetrieb aber auch in den USA ohne Einschränkungen weiter. Man verfüge über "reichlich Liquidität", um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Auch den Verpflichtungen gegenüber Lieferanten und anderen Gläubigern werde man nachkommen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden regulär weiter bezahlt werden. Es soll auch keine Kündigungen geben.
Geht es nach den Plänen der Unternehmensleitung, ist das Insolvenzverfahren noch im Sommer abgeschlossen. Die QVC-Spitze bewirbt sich mit ihrer Kommunikation rund um die Insolvenz in jedem Fall schon einmal für den Euphemismus des Jahres. "Die QVC Group ist einzigartig positioniert, um im Bereich Live-Social-Shopping zu bestehen und erfolgreich zu sein, und wir sehen erste positive Impulse bei unserer Wachstumsstrategie", erklärte David Rawlinson, Präsident und CEO der QVC Group. Man habe sich zu einem Top-Verkäufer im TikTok Shop entwickelt und das Geschäft auf Streamingplattformen ausgebaut.
"Wir haben unsere HSN- und QVC-Aktivitäten konsolidiert, neue Vereinbarungen mit wichtigen Partnern aus den Bereichen Social Media und Medien geschlossen und unsere Beschaffung neu ausgerichtet, um dem sich wandelnden Zollumfeld Rechnung zu tragen." Mit der Unterstützung von Kreditgebern und einer "angemesseneren Kapitalstruktur" wolle man die angestrebte Wachstumsstrategie erfolgreich umsetzen. Die Pressemitteilung zur Insolvenz ist überschrieben mit: "Die QVC Group wird ihre Finanzlage deutlich stärken, während das Unternehmen seine transformative Wachstumsstrategie im Bereich Live-Social-Shopping weiter vorantreibt".
Es klingt ein bisschen so, als sei die Insolvenz nur ein kleiner Stolperstein auf dem Weg zum künftigen Weltmarktführer. Die Realität sieht indes wohl etwas trister aus. QVC (Quality Value Convenience) ist 1986 als Alternative zum damals bereits existierenden HSN on Air gegangen. Die beiden Sender standen lange in Konkurrenz zueinander, 2017 folgte schließlich der Zusammenschluss. Da waren die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen längst unter Druck.
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